Die Orks 01 - Die Rückkehr der Orks
Hoffnung – und es würde sie auch in Zukunft nicht geben …
Wie Balbok vorgeschlagen hatte, schlugen sie westliche Richtung ein und nahmen damit einen Umweg in Kauf. In einem weiten Bogen würden sie zum Fluss zurückkehren und hofften, auf diese Weise den Menschen zu umgehen.
Aber die Orks und ihre Gefangene kamen nicht so weit.
Das Unheil kündigte sich in Form eines Knackens an, das ein wenig so klang, als würde ein morscher Ast zerbrechen. Instinktiv blieb zuerst Rammar stehen und hinter ihm seine Begleiter – und einen Lidschlag später wurden alle drei gepackt und emporgerissen!
Schlagartig verloren sie den Boden unter den Füßen, raue Seile zogen sich um sie zusammen und verschnürten sie zu einem zappelnden Bündel. Balbok hatte Rammars Ellbogen im Rücken und Alannahs Fuß im Gesicht. Sein eigenes Bein war grotesk nach hinten verdreht, und seine rechte Klaue war im Ausschnitt der Elfin gelandet, ohne dass er sie von dort entfernen konnte.
»Nur eine dämliche Bemerkung von dir, Ork«, knurrte Alannah, »und es ist um dich geschehen …«
Erst allmählich begriffen die drei, was passiert war: Sie waren blindlings in eine Falle getappt und in einem Netz gefangen, das unter dem Laub des Waldes verborgen gewesen war. Unfähig sich zu befreien, baumelten sie in luftiger Höhe.
»Da hast du uns wieder einen schönen Magenverstimmer eingebrockt, Balbok!«, rief Rammar wütend. »Das alles ist allein deine Schuld!«
»Wie-wieso denn das?«
»Weil du die Falle hättest riechen müssen!«
»Ich hätte sie riechen müssen? Wie soll das denn gehen?«
»Was weiß ich? Sonst erschnuppert dein dämlicher Rüssel doch alles Mögliche!«
»Aber ganz bestimmt kein verstecktes Netz!«
»Das hab ich gemerkt …«
»Sagt mal, ihr beiden Streithähne«, unterbrach Alannah das Gezänk der Brüder, »wollt ihr euer bisschen Hirn nicht lieber darauf verwenden, darüber nachzudenken, wie wir uns aus dieser misslichen Lage befreien können?«
»Ein guter Vorschlag«, erklang es plötzlich von unten. »Dann lasst mal hören. Ich bin sehr gespannt.«
Die Orks und ihre Gefangene zuckten zusammen. Durch die Maschen des Netzes sahen sie eine schlanke Gestalt, die unvermittelt zwischen den Bäumen aufgetaucht war.
Es war ein Mensch.
Seine langen, für Ork-Verhältnisse geradezu spinnendürren Beine steckten in braunen Lederstiefeln, deren gestülpte Schäfte bis zu den Knien reichten, und dunkelgrünen Hosen. Darüber trug er einen ebenso dunkelgrünen Rock mit breitem Waffengurt, in dessen Scheide ein Anderthalbhänder steckte. Der dunkle Umhang ließ den Fremden noch bedrohlicher wirken. Die Kapuze hatte er zurückgeschlagen, und stahlblaue Augen blitzten in einem von schulterlangem schwarzen Haar umrahmten Gesicht, über dessen linker Wange eine hässliche Narbe verlief.
»Das ist er!«, hauchte Balbok seinem Bruder zu.
»Wer?«
»Der Mensch«, kam es flüsternd zurück. »Der Waldläufer, den ich am Fluss gesehen habe.«
»Shnorsh!«, schimpfte Rammar – denn in diesem Moment wurde ihm klar, dass sich sein Bruder und er wie blutige Anfänger verhalten hatten. Die Fährte, auf die sie gestoßen waren, war mit Absicht gelegt worden, um sie in die entgegengesetzte Richtung zu locken.
Indem sie einen Umweg gegangen waren, um ein Zusammentreffen mit dem Menschen zu vermeiden, hatten sie genau das getan, was das Milchgesicht von ihnen gewollt hatte, und sie waren blindlings in die Falle getappt – sie waren gefangen und befanden sich in seiner Gewalt.
»Sieh an«, spottete der Mensch in der Sprache seines Volkes. »Nun sind die Jäger auf einmal zur Beute geworden.«
Den Spruch fand er lustig, und er lachte schallend, goss seinen ganzen Spott über Rammar und Balbok aus, die vor Wut kaum an sich halten konnten. Andererseits konnten sie auch nichts gegen ihre missliche Lage unternehmen, denn in der Enge des Netzes war es ihnen unmöglich, an ihre Waffen zu gelangen.
»Verdammt, Mensch!«, rief Alannah hinab, die als Erste die Sprache wiederfand. »Wie lange willst du dich noch über uns amüsieren, ehe du uns wieder hinunterlässt?«
»Ihr wollt runter?«, fragte der Mensch und zog sein Schwert, dessen Klinge gefährlich blitzte. »Nun gut, Elfin – Euer Wunsch ist mir Befehl.«
Im nächsten Moment hieb er auf das Seil ein, das das Netz in der Luft hielt. Es verlief über einen Ast hoch in den Bäumen und von dort wieder nach unten und war an den Stamm eines weiteren Baums gebunden. Da es straff
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