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Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Titel: Wanderungen durch die Mark Brandenburg Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor Fontane
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und mit allerlei Kenntnissen und Fähigkeiten ausgestatteten Verstande. Reisen und langer Umgang an Höfen hatten ihm die feinsten Umgangsformen gegeben, die den Verkehr mit ihm, wenigstens bis zum Eintritt seiner Krankheit, ungemein angenehm und anziehend machten«.
    Im Einklange hiermit ist das, was sich im Hoppenrader Kirchenbuche (das übrigens, abweichend von der Lützburger Chronik, den 1. Januar 1790 als seinen Todestag angibt) über ihn aufgezeichnet findet. Es heißt daselbst wörtlich: »Am 1. Januar 1790 starb in Berlin Herr Georg Freyherr von Inn und Knyphausen, Majoratsherr der Herrschaft Knyphausen in Ostfriesland, Herr auf Hoppenrade, Loewenberg, Teschendorf, Grüneberg. Er verfiel vor zwei Jahren in schwere Krankheit, von der wieder zu genesen ihm nicht beschieden war. Er war ein vernünftiger und menschenfreundlicher Herr. Wenn ihm Gott das Leben und Gesundheit geschenkt hätte, würd' er viel Gutes auf den hiesigen Gütern gestiftet haben.«
    Ebenso günstig beurteilt ihn sein späterer Schwiegersohn von Wülknitz, der, bei den zahlreichen und andauernd von ihm geführten Prozessen (ich komme darauf zurück), aus einem intensiven Aktenstudium der Knyphausenschen Zeit all sein Lebtag nicht herausgekommen ist. Wülknitz schreibt über Knyphausen: »Er war ein tüchtiger, umsichtiger und charakterfester Mann, in betreff dessen es lebhaft zu bedauern bleibt, daß der Tod ihn so frühzeitig abrief.«
    Alle ruhig Urteilenden sprechen in ähnlicher Weise für ihn.
    Zum Schluß erübrigt nur noch ein Wort über seine Duellaffäre mit Elliot. Ich habe bereits hervorgehoben, und Knyphausen bestätigt es in seinen Briefen, daß sich die damalige Berliner Gesellschaft, und unter ihrem Einfluß auch das große Publikum, ungleich mehr auf Elliots als auf Knyphausens Seite stellte, was sich denn auch – und zwar ganz abgesehen von Elliots eminenter Begabung, alle Welt (nötigenfalls auch durch Lügen) auf seine Seite zu ziehen – einfach aus den Tatsachen heraus erklären läßt. Elliot, was immer seine Fehler sein mochten, war und blieb der gekränkte Ehemann. Das war eins. Was ihm indessen, weit über dies Maß einer immerhin fraglichen Teilnahme hinaus, eine ganz aufrichtige Bewunderung eintrug, das war, aller gegenteiligen Versicherungen unerachtet, der Fürstenberger Überfall, der Brutalakt »à la mode d'un assassin«. Er hatte Knyphausen zum Duell nach Kopenhagen hin zitiert, war ob dieser seiner Zitierung verspottet worden, und erschien nun in seines säumigen Gegners Wohnung, um nicht bloß diesen, sondern, wenn es nötig sein sollte, die ganze Stadt Fürstenberg zum Kampfe herauszufordern. Was darin ungesetzlich und unsinnig war, übersah man gern, man sah nur die Waghalsigkeit und freute sich ihrer, und es hätte der Großsprechereien, an denen es Elliot wie gewöhnlich so auch diesmal nicht fehlen ließ, gar nicht bedurft, um ihn in einem glänzenden Licht erscheinen zu lassen. Wer übermütig hazardiert und zugleich für den nötigen Lärm sorgt, ist immer eine populäre Figur. Und eine solche war denn auch Elliot in dieser ganzen Affäre. Man sympathisierte mit ihm.
    Aber sympathisierte man mit Recht? Ich glaube nein. Es ist der Haltung seines Gegners Knyphausen nur dann gerecht zu werden, wenn man Elliots Charakter beständig im Auge behält. »Er war ein Narr, der bei jeder ihm passend erscheinenden Gelegenheit ein Tobsüchtiger wurde.« So wird er geschildert, und diese Schilderung wird im wesentlichen richtig sein. Vielleicht hätte Knyphausen, als die Herausforderung zum Duell an ihn herantrat, besser getan, dieser Herausforderung zu folgen und nach Kopenhagen hin abzureisen. Er hätte seinem Gegner mit den Worten entgegentreten müssen: »Ihr Brief hat mich getroffen; hier bin ich. Ich bekenne mich gern und mit allem Nachdruck zu jedem Vorwurfe, den Sie mir machen. Ich hasse Sie. Sie haben Ihre Frau schlecht behandelt, was sag' ich, schlecht, nein als ein Nichtswürdiger, und voll Empörung darüber hab' ich getan, was ich getan. Und nun bestimmen Sie Zeit und Ort«. Eine derartig freie Sprech- und Handelsweise hätte meinem Geschmack mehr entsprochen, hätte frischeren Sinn und besseres Gewissen gezeigt; aber wenn eine solche Sprache bei Durchfechtung einer auf diesem Gebiete liegenden Affäre vielleicht überhaupt nicht gefordert werden kann, so gewiß nicht einem Elliot gegenüber, der, ohne jede Disziplin und Selbstkontrolle herangewachsen, nicht bloß aller möglichen Extravaganzen

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