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Der Herr der Ringe

Der Herr der Ringe

Titel: Der Herr der Ringe Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: J. R. R. Tolkien
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und den in der einsamen Wildnis verbrachten Tagen kam den Hobbits das Abendessen wie ein Festmahl vor: blassgelben Wein zu trinken, der kühl und würzig war, und Brot und Butter, gepökeltes Fleisch und getrocknete Früchte und guten rohen Käse zu essen mit sauberen Händen und sauberem Besteck und Geschirr. Weder Frodo noch Sam lehnten irgendetwas ab, das ihnen angeboten wurde, und griffen auch ein zweites und sogar ein drittes Mal zu. Der Wein durchströmte ihre Adern und müden Glieder, sie fühlten sich so glücklich und es war ihnen so leicht ums Herz wie nicht mehr, seit sie das Land Lórien verlassen hatten.
    Nach der Mahlzeit führte Faramir sie in einen abgelegenen Winkel im hinteren Teil der Höhle, der teilweise durch Vorhänge abgeschirmt war; ein Stuhl und zwei Hocker wurden dorthin gebracht. Eine kleine Steingutlampe brannte in einer Nische.
    »Ihr werdet vielleicht bald den Wunsch haben, zu schlafen«, sagte er, »und besonders der gute Samweis, der vor dem Essen nicht die Augen schließen wollte – ob er fürchtete, Schlaf würde ihm seinen prächtigen Hunger verderben, oder aus Furcht vor mir, das weiß ich nicht. Aber es ist nicht gut, gleich nach einer Mahlzeit zu schlafen, vor der man lange gefastet hat. Wir wollen uns eine Weile unterhalten. Auf eurer Wanderung von Bruchtal müsst ihr viel Erzählenswertes erlebt haben. Und auch ihr würdet vielleicht gern etwas von uns und den Landen, wo ihr jetzt seid, erfahren. Erzählt mir von Boromir, meinem Bruder, und vom alten Mithrandir und dem schönen Volk von Lothlórien.«
    Frodo war nicht mehr schläfrig und bereit, zu erzählen. Aber obwohl ihm das Essen und der Wein die innere Unruhe genommen hatten, hatte er dochnicht seine ganze Vorsicht eingebüßt. Sam strahlte und summte vor sich hin, aber als Frodo redete, begnügte er sich zuerst damit zuzuhören und nur gelegentlich seine Zustimmung zu äußern.
    Frodo erzählte viele Geschichten, aber immer lenkte er das Gespräch von der Aufgabe der Gemeinschaft und vom Ring ab und ließ sich stattdessen weitläufig über die tapfere Rolle aus, die Boromir bei all ihren Abenteuern gespielt hatte, bei den Wölfen in der Wildnis, im Schnee unter dem Caradhras und in den Minen von Moria, wo Gandalf umkam. Faramir war sehr beeindruckt von der Schilderung des Kampfes auf der Brücke.
    »Es muss für Boromir sehr ärgerlich gewesen sein, vor Orks davonzulaufen«, sagte er, »oder auch vor dem grausamen Wesen, das Ihr erwähnt habt, dem Balrog – obwohl er der Letzte war, der ging.«
    »Er war der Letzte«, sagte Frodo, »aber Aragorn musste uns weiter führen. Er allein kannte nach Gandalfs Tod den Weg. Aber hätten sie nicht die Sorge um uns kleinere Leute gehabt, dann glaube ich nicht, dass er oder Boromir geflohen wären.«
    »Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn Boromir dort mit Mithrandir umgekommen wäre«, sagte Faramir, »und nicht dem Schicksal entgegengegangen wäre, das ihn oberhalb der Fälle von Rauros erwartete.«
    »Vielleicht. Aber erzählt mir nun von Euren Schicksalen«, sagte Frodo und lenkte damit wieder ab. »Denn ich würde gern mehr von Minas Ithil und Osgiliath erfahren und Minas Tirith, dem lange Ausharrenden. Welche Hoffnung habt Ihr für diese Stadt in Eurem langen Krieg?«
    »Welche Hoffnung wir haben?«, sagte Faramir. »Es ist lange her, dass wir noch Hoffnung hatten. Elendils Schwert mag sie, wenn es wirklich zurückkehrt, neu entflammen, aber ich glaube nicht, dass es mehr bewirken wird, als den bösen Tag hinauszuschieben, es sei denn, es käme noch unerwartete andere Hilfe, von Elben oder Menschen. Denn der Feind nimmt an Stärke zu, und wir nehmen ab. Wir sind ein schwindendes Volk, ein frühlingsloser Herbst.
    Die Menschen von Númenor hatten sich weitum an den Ufern und in meerwärts gelegenen Gebieten der Großen Lande niedergelassen, aber zum größten Teil verfielen sie in Verderbtheit und Torheit. Viele fühlten sich hingezogen zur Dunkelheit und den schwarzen Künsten; manche ergaben sich völlig dem Müßiggang und Wohlleben, und manche kämpften untereinander, bis sie in ihrer Schwäche von den wilden Menschen besiegt wurden.
    Das heißt nicht, dass böse Künste je in Gondor ausgeübt oder der Namenlose dort jemals in Ehren genannt wurde; und die aus dem Westen mitgebrachte Weisheit und Schönheit weilten lange im Reich der Söhne von Elendil dem Schönen und sind auch heute noch dort erhalten. Dennoch hat Gondor seinen Niedergang selbst herbeigeführt,

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