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Amnion Omnibus

Amnion Omnibus

Titel: Amnion Omnibus Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephen Donaldson
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von außen.
    Sollte nun irgend jemand sie sehen, mußte sie diese Person zum Schweigen bringen, egal um wen es sich handelte. Morn hatte dazu die volle Bereitschaft. Aber der Korridor blieb leer. Lietes Schicht müßte inzwischen Mikkas Schicht abgelöst haben; Nicks Schicht hätte überall im Raumschiff auf den Ersatzposten verteilt sitzen müssen. Doch in ihrer artifiziellen Zweifelsfreiheit hegte Morn die Überzeugung, daß
    nichts davon zutraf. Höchstwahrscheinlich befanden Nicks tüchtigste Leute sich bei ihm auf der Brücke. Und solange die Käptens Liebchen an Station Potential angedockt war, brauchte man auf den Ersatzposten niemanden. Die übrige Crew lümmelte vermutlich in der Kombüse oder im Kasino, erfuhr durch die Interkom, was Nick ihr mitzuteilen beliebte.
    Und jeder oder jede, für den oder die etwas anderes galt, war in Morns Augen so gut wie tot.
    Oder sie selbst war es.
    Morns Weg führte sie zur Hilfssteuerwarte.
    Dort hockte Liete Corregio.
    Auf gewisse Weise durfte Morn von Glück reden, weil ihre unerschütterliche Überzeugung sie lediglich in diesem Umfang irregeleitet hatte.
    Zudem traf sie Liete allein an; die Zweite Offizierin saß mit dem Rücken zum Eingang im Andrucksessel, hatte die Kontrollkonsole aktiviert und informierte sich so über alle für das Raumschiff relevanten Vorgänge; auch das war ein Glück für Morn.
    Liete trug noch ihre Impacter-Pistole.
    Morn mußte die Zweite Offizierin irgendwie kaltstellen.
    Sie zögerte nicht im geringsten. Das Z-Implantat beflügelte sie. In ihrem tiefsten Innern hatte sie sich in einer Kasematte des Wahnwitzes und der Entschiedenheit eingeigelt, wo keine Bedenken und Zweifel existierten.
    Lautlos wie Öl überquerte sie das Deck und hieb Liete einmal kräftig hinter das rechte Ohr.
    Liete kippte nach vorn, ihre Stirn knallte auf die Kontrollkonsole.
    Während sie zur Seite sackte, hinterließ sie auf der Konsole einen Schmierstreifen Blut.
    Rasch fühlte Morn nach ihrem Puls, besah sich ihre Pupillen; sie wollte nicht, daß ihre Aktion die Zweite Offizierin das Leben kostete.
    Doch Liete lag nur in leichter Bewußtlosigkeit. Gut. In aller Eile, weil
    sie nicht wußte, was die Amnion mit Davies anstellen mochten – oder wann sie sich mit ihm befaßten –, nahm Morn sich Lietes Waffe, zerrte dann die Bordmontur der Zweiten Offizierin auf, zog ihr die Arme aus den Ärmeln und schloß die Montur, so daß Lietes Arme darin feststaken. Diese Methode war weniger wirksam als eine Zwangsjacke, aber zumindest gut genug, um dagegen vorzubeugen, daß Liete plötzlich Morn mit irgend etwas überraschte.
    Sie schleifte die Bewußtlose zum Eingang und lehnte sie daneben an die Wand. Danach warf sie die Tür zu und sperrte sie ab. Anschließend setzte sie sich in den Andrucksessel und drehte ihn mitsamt der Konsole um, damit sie für den Fall, daß Nick sich, während sie beschäftigt war, gewaltsam Einlaß zu verschaffen versuchte, alles im Blickfeld hatte.
    Ein gedämpftes Stöhnen entfloh Lietes Lippen. Von der Stirn rann ihr Blut an der Nase vorbei auf den Mund.
    Morn schenkte ihr keine Beachtung.
    Jetzt war es soweit.
    Sie hatte das Gefühl, an einem Moment der Apotheose angelangt zu sein. Auch an Bord der Stellar Regent hatte sie sich allein in der HilfsSteuerwarte befunden, als sie den Tod ihres Vaters und des Großteils ihrer Familie herbeiführte.
    Jetzt. Selbstvernichtung.
    Vielleicht fühlte das HyperspatiumSyndrom sich genauso an.
    Vielleicht hatten die Umstände und ihr schwarzes Kästchen diese spezielle Geistesstörung quasi für sie rekonstruiert.
    Egal. Diesmal hatte sie vor, jemanden zu retten, dessen Schicksal von ihrem Beistand abhing. Wenn es sich irgendwie machen ließ, gedachte sie ihren Sohn zu retten.
    In völliger Klarheit des Gemüts und uneingeschränkter Zuversicht senkte sie ihre Finger auf die Tastatur der Kontrollkonsole. Als erstes aktivierte sie den Interkom-Apparat, um alles mithören zu können, was
    Nick seiner Crew mitteilte. Dann ging sie an die Arbeit. Ihre Instruktionen an die Kommandokonsole mußten sowohl unauffällig wie auch zwingenden Charakters sein, um keine Aufmerksamkeit zu erwecken, während sie anderen Computeroperationen den Vorrang abliefen. Sie mußte Vectors provisorisch zusammengestoppelten Selbstvernichtungsbefehl für ihre Kontrollen kopieren; deshalb brauchte sie Zugriff auf Zielerfassung/Waffenbedienung, Bordtechnik und Wartung sowie Nicks zentrale Kommandokonsole. Dann hatte sie Befehle

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