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Die drei Schmiede ihres Schicksals

Die drei Schmiede ihres Schicksals

Titel: Die drei Schmiede ihres Schicksals Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Adalbert Stifter
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suche uns einige.«
    »In dem Bade sind schon lange keine mehr zu haben, weil bereits Herbst ist,« sagte Tiburius.
    »Wenn ihr viele Erdbeeren wollt,« erwiederte das Mädchen - - »wie heißt ihr denn, Herr?«
    »Theodor heiße ich«, antwortete Tiburius.
    »Wenn ihr in dieser Jahrszeit viele Erdbeeren wollt, Herr Theodor,« fuhr das Mädchen fort, »so müßt ihr in die Urselschläge hinüber gehen; denn da werden sie erst im Spätsommer reif. Jezt sind sie noch schön genug. Geht einmal hin und pflükt euch einige. In andern Zeiten sind sie wieder an andern Pläzen gut.«
    Tiburius war unterdessen mit allen seinen Erdbeeren fertig geworden, und er legte das Schüsselchen mit den grünen Blättern neben sich auf den Stein.
    »Ich habe an diesem Plaze nur ein wenig gerastet, und gehe jezt fort,« sagte das Mädchen.
    »Ich gehe mit,« sagte Tiburius.
    »Wenn ihr wollt, so geht,« antwortete das Mädchen.
    Sie beugte sich auf das weiße Linnen, das das Körbchen umhüllte und zu ihren Füssen auf dem Wege stand, nieder, faßte die vier Zipfel geschikt in ihre Hand, hob sie auf, und ging, das Körbchen an ihrer Seite tragend, fort. Tiburius hob sich von seinem Size, streifte die auf den Stein gefallenen Waldnadeln von seinem grauen Roke, und ging mit.
    Sie führte ihn auf dem Wege, der zu der Steinwand und zu seinem Wagen ging, hinaus. Als sie aber zu der Gabel kamen, die Herrn Tiburius zum ersten Male verführt hatte, bog sie in den wohlbetretenen Pfad ein, und ließ den zu ihrer Rechten liegen, der zu der Wand und zu Tiburius Pferden hinaus führte. Er ging neben ihr her, der Pfad lenkte in schönen dicht bestandenen Wald ein und ging in ihm fort. Das Mädchen schritt, von den tanzenden Lichtern des Waldes bald besprengt bald gemieden, in einem mäßigen Tritte fort, daß Tiburius ohne Beschwerde neben ihr gehen konnte. Als sie eine Streke zurük gelegt hatten, glaubte Tiburius den großen Stein zu erkennen, zu dem er damals gerannt war, und auf dem er stand, da er nach seinem Wagen und nach seinen Leuten gerufen hatte.
    »Ich muß euch doch um etwas fragen, das ich nicht verstehe,« sagte das Mädchen, da sie so mit einander gingen.
    »So frage,« antwortete Tiburius.
    »Ihr habt gesagt, da ihr mir die Erdbeeren abkaufen wolltet, daß ihr kein Geld an jener Stelle hättet, wenn ich aber bis auf die Straße hinausginge, wolltet ihr mir sie dort gut bezahlen. Wie ist nun das zu verstehen? Liegt euer Geld auf der Straße?«
    »Nein, das ist nur so,« antwortete Tiburius, - »aber sage mir auch, wie heißest denn du?«
    »Maria heiße ich,« erwiederte das Mädchen.
    »Also siehst du, Maria, das ist so: ich gehe nur öfter ganz allein in den Wald herein, um da spazieren zu gehen, mein Diener wartet auf der Straße. Da nun er alles einkauft, was wir bedürfen, und da er auch das bezahlt, was ich kaufe, so trage ich nie ein Geld mit mir, sondern er hat mein Geld und verrechnet es mir zu gesezten Zeiten.«
    »Das ist ja sehr unangenehm und ein großer Umweg,« versezte das Mädchen, »sein Geld muß man ja selbst bei sich haben, und selbst kaufen und zahlen; dann braucht man keinen Andern und keine Rechnung.«
    »Das ist wohl wahr,« sagte Tiburius, »und du hast Recht, aber es ist auch schon so Sitte geworden.«
    »Eine Sitte, die närrisch ist,« antwortete das Mädchen, »würde ich gar nicht mehr befolgen.«
    So gingen sie unter verschiedenen Fragen und Antworten fort. Sie gingen eine geraume Weile in dem Walde. Endlich lichtete er sich, die Bäume standen dünner, Wiesen zeigten sich hie und da, und der Pfad lief durch dieselben hin, dem tiefern Gebirge zu. An einer schönen Stelle, wo Laubbäume standen, und mehrere sonnenbeglänzte Steine lagen, bog Maria von dem Pfade ab, und auf ein dünnes feines Weglein, das über eine Matte hinauf ging, zeigend, sagte sie: »Hier geht man zu unserem Hause hinauf, wenn ihr mit kommen wollt, seid ihr eingeladen.«
    »Ich gehe schon mit,« antwortete Tiburius.
    Sie schritt also voran, und er folgte. Da sie in Windungen, weil die Matte bedeutend steil war, nicht gar so weit gegangen waren, zeigte sich das Haus. Es stand in einer breiten bequemen Mulde des Abhanges, der in einem Halbkreise etwas weiter von dem Hause eine Steinwand bildete, die das Haus von allen Seiten, außer der des Mittags, wohin die Fenster gingen, schüzte. Darum war es auch möglich, daß viele Obstbäume um das Haus standen und ihre Früchte zeitigen konnten, während doch in der ganzen Gegend, und

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