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Der Ring der Kraft - Covenant 06

Der Ring der Kraft - Covenant 06

Titel: Der Ring der Kraft - Covenant 06 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephen R. Donaldson
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Brinn hatte ihn da hinbefohlen, wo er jetzt stand, nämlich an der Seite des Ur-Lords. Verdammnis! schäumte Covenant im geheimen. Aber sein Zorn galt ihm selbst. Er mochte sich zerfleischen, bis ihm das Fleisch von den Knochen fiel; aber er konnte keinen Weg aus der Falle finden, die Lord Foul ihm gestellt hatte.
    Fünfzehn Wegwahrer hatten Hamako von ihrem Blut gespendet. Sechzehn. Nun schimmerte der Steinhausener in so hellem Glanz, daß er unwillkürlich Feuer aus Covenants Ring zu saugen schien. Die Anstrengung, die er aufwenden mußte, um es zurückzuhalten, brachte ihn um Gleichgewicht und Sicht. Fragmente von Mitternacht durchwirbelten ihn. Er sah nicht, wie die Wegwahrer ihre Blutgabe vollendeten, bekam nicht mit, wie Hamako mit der Kraft, die ihm zugeflossen war, fertig zu werden vermochte.
    Doch als diese geballte Kraft sich in die Richtung der Arghuleh entfernte, drückte Covenant die Beine durch, befreite sich aus dem Griff, mit dem Cail ihn stützte, und sandte seinen Blick dem Steinhausener hinterdrein wie einen Schrei.
    Inmitten des düsteren Sonnenscheins und der fürchterlichen Kälte halbnackt, gleißte Hamako wie eine Leuchterscheinung, als er wie die Verkörperung eines Blitzschlags zwischen die Eisbestien fuhr. Die bloße Intensität der Ausstrahlung seiner Gestalt schmolz die nächstbefindlichen Kreaturen dahin, als wären die Angreifer an einen Hochofen geraten. Von einer zur anderen Stelle eilte er durch das Getümmel, schuf rings um die Riesen einen Freiraum, bahnte den Wegwahrern eine Gasse, durch die sie ihre ursprüngliche Formation wiederherstellen konnten; und hinter ihm wallten dichte Dampfwolken empor, verschleierten ihn und das Kampfgeschehen, machten die Übersicht des Schlachtfelds unzuverlässig.
    »Da!« schrie auf einmal Linden. Aller Dampf verflog, verflüchtigte sich so schnell, daß der Eisdunst übergangslos zu Luft zu werden schien, und der Schauplatz des Geschehens war plötzlich wieder sichtbar, so klar überschaubar wie die Ebene. Dutzende von Arghuleh stürmten noch wie Besessene gegen den Keil an. Aber sie hatten damit aufgehört, ihr Eis zur gegenseitigen Heilung und Wiederbelebung zu verwenden. Einige von ihnen fielen nun ihre Artgenossen an, warfen sich einer wider den anderen, als wäre das Ziel, das sie eben noch vereint hatte, schon vergessen.
    Jenseits des Durcheinanders stand Hamako auf dem Führer der Arghuleh. Er hatte sich auf den Rücken der seltsam doppelleibigen Bestie geschwungen und auf ihren Schultern Halt gefunden, setzte seine gesamte Kraft direkt gegen dies Geschöpf und seinen Croyel ein. Das Biest versuchte ihn nicht abzuschütteln, bemühte sich nicht, ihn in die Reichweite seiner Glieder und Mäuler zu bringen. Und Hamako führte keine Schläge. Das Ringen war ganz einfacher Natur: Feuer gegen Eis, weiße Hitze gegen weiße Kälte. Hamako glänzte wie ein Bruchstück der klaren Sonne; der Arghule glitzerte in bitterer Frostigkeit. Reglos boten sie auf, was jeder von ihnen geworden war; und die gesamte Ebene dröhnte und glomm von den Schwingungen ihrer Auseinandersetzung.
    Die Belastung durch soviel essentielle Kraft war zu gewaltig, um von Hamakos vergänglichem Fleisch ertragen werden zu können. In verzweifelter Qual begann er dahinzuwelken wie ein Baum unter einer Sonne der Dürre. Die Beine sackten ihm ein; die Haut seiner Gliedmaßen schälte ab; seine Gesichtszüge verquollen bis zur Undeutlichkeit. Ein Schrei ohne Laute verzerrte seinen Mund. Aber solange sein Herz schlug, lebte er, blieb er seiner Absicht treu und unüberwindbar. Der Brennpunkt der Glut, mit der ihn sein Rhysh erfüllt hatte, schwächte nicht eine Sekunde lang ab. All der Verlust, den er erlitten hatte, all die Liebe, die ihm genommen worden war, kamen darin gebündelt zum Ausdruck; und er verweigerte sich der Niederlage. Dem Verderben zum Trotz, das sein Fleisch verwüstete, hob er die Arme, richtete sie wie aufgequollene Äste gen Himmel.
    Und die doppelte Kreatur unter ihm schmolz gleichfalls dahin. Arghule und Croyel zerflossen zu Wasser und Matsch, bis ihr Vergehen ununterscheidbar war von Hamakos Tod, sie alle drei aus nichts mehr bestanden als einem trüben Tümpel, der auf der eigenschaftslosen Ebene langsam gefror.
    Mit einem nahezu hörbaren Springen brach der Bann der unnatürlichen Kälte. Die Mehrzahl der Arghuleh brachten sich weiter gegenseitig um, bis die Rhysh sie vertrieben; die Macht jedoch, die sie hergetrieben hatte, war fort.
    Linden schluchzte

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