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Der dunkle Turm - Gesamtausgabe

Der dunkle Turm - Gesamtausgabe

Titel: Der dunkle Turm - Gesamtausgabe Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephen King
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wenn sie’s nicht sehen oder hören könnten. Wir wissen nicht, welche Impulse ihre Telemetrie aufzeichnen kann.«
    Im Schutz der Dunkelheit hatte Susannah alle drei »Lazer« aufgebaut. Wenn es dann so weit war, würde sie die Intervallschalter betätigen. Vielleicht funktionierten die Waffen und verstärkten so den Eindruck, den sie hervorzurufen gedachten; vielleicht aber auch nicht. Susannah würde sie zur rechten Zeit ausprobieren – mehr konnte sie nicht tun.
    Mit laut klopfendem Herzen wartete Susannah nun auf das Hornsignal. Auf die Musik. Und wenn die Schnaatze, die der Rod versteckt hatte, so funktionierten, wie Roland glaubte, dass sie es tun würden – dann auch auf die Brände.
    »Im Idealfall werden sie alle während des fünf bis zehn Minuten dauernden Wachwechsels aktiv«, hatte Roland gesagt. »Jedermann flitzt geschäftigt umher, winkt Freunden zu, bleibt vielleicht zu einem Schwätzchen stehen. Das können wir zwar nicht erwarten – nicht so recht –, aber wir können darauf hoffen.«
    Ja, das konnten sie tun … aber Wunsch in der einen Hand, Scheiße in der anderen, mal sehen, welche sich schneller füllt. Jedenfalls lag die Entscheidung, wann der erste Schuss abgegeben werden musste, heute bei Susannah. Danach würde alles jin-jin ablaufen.
    Bitte, Gott, hilf mir, den richtigen Zeitpunkt zu wählen.
    Sie wartete und hielt dabei die Stütze einer der Coyote-Maschinenpistolen in die rechte Schulter eingezogen. Als die Musik einsetzte – mit etwas, was sie für eine Aufzeichnung des Uraltschlagers »That’s Amore« hielt –, fuhr Susannah auf dem Sitz des Geländedreirads zusammen und betätigte unwillkürlich den Abzug. Wäre die Waffe nicht gesichert gewesen, hätte sie einen Feuerstoß ins Dach des Lagerschuppens gejagt und damit bestimmt alles verdorben. Aber Roland hatte sie gut ausgebildet, und der Abzug unter ihrem Zeigefinger bewegte sich nicht. Trotzdem hatte ihre Pulsfrequenz sich verdoppelt – vielleicht verdreifacht –, und sie konnte spüren, wie ihr der Schweiß über die Rippen lief, obwohl es wieder ein kühler Tag war.
    Die Musik hatte eingesetzt. Gut. Aber die Musik allein genügte nicht. Sie saß auf dem Dreirad und wartete auf das Hornsignal.
     
     

3
     
    »Dino Martino«, flüsterte Eddie fast unhörbar leise.
    »Hä?«, sagte Jake.
    Sie waren zu viert hinter dem alten Güterwaggon mit der Aufschrift SOO LINE, nachdem sie sich durch den Friedhof aus ausgedienten Loks und Waggons bis zu dieser Stelle vorgearbeitet hatten. Die Schiebetüren zu beiden Seiten des Waggons standen offen, sodass die vier nur hindurchzusehen brauchten, um den Zaun, die südlichen Wachttürme und das Dorf Pleasantville mit seiner einzigen Straße überblicken zu können. Der sechsarmige Roboter, der zuvor auf der Promenade unterwegs gewesen war, rollte jetzt an putzigen (und geschlossenen) Läden vorbei die Hauptstraße hinauf und hinunter und plärrte dabei etwas, was wie mathematische Gleichungen klang, und zwar aus voller … Lunge?
    »Dino Martino«, wiederholte Eddie. Oy saß zu Jakes Füßen und sah mit seinen glänzenden, goldgeränderten Augen zu ihm auf; Eddie beugte sich hinunter und tätschelte ihm kurz den Kopf. »Dieses Lied hat ursprünglich Dean Martin gesungen.«
    »Ehrlich?«, sagte Jake zweifelnd.
    »Klar. Nur hat unsere Version gelautet: ›When-a da moon hits-a yo’ lip like a big piece-a-shit, ’at’s amore …‹«
    »Still jetzt, wenn’s beliebt«, murmelte Roland.
    »Ihr riecht doch nicht etwa schon Rauch, oder?«, fragte Eddie.
    Jake und Roland schüttelten den Kopf. Roland hatte seine große Kanone mit dem Sandelholzgriff. Jake war mit einem AR-15 bewaffnet, aber auch die Tasche mit den Orizas hatte er sich wieder über die Schulter gehängt – und das nicht nur als Talisman. Wenn alles wie vorgesehen klappte, würden Roland und er sie bald einsetzen.
     
     

4
     
    Wie die meisten Männer, die Hauspersonal beschäftigen, hatte auch Pimli Prentiss keinen klaren Begriff von seinen Angestellten als Wesen mit Zielen, Ehrgeiz und Gefühlen – mit anderen Worten: als Menschen. Solange jemand da war, der ihm nachmittags sein Glas Whiskey brachte und ihm abends um halb sechs sein Kotelett (nur kurz angebraten) vorsetzte, machte er sich kaum jemals Gedanken über sie. Zweifellos wäre er erstaunt gewesen zu erfahren, dass Tammy (seine Haushälterin) und Tassa (sein Laufjunge) sich hassten. Schließlich gingen sie in seiner Gegenwart mit vollendetem – wenn auch

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