Das Reich der Traeume
viele Qualen ersparen.«
»Ich habe dir nichts zu sagen, Alexia, Tochter des Demónicus«, entgegnete Arturo. »Lieber sterbe ich, als dir zu verraten, was die Buchstaben bedeuten. Wir Alchemisten verhandeln nicht mit Hexenmeistern.«
Die Antwort des Jungen verblüffte Alexia. Mit Absicht hatte sie ihn in der vergangenen Nacht mit Arquimaes zusammen in eine Zelle sperren lassen. Er sollte das Leiden seines Meisters aus nächster Nähe erleben und schlieÃlich klein beigeben. Doch Arquimaesâ Worte hatten Arturo innerlich nur gestärkt.
»Dann soll RÃas mit seiner Arbeit beginnen«, ordnete sie an und setzte sich. »Alle raus hier!«, befahl sie den Soldaten und Dienern.
Es sollten keine Zeugen anwesend sein bei dem, was als Nächstes geschehen würde. Wenn es ein Geheimnis zu erfahren gab, wollte sie es für sich alleine. Niemand durfte dabei sein, auÃer RÃas, dem sie bedingungslos vertraute.
»Alles ist vorbereitet, Herrin«, flüsterte RÃas. Er schwang eine kleine Zange, die er benutzen wollte, um Arturos Haut zu straffen. »Dann werden wir seinem kleinen Herzen mal das letzte Geheimnis entreiÃen. Fangen wir mit diesen Buchstaben auf seiner Haut an.«
Jedes Mal, wenn RÃas mit einer Nadel oder einem spitzen Messerchen in seine Haut stach, stöhnte Arturo vor Schmerzen. Der Spezialist für Hieroglyphen leistete gute Arbeit. Jeder Buchstabe wurde aufmerksam studiert und von Alexia gewissenhaft auf einem Pergament festgehalten, mit derselben Linienführung, derselben GröÃe und derselben Neigung. RÃas maà alles sorgfältig aus, und mehr als einmal musste er mit der Zange die Haut auseinanderziehen, um die Merkmale der Buchstaben und Zeichen eindeutig zu bestimmen.
»Buchstabe O, dieselbe GröÃe wie der vorangegangene, mit einer Schleife oben rechts«, sagte RÃas. »Eine seltsame Neigung nach rechts, möglicherweise aufgrund der unmittelbaren Nähe zur dritten Rippe«, fuhr er fort, wobei er sich jedes Wort gut überlegte. Ihm war bewusst, dass der kleinste Fehler seine ganze Arbeit zunichtemachen konnte.
Die Schmerzen waren unerträglich, aber RÃas nahm keinerlei Rücksicht auf Arturo.
Die Haut des Jungen juckte so heftig, dass ihm die Tränen in die Augen stiegen. Einige der Wunden bluteten stark, was RÃas die Arbeit erschwerte. Er musste sie immer wieder mit einem Lappen reinigen.
Doch dann geschah etwas Unerwartetes. Obwohl Arturo das Gesicht seines Peinigers nicht sehen konnte, spürte er, dass RÃas plötzlich ganz starr wurde und leise stöhnte und röchelte. Irgendein heftiger Schmerz musste ihn befallen haben.
»Was hast du, RÃas?«, fragte Alexia, die nicht begriff, was geschah. »Ist dir nicht gut?«
RÃas war jedoch nicht mehr imstande, zu antworten. Sein Körper bäumte sich auf, als hätte ihm jemand eine Lanze in den Leib gestoÃen und bohre nun kräftig in der Wunde.
»RÃas! RÃas!«, rief die junge Hexe panisch. »Was ist los mit dir?«
Wie von einer übermächtigen Kraft angetrieben, richtete sich RÃas plötzlich auf. Gleich einer Puppe, die jemand gegen den Widerstand der Schwerkraft hochzuziehen suchte. Arturo wandte den Kopf, um zu sehen, was mit ihm geschah. Aber er konnte nur den Rücken des Mannes erkennen, der sich in Krämpfen wand.
»O Gott!«, rief Alexia aus, als ihr klar wurde, was vorging. »Ein Fluch!«
Eine Legion schwarzer Buchstaben hatte sich von Arturos Oberkörper gelöst. Sie fielen über RÃas her und würgten ihn! Die Buchstaben lebten, sie hoben den Körper des Mannes hoch, der sie entziffern wollte! Es schien, als wären sie Arturo zu Hilfe geeilt!
Der Junge konnte nicht fassen, was er da sah. Die Buchstaben, die sich eben noch auf seinem Körper befunden hatten, lebten und verteidigten sich.
Alexia brachte vor Entsetzen kein Wort mehr hervor. Sie wich zurück, wollte aus dem Zimmer laufen, während RÃas nach und nach die Kräfte verlieÃen und er das Bewusstsein verlor. Wie nebenbei drehte Alexia den Schlüssel im Türschloss um. Doch gerade als sie die Tür öffnen wollte, lieÃen die magischen Buchstaben von dem bewusstlosen RÃas ab und stürzten sich wie Raubvögel auf die Prinzessin, kreisten sie ein und warfen sie vor Arturo zu Boden. Dann kehrten sie zu dem Jungen zurück, verbogen seine Ketten und befreiten ihn gänzlich
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