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Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition)

Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition)

Titel: Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl May
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Christ?
     

Doppelsieg
     
    Denk nicht an dich, wenn dir ein Weh
von irgend Jemand widerfährt:
Denk nur an ihn allein, und geh
dorthin, wo dich’s Gebet verklärt.Dann fühlst du wohl, daß im Verzeihn
ein zweifach großer Segen liegt:
Du hast nicht über dich allein,
du hast auch über ihn gesiegt.
     

Frage
     
    Hast du gelebt? O, wolle Antwort geben:
Hältst du dein Leben wirklich für ein Leben,
das dich zu sich zurück, zum Leben, führt?
Wie weit bist du zum Urquell vorgedrungen,
dem deine Seele, dem dein Sein entsprungen,
dem deine ganze Strebenskraft gebührt?Hast du geglaubt? O, wolle mir doch sagen,
wie viele wohl von deinen Erdentagen
den wahren, ächten Sonnenschein gekannt.
Der Glaube gibt Unendlichkeit des Schauens
im klaren, warmen Lichte des Vertrauens
und zeigt dir jenes, nicht nur dieses Land.Hast du gewirkt? O, wolle mich verstehen:
Ich sehe fleißig dich zur Arbeit gehen;
du sorgst und kämpfest in und mit der Zeit.
Doch, öffnet sich dir einst die dunkle Pforte,
so knarren in den Angeln dir die Worte:
»Hast du gewirkt auch für die Ewigkeit?«
     

Rätsel
     
    Ring dich nieder; ring dich nieder!
Welch ein Wort und wie so wahr.
Sag dir´s täglich, stündlich wieder;
werde dir darüber klar!Ring dich nieder, um zu zeigen,
daß du deine Psyche kennst.
Du kannst dich nur dann erreichen,
wenn du von dir selbst dich trennst.Ring dich nieder, bis zerronnen
ist dein ganzes, ganzes Ich;
dann hast Alles du gewonnen,
was verloren ist für dich.Ring dich nieder; gehe unter,
bis du gänzlich dir entschwebst;
dann geschieht das große Wunder,
daß du tausendfältig lebst.Ring dich nieder; ring dich nieder;
lös dich auf, und gehe ein;
sterbend auferstehst du wieder
und wirst ein Verklärter sein!
     

Berufung
     
    Greif zu, o Mensch, greif zu,
wenn dir der Himmel reicht die offne Hand,
sonst denke nicht, daß du
Einst seist im Buch des Glückes mit genannt.
Wer diesen Wink des Himmels nicht beachtet,
der sieht auchnicht des Himmels Ratschluß ein
und wird, wie er auch nach dem Glücke trachtet,
doch ohne Glück, so lang er trachtet, sein.Greif zu, o Volk, greif zu,
wenn dir der Himmel reicht die offne Hand,
sonst denke nicht, daß du
einst seist im Buch der Völker mit genannt.
Wenn diesen Fingerzeig du nicht beachtest,
wirst du dem Tod, dem Untergang dich weihn
und, ob du auch nach Glanz und Führung trachtest,
doch unter Völkern nur ein Völkchen sein.Greif zu, o Fürst, greif zu,
wenn dir der Himmel reicht die offne Hand,
sonst denke nicht, daß du
einst seist im Buch der Fürsten mit genannt.
Ein Herrscher der des Himmels Stimme achtet,
die ihn beruft, der Völker Heil zu sein,
bei dem stellt sich das Glück, nach dem er trachtet,
ja ganz von selbst, als Himmelsgabe, ein.
     

Unsern Dichtern
     
    Geht nach dem Morgenland; vernehmt die Weisen,
die einst zum Saitenspiele dort erklungen.
Sie sollten Gott, den Einzigen, nur preisen
und wurden doch für Andre auch gesungen.
Die Sänger starben, dochseht ihr die Noten
der Lieder noch, wenn ihr vor Säulen steht,
und mit dem Auge hört ihr noch der Toten
Gesänge, wenn ihr durch die Trümmer geht.Die Psalter und die Harfen sind zerbrochen,
zu denen Davids Stimme man gehört,
und wo der Herr durch Steine einst gesprochen,
liegt ihre Harmonie, ihr Reim zerstört.
Doch seht ihr wo ein Kapitäl noch ragen,
ein steinern Lied, im zarten Mondesschein,
so dürft ihr im Gedicht es heimwärts tragen
und der Verstorbnen fromme Erben sein.Geht nach dem Morgenland; vernehmt die Weisen,
die dorten einst in Wort und Werk erklungen.
Sie sollten Gott, den Einzigen, nur preisen
und wurden doch für ihn nicht ausgesungen.
Die Töne hört, die sich aus Trümmern ringen;
vernehmt ihr Klagen, und befreiet sie;
dann wird in Euern Liedern neu erklingen
des Morgenlandes Gottespoesie!
     

Vogelsang
     
    Es klang ein Lied vom Himmelszelt
hell über allen Landen,
doch hat es in der weiten Welt
wohl Niemand recht verstanden.Nur durch der Vöglein lauschend Ohr
ist tiefer es gedrungen
und wird seitdem als Frühlingschor
in Feld und Wald gesungen.Doch wo man einen Menschen sieht
durch Busch und Auen gehen,
so kann er leider dieses Lied
noch immer nicht verstehen.
     

Auf dem Friedhofe
     
    Komm her; komm her, du fremder Wandersmann;
geh nicht vorbei an unbekanntem Grabe.
Hör mich, ja auch um deinetwillen, an,
und glaube, was ich dir zu sagen habe!Ein jeder Mensch, der nach demHimmel strebt,
soll hier ein liebes, gutes Wörtlein sagen;
es wird der Seele, die da oben lebt,
auf

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