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Dramatische Werke

Dramatische Werke

Titel: Dramatische Werke Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Friedrich Schiller
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über meinen Dolch zu befehlen.
    Moor.
Rache, Rache, Rache dir! grimmig beleidigter, entheiligter Greis! So zerreiß' ich von nun an auf ewig das brüderliche Band. (Er zerreißt sein Kleid von oben bis unten.) So verfluch' ich jeden Tropfen brüderlichen Bluts im Antlitz des offenen Himmels! Höre mich, Mond und Gestirne! Höre mich, mitternächtlicher Himmel, der du auf die Schandthat herunterblicktest! Höre mich, dreimal schrecklicher Gott, der da oben über dem Monde waltet, und rächt und verdammt über den Sternen, und feuerflammt über der Nacht! Hier knie' ich – hier streck' ich empor die drei Finger in die Schauer der Nacht – hier schwör' ich, und so speie die Natur mich aus ihren Grenzen wie eine bösartige Bestie aus, wenn ich diesen Schwur verletze, schwör' ich, das Licht des Tages nicht mehr zu grüßen, bis des Vatermörders Blut, vor diesem Steine verschüttet, gegen die Sonne dampft. (Er steht auf.)
    Die Räuber.
Es ist ein Belialsstreich! Sag' Einer, wir seinen Schelmen! Nein, bei allen Drachen! so bunt haben wir's nie gemacht.
    Moor.
Ja, und bei allen schrecklichen Seufzern derer, die jemals durch eure Dolche sturben, Derer, die meine Flamme fraß und mein fallender Thurm zermalmte, – eh' soll kein Gedanke von Mord oder Raub Platz finden in eurer Brust, bis euer aller Kleider von des Verruchten Blut scharlachroth gezeichnet sind – das hat euch wohl niemals geträumt, daß ihr der Arm höherer Majestäten seid? Der verworrene Knäul unsers Schicksals ist aufgelöst! Heute, heute hat eine unsichtbare Macht unser Handwerk geadelt! Betet an vor Dem, der euch dies erhabene Loos gesprochen, der euch hieher geführt, der euch gewürdiget hat, die schrecklichen Engel seines finstern Gerichtes zu sein! Entblößet eure Häupter! Knieet hin in den Staub und stehet geheiliget auf! (Sie knieen.)
    Schweizer.
Gebeut, Hauptmann! was sollen wir thun?
    Moor.
Steh auf, Schweizer, und rühre diese heiligen Locken an! (Er führt ihn zu seinem Vater und gibt ihm eine Locke in die Hand.) Du weißt noch, wie du einsmals jenem böhmischen Reiter den Kopf spaltetest, da er eben den Säbel über mich zuckte und ich athemlos und erschöpft von der Arbeit in die Kniee gesunken war? dazumal verhieß ich dir eine Belohnung, die königlich wäre; ich konnte diese Schuld bisher niemals bezahlen –
    Schweizer.
Das schwurst du mir, es ist wahr, aber laß mich dich ewig meinen Schuldner nennen!
    Moor.
Nein, jetzt will ich bezahlen. Schweizer, so ist noch kein Sterblicher geehrt worden, wie du! – Räche meinen Vater! (Schweizer steht auf.)
    Schweizer.
Großer Hauptmann! heut hast du mich zum erstenmal stolz gemacht! – Gebeut, wo, wie, wann soll ich ihn schlagen?
    Moor.
Die Minuten sind geweiht, du mußt eilends gehn – Lies dir die Würdigsten aus der Bande und führe sie gerade nach des Edelmanns Schloß! Zerr' ihn aus dem Bette, wenn er schläft oder in den Armen der Wollust liegt, schlepp' ihn vom Mahle weg, wenn er besoffen ist, reiß ihn vom Crucifix, wenn er betend vor ihm auf den Knieen liegt! Aber ich sage dir, ich schärf' es dir hart ein, liefr' ihn mir nicht todt! Dessen Fleisch will ich in Stücken reißen und hungrigen Geiern zur Speise geben, der ihm nur die Haut ritzt oder ein Haar kränkt! Ganz muß ich ihn haben, und wenn du ihn ganz und lebendig bringst, so sollst du eine Million zur Belohnung haben, ich will sie einem Könige mit Gefahr meines Lebens stehlen, und du sollst frei ausgehn wie die weite Luft – Hast du mich verstanden, so eile davon!
    Schweizer.
Genug, Hauptmann! – hier hast du meine Hand darauf: Entweder du siehst Zwei zurückkommen, oder gar Keinen. Schweizers Würgengel, kommt! (Ab mit einem Geschwader.)
    Moor.
Ihr übrigen zerstreut euch im Wald – ich bleibe.
     

Fünfter Akt.
Erste Scene.
    Aussicht von vielen Zimmern. Finstere Nacht.
    Daniel kommt mit einer Laterne und einem Reisebündel.
    Daniel.
Lebe wohl, theures Mutterhaus – Hab' so manch Guths und Liebs in die genossen, da der Herr seliger noch lebete – Thränen auf deine Gebeine, du lange Verfaulter! Das verlangt er von einem alten Knecht – es war das Obdach der Waisen und der Port der Verlassenen, und dieser Sohn hat's gemacht zur Mördergrube – Lebe wohl, du guter Boden! wie oft hat der alte Daniel dich abgefegt – Lebe wohl, du lieber Ofen, der alte Daniel nimmt schwer Abschied von dir – es war dir Alles so vertraut worden – wird dir weh thun, alter Elieser – aber Gott bewahre mich in

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