Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Harry Potter - Gesamtausgabe

Harry Potter - Gesamtausgabe

Titel: Harry Potter - Gesamtausgabe Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Joanne K. Rowling
Vom Netzwerk:
die Treppe. Er konnte von Glück reden, denn die dicke Staubschicht auf den Steinstufen erstickte die Geräusche seiner Schritte und seines Stocks.
    Oben auf dem Treppenabsatz wandte sich Frank nach rechts und sah sofort, wo die Eindringlinge steckten: Ganz am Ende des Ganges stand eine Tür offen, ein flackerndes Licht fiel durch den Spalt und warf einen langen goldenen Streifen auf den schwarzen Fußboden. Frank umklammerte mit aller Kraft seinen Stock und schlich näher heran. Kurz vor der Tür konnte er ein schmales Stück von dem Zimmer dahinter einsehen.
    Jetzt erkannte er, dass das Feuer im Kamin entfacht worden war. Das überraschte ihn. Er blieb stehen und lauschte angestrengt, denn drinnen begann ein Mann zu sprechen; seine Stimme klang schüchtern und ängstlich.
    »Es ist noch ein Rest in der Flasche, Herr, wenn Ihr noch hungrig seid.«
    »Später«, sagte eine zweite Stimme. Auch sie war die eines Mannes – doch klang sie merkwürdig hoch und kalt wie ein jäher eisiger Windstoß. Etwas an dieser Stimme ließ die spärlichen Haare auf Franks Nacken zu Berge stehen. »Rück mich näher ans Feuer, Wurmschwanz.«
    Frank wandte sein rechtes Ohr zur Tür hin, um mehr zu verstehen. Er hörte das Klirren einer Flasche, die auf etwas Hartem abgestellt wurde, und dann das dumpfe Kratzen eines schweren Stuhls, der über den Boden gezogen wurde. Frank erhaschte einen kurzen Blick auf einen kleinen Mann, der mit dem Rücken zu ihm den Stuhl zum Kamin schob. Er trug einen langen schwarzen Umhang und hatte einen kahlen Fleck am Hinterkopf. Dann war er nicht mehr zu sehen.
    »Wo ist Nagini?«, sagte die kalte Stimme.
    »Ich – ich weiß nicht, Herr«, sagte die erste Stimme nervös. »Ich glaube, sie erkundet das Haus …«
    »Du wirst sie melken, bevor wir uns zurückziehen, Wurmschwanz«, sagte die zweite Stimme. »Ich brauche heute Abend Nahrung. Die Reise hat mich sehr erschöpft.«
    Mit gerunzelter Stirn neigte Frank sein gutes Ohr noch ein wenig näher Richtung Tür und lauschte gebannt. Ein kurzes Schweigen trat ein und dann sprach erneut der Mann namens Wurmschwanz.
    »Herr, darf ich fragen, wie lange wir hierbleiben werden?«
    »Eine Woche«, sagte die kalte Stimme. »Vielleicht länger. Hier lässt es sich einigermaßen aushalten und mit dem Plan können wir noch nicht fortfahren. Es wäre eine Dummheit, wenn wir loslegten, bevor die Quidditch-Weltmeisterschaft zu Ende ist.«
    Frank steckte sich einen knochigen Finger ins Ohr und fing an zu quirlen. Er hatte das Wort »Quidditch« gehört, zweifellos, weil sich so viel Ohrenschmalz angesammelt hatte, denn »Quidditch« war überhaupt kein Wort.
    »Die … die Quidditch-Weltmeisterschaft, Herr?«, fragte Wurmschwanz. (Frank bohrte den Finger noch energischer ins Ohr.) »Verzeiht mir, aber – ich verstehe nicht – warum sollten wir warten, bis die Quidditch-Weltmeisterschaft vorbei ist?«
    »Weil zu ebendieser Stunde Zauberer aus aller Herren Länder ins Land strömen, du Dummkopf, und alle Kleinkrämer aus dem Zaubereiministerium ausgeschwärmt sind, um nach ungewöhnlichen Vorkommnissen Ausschau zu halten und jeden doppelt und dreifach zu überprüfen. Die haben nur noch eins im Kopf, nämlich sicherzugehen, dass die Muggel von allem nichts mitkriegen. Deshalb warten wir ab.«
    Frank gab es auf, sein Ohr zu putzen. Er hatte klar und deutlich die Wörter »Zaubereiministerium«, »Zauberer« und »Muggel« gehört. Natürlich bedeuteten all diese Ausdrücke etwas Geheimes, und Frank fielen nur zwei Sorten von Leuten ein, die eine Geheimsprache gebrauchten – Spione und Verbrecher. Frank umklammerte seinen Stock noch fester und spitzte die Ohren.
    »Eure Lordschaft ist also immer noch entschlossen?«, sagte Wurmschwanz leise.
    »Natürlich bin ich entschlossen, Wurmschwanz.« In der kalten Stimme war jetzt eine leise Drohung zu spüren.
    Eine kurze Stille trat ein – und dann sprach Wurmschwanz. Die Worte stolperten ihm hastig aus dem Mund, als ob er sich zwingen müsste, sie auszusprechen, bevor ihn der Mut verließ.
    »Es könnte auch ohne Harry Potter gehen, Herr.« Wieder trat Schweigen ein, es hielt ein wenig länger an, und dann –
    »Ohne Harry Potter?«, hauchte die zweite Stimme kaum vernehmlich. »Ich verstehe …«
    »Herr, ich sage dies nicht aus Sorge um den Jungen!«, sagte Wurmschwanz mit hoher, quiekender Stimme. »Der Junge bedeutet mir nichts, überhaupt nichts! Nur, wenn wir einen anderen Zauberer oder eine Hexe nehmen –

Weitere Kostenlose Bücher