Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition)
Mensch, was mir gehört,
und gib der Welt, was sie dir borgte,
so ist sofort der Wahn zerstört,
daß sie mehr als ich für dich sorgte.Du bist aus deinem Vaterland
als Gast zu ihr hinabgegangen
und hast dafür aus ihrer Hand
nichts als die Sünde nur empfangen.Nun will sie durch die Gleisnerin
dich fest und fester an sich binden.
Es soll des Kindes Heimatssinn
das Vaterhaus nicht wiederfinden.Drum gib die Sünde ihr zurück,
und mach dich frei von ihren Ketten;
bei mir liegt all dein Heil, dein Glück,
und nur die Umkehr kann dich retten.
Hinauf – hinab
Hinauf zu dir will ich nur immer denken,
hinauf zu dir, der ewig mein gedenkt.
Zu dir, will meinen Flügelschlag ich lenken,
zu dir, der all mein Sehnen zu sich lenkt.
Es sind nicht stolze Höhen zu ersteigen
es ist kein Flug, wie der Phantast ihn liebt,
und doch gilt es, das Höchste zu erreichen,
was es auf Erden für den Himmel gibt.Hinab in mich will ich nur immer denken,
wo es so falsch, so irrig für mich denkt.
In mich hinab will meine Kraft ich senken,
der andern nach, die sich dorthin gesenkt.
Es sind nicht graus’ge Tiefen zu ergründen,
so weit hinab wie vorher himmelan,
und dennoch ist der Abgrund unsrer Sünden
das grausig Tiefste, was es geben kann.Hinauf, hinab will ich nur immer denken,
so wie man dort ja meiner stets gedenkt;
dann werd ich mir das Allerhöchste schenken,
nachdem ich mir das Tiefste, mich, geschenkt.
Es ist nicht schwerer Rätsel Sinn zu lösen;
es stürzt kein Himmel, keine Erde ein;
nur möchte ich mich reinigen vom Bösen
und gern ein Mensch nach Gottes Willen sein:
Gnade
Steig nieder, liebes, heilges Wunder,
das ich gern fassen möcht und doch nicht kann.
Senk dich zu mir, in mich herunter,
und zünd in mir des Altars Kerzen an.
Sie harren dein, schon lange dir bereit;
o komm, o komm, es ist wohl an der Zeit!Steig nieder, liebes, heilges Wunder,
das ich gern fassen möcht und doch nicht kann.
Bring deinen Himmel mir herunter,
und zünd am meinigen die Sterne an.
Sie harren dein, schon lange dir bereit,
und sollen leuchten bis in Ewigkeit.Steig nieder, liebes, heilges Wunder,
das ich gern fassen möcht und doch nicht kann.
Dann geht zwar dein Geheimnis unter,
doch bricht für mich der Tag des Schauens an;
im Jubelton erschallt der Selgen Chor,
und du trägst mich zum Wiedersehn empor.
Ade
Ich gehe fort, und dennoch geh ich nicht.
Ade, mein Heim, und doch auch nicht ade!
Ich scheide zwar, doch !eist ich nicht Verzicht,
daß ich dich einst nach Jahren wiederseh.
Ob dich mein Fuß für eine Zeit verläßt,
du hältst doch meine ganze Seele fest.
Ans Land, wo meine Wiege einst gestanden,
bleib ich gekettet mit geheimen Banden.Ich gehe fort, und dennoch geh ich nicht.
Ade, lieb Mütterlein, und nicht ade!
Ob auch der Mund das Wort des Abschieds spricht,
das Herz weiß doch, daß ich nicht von dir geh.
Treibt das Geschick mich in die Welt hinaus,
es scheint nur so; ich bleib bei dir zu Haus.
Wohl mag der Gram mein Gehn ein Scheiden nennen,
die Ferne kann nie Sohn und Mutter trennen.Ich gehe fort, und dennoch geh ich nicht.
Ade, ihr Lieben, und doch nicht ade!
Trägt mich der Tod jetzt auf zum ewgen Licht,
wißt, daß unsichtbar stets ich bei euch steh.
Von Gott zu eurem Schutz herabgesandt,
halt über euch ich meine treue Hand.
Es stirbt der Körper nur, und nach dem Tode
wird mein Gebet für euch ein Himmelsbote.
Heilesbotschaft
Es ging ein Heil von oben aus,
vom Paradies, vom Vaterhaus.
Die Engel trugen es zur Erde,
damit es uns zu eigen werde.Doch bleibt dem menschlichen Verstand
die Gottesbotschaft unbekannt,
weil er das, was er denkt und dichtet,
nach außen, nicht nach innen richtet.Er faßt in seiner Prosa nicht
des Himmels herrlichstes Gedicht.
Zum Herzen nur ist es gekommen
und wird von ihm allein vernommen.
»Vater!«
Komm her, und sprich ein einzig Wort,
ein Wort, so kinderleicht zu sagen.
Komm her, und geh nicht wieder fort;
du brauchst vor mir ja nicht zu zagen.
Ich warte schon so lange dein;
o laß es nicht vergeblich sein!Du sprachst als Kind dies liebe Wort
so oft und gern, wenn du gelitten;
es ward gehört am rechten Ort:
Das Vaterherz ließ sich erbitten.
wie ist dies Wort so klein, so klein,
und doch kann keines größer sein.Nun bist du längst das Kind nicht mehr,
das du einst warst in jenen Tagen,
und wie so lang ist der nicht mehr,
dem du dein Leiden durftest klagen.
Er ging; doch trat ich für ihn ein;
die Liebe kann nicht sterblich sein.Drum sprich dies Wort nun
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