Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition)
beginnt, zu steigen.
So naht das Herz, Jehova, dir,
wenn hinter ihm die Zweifel weichen.Es ist, als ob am Horizont
ich Bergesspitzen leuchten sähe.
So reinigt, läutert, wärmt und sonnt
die Seele sich an Himmelsnähe.Hinauf, hinauf! Ich raste nicht;
ich darf und mag nicht unten bleiben.
Mein frömmstes, herzlichstes Gedicht
will ich dem Glühn der Alpen schreiben.Dann werde ich es heimlich, still,
in einem Kirchlein niederlegen;
vielleicht gereicht’s, so Gott es will,
dem, der es findet, dann zum Segen!
Empor
Herr, gib mir Schwingen, aufzusteigen
aus dunkler Nacht zum hellen Licht!
Du willst mir deinen Himmel zeigen,
und ich, ich komm und komme nicht.
Es halten mich die Eigenschaften
des Staubes an der Erde hier;
ich aber will nicht unten haften;
hilf mir hinauf, hinauf zu dir!Herr, gib mir Schwingen, aufzusteigen
aus dunkler Nacht zum hellen Tag!
Wie lange Zeit soll noch verstreichen
bis zu dem ersten Flügelschlag?
Soll bei der starren, irdschen Schwere
dies mein Gebet vergeblich sein,
so sende deiner Engel Heere,
daß sie mir ihre Flügel leihn!Ja, gib mir Schwingen, aufzusteigen – – –
O Herr, ich steig, ich steige schon!
Ich seh die Nacht dem Tage weichen
und nähere mich deinem Thron.
Hinweg mit allen meinen Klagen,
denn was ich bat, das ist geschehn:
Ich fühle mich emporgetragen
und werde deinen Himmel sehn!
Ergib dich drein
Ergib dich drein, du liebes Menschenkind,
daß deine Wege nicht die meinen sind.
Es kann nicht Alles so, wie du willst, sein;
du bist nicht Herr; ergib dich ruhig drein!Ergib dich drein, und forsch und hadre nicht;
tu, was die heilge Stimme in dir spricht.
Sie flüstert dir das einzig Richtge ein;
sie täuscht dich nicht; ergib dich ruhig drein!Ergib dich drein. Beschwerlich ist der Steg,
der deiner harrt, fernab vom breiten Weg.
Schlägst du ihn ein, schlägst du ihn gläubig ein,
so wird er dir ein Pfad zum Himmel sein!
Das Gewissen
Was tatest du, als ich dich einstens bat,
nach Gottes Wohlgefallen nur zu streben?
Ich wollte dir das Glück des Lebens geben;
nun aber sag, was galt dir da mein Rat?Was tatest du, als ich dich einst belehrt,
daß deine Wege falsche Wege seien?
Ich wollte dich vom Bösen gern befreien;
nun muß ich fragen: Hast du dich bekehrt?Was tatest du, als ich dich dann verließ?
Ich glaubte wohl, du werdest mich vermissen
und reuevoll um mich zu bitten wissen;
nun frag ich dich: Was hat geholfen dies?Jetzt komme ich ein letztes Mal zu dir
und frage dich: Wozu bist du geboren?
Hörst du auch diesmal nicht, bist du verloren;
ich bin es, dein Gewissen. Folge mir!
Selbstprüfung
Es naht ein ernster, heilger Tag,
an dem ich in mich forschen gehe,
nach Allem, was ich suche, frag
und vor mir selbst als Richter stehe.Ich halte da ein streng Gericht
und prüfe nicht etwagelinde,
damit dereinst bei Gott ich nicht
ein niederschmetternd Urteil finde.Und wann kommt dieser ernste Tag?
An jedem Morgen kehrt er wieder
und schreibt der Stünden schweren Schlag
für einst und ewig in mir nieder.
Einsicht
Schau nicht, schau nicht so um dich her,
als ob da deine Welt sich breite.
Die Erde nicht und nicht das Meer,
zieh deinen Blick hinaus ins Weite.
Du wohnst hier nur im Wanderzelt;
die Heimat fordert alldein Sinnen,
und suchst du deine wahre Welt ,
so richte deinen Blick nach innen.Bau nicht, bau nicht ein festes Haus
als Heim auf irdschem Grund und Boden;
man trägt dich doch dereinst hinaus
und legt als tot dich zu den Toten.
Dein wahres Heim , es ist nur dort,
wohin du lebst und denkst, zu schauen,
und jede Tat und jedes Wort
trägst du ihm zu, um es zu bauen.Trau nicht, trau nicht dem eb’nen Weg,
den Tausende durchs Leben wandern.
Weich ab, weich ab zum steilen Steg,
und laß sie lächeln, all die Andern.
Sieh auf die Toren nicht zurück,
und achte nicht auf ihre Stimmen;
denn wisse wohl, dein wahres Glück
liegt hoch und läßt sich nur erklimmen.
Wohin?
Frag doch einmal, und laß dir endlich zeigen,
wohin du kommst, wenn du so weitergehst.
Du sollst nicht abwärts sondern aufwärts steigen;
drum halte ein, und siehe, wo du stehst!Frag nicht die Welt, nicht sterbliche Propheten;
schon Mancher, Mancher frug sie und beklagts.
Frag nur die Wahrheit, und sie wird dann reden;
frag nur den Himmel, und der Himmel sagts!Und weißt du, wo du diese Wahrheit findest?
Und weißt du auch, wo dieser Himmel ist?
Ich sehe, wie du dich verlegen windest;
du weißt es nicht! Nun sag, bist du ein – –
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