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Saemtliche Werke von Karl May - Band 01

Saemtliche Werke von Karl May - Band 01

Titel: Saemtliche Werke von Karl May - Band 01 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl May
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hinein und das recht braun und knusperig gebraten, das is Sie een wahres Götteressen für die Herren und Damen des Olymps. Ich kenne das, denn so um Ostern ‘rum, wenn’s junge Ziegen gibt, da ißt ganz Sachsen Sonn- und Feiertags nur Zikkelbraten.«
    »Sehr wohl! Aber sage mir, ob du auch schon einmal Lapin gegessen hast!«
    »Lapäng? Was ist denn das?«
    »Zahmer Hase, Kuhhase oder Karnickel, wie ihr in Sachsen sagt. Eigentlich heißt es Kaninchen.«
    »Karnickel? Alabonnör! Das ist ooch etwas ganz Expansives. In Moritzburg und Umgegend gab’s meiner Zeit zur Kirchweih schtets Karnickel. Das Fleesch is zart wie Butter und zerleeft eenem geradezu off der Zunge.«
    »Es gibt aber viele, welche dich auslachen würden, wenn du ihnen dies sagtest.«
    »So sind sie nicht recht gescheit im Koppe. So een Karnickel, welches nur die besten und feinsten Kräuterspitzen frißt, muß een durchaus obligates Fleesch haben; das verschteht sich ganz von selbst. Oder glooben ooch Sie es nich?«
    »Ich glaube es; aber dafür verlange ich, daß du mir nun auch meinen Prairiehund nicht schändest. Du wirst sehen, daß er gerade wie junge Ziege und fast wie Kaninchen schmeckt.«
    »Davon hab’ ich noch nie etwas gehört!«
    »So hast du es heute gehört und wirst es auch schmecken. Ich sage dir, daß – – – halt, sind das nicht Reiter, welche dort kommen?«
    Er deutete nach Südwest, wo eine Anzahl Gestalten sich bewegten. Sie waren noch so entfernt, daß man noch nicht zu unterscheiden vermochte, ob es Tiere, vielleicht Büffel, oder Reiter seien. Die vier Jäger ritten langsam weiter und hielten die Augen auf diese Gruppe gerichtet. Nach einiger Zeit erkannte man, daß es Reiter seien, und bald darauf zeigte es sich, daß dieselben Uniformen trugen; es waren Soldaten.
    Diese hatten eigentlich eine nordöstliche Richtung eingehalten; nun aber sahen sie die vier und änderten ihren Kurs, um im Galopp heranzukommen. Es waren ihrer zwölf, von einem Lieutenant angeführt. Sie näherten sich bis auf vielleicht dreißig Schritte und blieben da halten. Der Offizier musterte die vier Reiter mit finsterem Blicke und fragte dann: »Woher des Weges, Boys?«
    »Alle Wetter!« brummte Hobble-Frank. »Wollen wir uns wirklich mit »Boys« anreden lassen? Dieser Kerl muß doch sehen, daß wir den bessern Schtänden angehören!«
    »Was gibt’s zu flüstern!« rief der Lieutenant in strengem Tone. »Ich will wissen, woher ihr kommt!«
    Frank, Jemmy und Davy sahen auf Old Shatterhand, was dieser thue oder sagen werde. Er antwortete in ruhigstem Tone: »Aus Leadville.«
    »Und wohin wollt ihr?«
    »Nach den Elk Mountains.«
    »Das ist eine Lüge!«
    Old Shatterhand trieb sein Pferd an, bis es neben demjenigen des Offiziers stand, und fragte noch immer in demselben ruhigen Tone: »Habt Ihr einen Grund, mich Lügner zu nennen?«
    »Ja!«
    »Nun, welchen?«
    »Ihr kommt nicht aus Leadville, sondern von Indian-Fort herauf.«
    »Da irrt Ihr Euch.«
    »Ich irre mich nicht. Ich kenne euch.«
    »So? Nun, wer sind wir denn?«
    »Die Namen kenne ich nicht; aber ihr werdet sie mir sofort sagen.«
    »Und wenn wir das nicht thun?«
    »So nehme ich euch mit.«
    »Und wenn wir uns das nicht gefallen lassen, Sir?«
    »So habt ihr die Folgen zu tragen. Wer und was wir sind, und was diese Uniform zu bedeuten hat, das ist euch bekannt. Wer von euch nach der Waffe greift, den schieße ich nieder.«
    »Wirklich?« lächelte Old Shatterhand. »So versucht doch einmal, ob Ihr dieses Exempel fertig bringt. Da, seht!«
    Er hatte das Gewehr in der Rechten und hielt es par pistolet auf den Offizier gerichtet; zugleich hatte er den einen Revolver gezogen. Ebenso schnell hatten Frank, Davy und Jemmy ihre Waffen bei der Hand.
    »Alle Teufel!« rief der Lieutenant, indem er nach dem Gürtel greifen wollte. »Ich – – –«
    »Halt!« rief Old Shatterhand ihm donnernd in die Rede. »Hand weg vom Gürtel, Boy! Alle Hände in die Höhe, sonst blitzt es bei uns!«
    In Situationen, wie die gegenwärtige, kommt, wenn sie ernst gemeint sind, was hier aber nicht der Fall war, es darauf an, wer zuerst die Waffe schußbereit hat. Dieser fordert den andern auf, die Hände in die Höhe zu halten, um sie so weit wie möglich von den im Gürtel oder in den Taschen steckenden Waffen zu entfernen. Gehorcht der Aufgeforderte dieser Weisung nicht augenblicklich, so ist’s um ihn geschehen, denn er bekommt die Kugel auf der Stelle. Dies wußte der Offizier und dies wußten auch seine

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