Der dunkle Turm - Gesamtausgabe
kratzen. Gaskie machte sich nicht viel aus Trampas, der eine völlig unangebrachte Vorliebe für die begabten Tiere hatte, für die er zuständig war. Etwas näher saß Ted Brautigan auf der in die Feveral Hall führenden Treppe und verfolgte ebenfalls das Spiel. Wie immer mit einer Dose Nozz-A-La in der Hand.
»Scheiß drauf«, sagte James Cagney mit der Stimme eines Mannes, der eine langweilige Diskussion beenden wollte. »Wenns dir nichts ausmacht, für zwei, drei Tage ein paar Humies von der Zaunpatrouille abzuziehen …«
»Wieso ist Brautigan so früh auf den Beinen?«, unterbrach Gaskie ihn. »Normalerweise kommt der doch nie vor Mittag aus den Federn. Und bei dem Knaben, mit dem er immer rumhängt, ist es sonst nicht anders. Wie heißt der gleich wieder?«
»Earnshaw?« Brautigan hing auch oft mit diesem Halbidioten Ruiz rum, aber Ruiz war kein Knabe mehr.
Gaskie nickte. »Aye, Earnshaw, den meine ich. Er hat heute offenbar schon morgens Dienst. Ich hab ihn jedenfalls im Studiersaal gesehen.«
Cag (wie seine Freunde ihn nannten) war es scheißegal, warum Brautigan mit den Vögelein aufgestanden war (von denen es ohnehin nicht mehr viele gab, zumindest nicht in Donnerschlag); er wollte nur schnell diese Dienstplansache abschließen, damit er zum Damli House hinüberschlendern konnte, um sich eine Portion Rührei zu bestellen. Einer der Rods hatte irgendwo frischen Schnittlauch gefunden, wie er mitbekommen hatte, und …
»Riechst du auch was, Cag?«, fragte Gaskie o’ Tego plötzlich.
Der Can-Toi, der sich für James Cagney hielt, wollte fragen, ob Gaskie etwa gefurzt habe, aber dann sparte er sich diese humorvolle Erwiderung. Er roch nämlich tatsächlich auch etwas. War das etwa Rauch?
Cag glaubte, dass es welcher war.
6
Ted saß auf der kalten Steintreppe vor Feveral Hall, atmete die übel riechende Luft und hörte zu, wie Humes und Taheen sich auf dem Spielfeld mit wenig feinen Ausdrücken belegten. (Nicht jedoch die Can-Toi; sie weigerten sich, solch ordinäre Wörter zu benutzen.) Sein Herz schlug kräftig, aber nicht hektisch. Falls es hier einen Rubikon gab, der überschritten werden musste, hatte er ihn schon vor einiger Zeit überschritten, das war ihm jetzt klar. Möglicherweise in jener Nacht, in der die niederen Männer ihn aus Connecticut hierher zurückgeschleppt hatten; wahrscheinlicher aber noch an dem Tag, an dem er Dinky vorgeschlagen hatte, sich mit den Revolvermännern, von denen Sheemie Ruiz behauptete, sie seien in der Nähe, in Verbindung zu setzen. Jetzt war er angespannt (bis zum Anschlag, hätte Dinky gesagt), aber nervös? Nein. Nervosität, fand er, war etwas für Leute, die noch immer keinen eindeutigen Entschluss gefasst hatten.
Hinter sich hörte Ted den einen Idioten (Gaskie) den anderen Idioten (Cagney) fragen, ob er etwas rieche, und war sich nun ganz sicher, dass Haylis seinen Teil getan hatte. Das Spiel lief. Ted griff in seine Tasche und zog einen Fetzen Papier heraus. Darauf stand ein vollkommener, allerdings kaum shakespearischer Pentameter: MIT ERHOBENEN HÄNDEN NACH SÜD, NICHTS WIRD EUCH DANN GESCHEH’N.
Er starrte den kurzen Text an und machte sich dann bereit, ihn zu senden.
Hinter ihm im Aufenthaltsraum der Feveral Hall schrillte gellend laut ein Rauchmelder los.
Auf geht’s, auf geht’s, dachte er und sah nach Norden, wo sich hoffentlich der erste Schütze – die Frau – verbarg.
7
Auf drei Vierteln des Weges die Promenade in Richtung Damli House entlang blieb Prentiss mit Finli auf der einen und Jakli auf der anderen Seite stehen. Das Hornsignal war noch nicht ertönt, aber hinter ihnen erklang nun ein lautes Schrillen. Sie hatten kaum angefangen, sich ihm zuzuwenden, als am anderen Ende des Komplexes – dort wo die Wohnheime lagen – ein weiteres an- und abschwellendes Schrillen einsetzte.
»Was zum Teufel …«, begann Pimli.
… ist das?, hatte er fragen wollen, aber da kam auch schon Tammy Kelly, der sein Laufjunge Tassa dicht auf den Fersen war, aus der Tür gestürmt. Beide schwenkten aufgeregt die Arme über dem Kopf.
»Feuer!«, rief Tammy. »Feuer!«
Feuer? Aber das ist unmöglich, sagte Pimli sich. Wenn das einer der Rauchmelder aus meinem Haus ist und gleichzeitig der Rauchmelder in einem der Wohnheime losgeht, dann muss doch …
»Das muss ein Fehlalarm sein«, erklärte er Finli. »Die Rauchmelder zeigen damit wohl nur an, dass ihre Batterien …«
Bevor er diese hoffnungsvolle Einschätzung zu
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