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Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition)

Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition)

Titel: Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor Fontane
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lieben. Tust du?«
    »Gewiß tu’ ich’s. Oder glaubst du, daß der hohe Stil der Tragödie dergleichen ausschließt? Auch Medea…«
    »Nichts von der. Ich will von Medea nichts wissen. Ich will nur wissen…«
    »Ein Geheimnis.«
    »Unter Schauspielerinnen gibt es keine Geheimnisse. Das solltest du wissen, Phemi. Zudem hab’ ich dir alles aus meinem Leben erzählt, Abenteuer und Nichtabenteuer.
    »Nun gut; so rate.«
    »Gräflich? Hocharistokratie?«
    »Höher.«
    »Ah, ich seh’ schon, du willst dich auf einen Erzherzog hin ausspielen. Aber ehe ich dir das glaube…«
    Hannahs Erscheinen machte hier dem Gespräch ein Ende. Sie kam mit einem großen Tablett, das sie vorläufig auf die rechtwinklige Brüstung der Veranda setzte, legte dann sorglich ein Tuch und arrangierte den Kaffeetisch.
    »Und nun, Hannah, Juwel unserer Krone«, hob Phemi wieder an, »schaff uns auch etwas Krausgebackenes oder einen Napfkuchen oder, um auch in Öslau gut wienerisch zu bleiben, einen Gugelhupf. Denn du mußt wissen, ich habe heute den Lammbraten vorübergehen lassen – er hat immer so etwas Ungeborenes –, und so klingt es dann in den Tiefen meiner Seele: ›Was du vom Lamm zu Mittag ausgeschlagen, bringt nur der Gugelhupf zurück.‹ Oh, ein himmlisches Wort, bei dem ich ordentlich fühle, wie’s hier mithupft. Und nun geh, Hanning, geh; ich habe, ein drittes Haus von hier, etwas appetitlich Braunes im Schaufenster stehen sehen, heute früh, als wir von der Promenade kamen, und die leere Straße sieht mir nicht danach aus, als ob sich Öslau mittlerweile daran vergriffen haben könnte… Hier, mein letzter Fünfguldenschein!«
    »Ach, Fräulein Phemi, wenn Sie nur nicht immer vergessen wollen, daß wir Krachzeiten haben.«
    »Unsereins hat nie Krach, Hannah. Übrigens wecke keine traurigen Gedanken in mir, denn schließlich und auf einem Umwege bin ich doch daran beteiligt. Und nun geh, ehe es zu spät ist. Wir leben zwar in einer gedankenarmen Zeit, aber die Not einer Öslauer Kaffeestunde macht auch den Ärmsten erfinderisch. Also vite, vite!«
    Hannah ging. Als sie fort war, beugte sich Franziska vor und sagte: »Du kannst dir gratulieren und stolz sein, Phemi, bei Hannah in solcher Gunst zu stehen. Eigentlich hält sie nicht viel von uns. Ihr Vater war Totengräber, und davon ist ihr was geblieben. Und am meisten wundert es mich, daß sie mit dem Blondkopf so gut steht, mit der Lysinka. Sie hat ordentlich einen Narren an dem Kind und erklärt es rund heraus für einen Engel. Und das geht doch schlechterdings nicht, oder das ganze Kapitel von der Erbsünde…«
    »Nichts davon! Um darüber zu sprechen, muß man so studiert sein wie du. Das alles ist nicht mein’ Sach’. Aber wenn du dich über die Hannah wunderst, weil sie trotz all ihrer Tugend an dem Kinde hängt und dem Kinde nicht die Mutter und der Mutter nicht das Kind anrechnet, so zeigst du nur, wie wenig du die Menschen kennst. Und bist doch an die Vierundzwanzig.«
    »Eben gewesen«, lachte Franziska.
    »Nun, siehst du! Freilich, ich könnte deine Mutter sein oder, wenn nicht geradezu deine Mutter, so doch deine Stiefmutter…«
    »Dazu bist du wieder zu gut und verwöhnst mich zu sehr.«
    »Also deine Mutter. Und nun höre. Was ich dir hinsichtlich deiner Hannah und ganz speziell hinsichtlich ihrer Liebe zu dem Kinde zu sagen habe, das heißt einfach…«
    »Nun?«
    »Das heißt einfach: Es lebt sich am besten mit der Tugend.«
    »Das hat einen Doppelsinn.«
    »Ich wollt’ ihm den Doppelsinn nicht geben und stünde mir auch schlecht an. Es soll nur heißen: Es lebt sich am leichtesten und bequemsten mit guten und unschuldigen Leuten. An Tadel und Vorwurf ihrerseits ist nie zu denken. Im Prinzip sind sie streng und streng auch gegen sich selbst. Aber was von Andersgeartetem an sie herantritt, dagegen sind sie mild, und es ist fast, als freuten sie sich, eine Bekanntschaft damit zu machen. Es soll sich ja, wie die Katholiken sagen, das Heilige durch Handauflegen fortpflanzen etwa nach Art eines elektrischen Stroms, und so strömt auch vielleicht ein kleiner, prickelnder Strom des Unheiligen von unsereinem aus. Jeder nach seinen Mitteln und Kräften.«
    »Ach, Phemi, wie du nur redest! Du bist ja gar nicht so.«
    »Man kann sich nicht unheilig genug machen. Eine durchgängerische Demut ist das letzte Mittel, sich wenigstens einen Schimmer aus der ewigen Strahlenkrone zu retten… Aber um Himmels willen, Fränzl, sieh dich um, da kommt ja Graf

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