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Der Ring der Kraft - Covenant 06

Der Ring der Kraft - Covenant 06

Titel: Der Ring der Kraft - Covenant 06 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephen R. Donaldson
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unverhohlen, obwohl sie sich ihr ganzes Leben lang darauf gedrillt hatte, still zu trauern. »Warum?« begehrte sie durch ihre Tränen auf. »Weshalb haben sie ihn so was tun lassen?«
    Covenant wußte den Grund. Weil Hamako zweimal verwaist war, und keine Frau, kein Mann und kein Wegwahrer hätte einen solchen Verlust mehr als einmal erleiden sollen.
    Während die Sonne rot und bekümmert hinterm westlichen Horizont des Steilabbruchs versank, schloß Covenant die Augen, schlang die blutigen Arme um seine Brust und lauschte dem Klagegesang der Wegwahrer, der sich in die Abenddämmerung erhob.

7
     

ÄRZTLICHE BÜRDE
     
     
    Obwohl die Nacht mondlos war, traten die Gefährten den Weitermarsch bereits an, kurz nachdem die Wegwahrer Abschied von ihren Toten genommen hatten. Die Riesen mochten ihrer Müdigkeit nicht nachgeben; und das Weh, das Covenant mit Linden teilte, flößte ihm davor Abneigung ein, irgendwo in der Nähe der Stätte zu bleiben, wo Hamako sein Ende gefunden hatte. Während Nebelhorn ein Mahl zubereitete, behandelte Linden Covenants Arm, wusch ihn mit Vitrim und umwickelte ihn mit einem festen Verband. Danach zwang sie ihn zum Trinken von mehr Diamondraught, als ihm lieb war; infolgedessen war er kaum zum Wachbleiben imstande, als sich die Gefährten anschickten, die Gegend des Rhyshyshim zu verlassen. Während mehrere Wegwahrer die Riesen den Steilabbruch hinaufführten, wehrte er sich gegen das Einschlafen. Er wußte, wie seine Träume ausfallen würden.
    Einige Zeit lang war der Schmerz in seinem Unterarm ihm eine Hilfe. Doch nachdem die Riesen den Wegwahrern ausgiebig ein aus tiefstem Herzen empfundenes Lebewohl gesagt und den Marsch aufgenommen hatten, in stetem Tempo, so rasch, wie der ungenügende Sternenschein es erlaubte, südwestwärts strebten, merkte er, daß nicht einmal Schmerz ausreichte, um ihn vor Alpträumen zu bewahren.
    Mitten in der Nacht entwand er sich mit einem Ruck einem Traum von Hamako; das Grausen hatte ihn mit Schweiß bedeckt. Mit erneuertem Nachdruck widersetzte er sich der Wirkung des Diamondraught. »Ich habe einen Fehler gemacht«, sagte er in die leere Dunkelheit. Vielleicht hörte ihn durchs gedämpfte Geräusch der Kufen überhaupt niemand. Ihm lag gar nicht daran, daß jemand ihn hörte. Er wollte bloß den Schlaf verscheuchen, sich vor Träumen drücken.
    Die Erinnerung war auch wie ein Traum: sie zeichnete sich durch die seltsame Immanenz des Träumens aus. Aber er klammerte sich an sie, weil sie erträglicher war als Hamakos Tod. Als Hoch-Lord Mhoram versucht hatte, ihn zum Endkampf gegen Lord Foul ins Land zu rufen, hatte er, Covenant, der Herbeirufung widerstrebt. In seiner Welt war gerade ein kleines Mädchen von einer Grubenotter gebissen worden – ein Mädchen, das sich im Wald verirrt hatte und seine Hilfe brauchte. Er hatte sich Mhoram und dem Land verweigert, um dem Kind helfen zu können.
    Zweifler, ich lasse dich scheiden, hatte Mhoram geantwortet. Du wendest dich von uns ab, um Leben in deiner Welt zu bewahren. Die Achtung eines solchen Beweggrunds kann uns nicht übel gedeihen. Und sollte Finsternis auf uns fallen, so bleibt doch des Landes Schönheit. Denn du wirst es nicht vergessen. Geh in Frieden.
    »Ich hätte ihn richtig verstehen sollen«, fügte Covenant hinzu, an niemanden gewandt als die kühlen Sterne. »Ich hätte Seeträumer seine Art von Caamora geben sollen. Und eine Möglichkeit finden, um Hamako zu retten. Ohne auf das Risiko zu achten. Mhoram ist ein schreckliches Risiko eingegangen, als er mich gehen gelassen hat. Durch solche Entscheidungen wird nichts zum Untergang verurteilt, was es wert ist, daß man's rettet.«
    Er machte sich keineswegs Vorwürfe. Er bemühte sich lediglich darum, Alpträume von Feuer fernzuhalten. Aber er war ein Mensch und völlig ermattet, und nur die Decken, in die er gehüllt war, spendeten ihm etwas Wärme. Schließlich kehrten seine Träume zurück. Er konnte das Bild von Hamakos sonderbarem Opfergang nicht vertreiben.
    Ohne Hoffnung schlief er, bis sich wieder die Sonne zeigte. Als er die Augen öffnete, stellte er fest, daß er ausgestreckt dalag, nicht auf dem Schlitten, sondern in seinen Decken auf dem schneebedeckten Untergrund. Seine Gefährten befanden sich bei ihm, aber nur Cail, Pechnase, Hohl und Findail waren wach. Pechnase schürte das entflammte Reisig eines kleinen Feuers, beobachtete die Flammen, als würde sich sein Herz mit ganz anderen Angelegenheiten befassen.
    Über ihm ragte

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