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Herbstfraß

Herbstfraß

Titel: Herbstfraß Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sandra Busch
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mit den Schultern.
    „Ich weiß nicht, Bo“, sage ich zögernd. „Ich kann ihn genauso wenig leiden wie du. Bloß das macht ihn nicht automatisch zum Täter. Außerdem ist es ohnehin vorbei. Er hat uns den Auftrag entzogen.“
    „Ich frage mich, ob Ingo überhaupt noch lebt.“
    Danke, Bo. Exakt diese Frage habe ich bislang erfolgreich verdrängt. Ich will ganz fest daran glauben, dass Ingo am Leben ist. Andererseits sind seit seinem Verschwinden am Freitag fünf Tage vergangen. Statistisch gesehen … Ich fröstle und schüttle mich daraufhin. Ich hasse Statistiken genauso wie Regenwetter im November.
    „Robin?“
    „Lass uns bitte nach Hause fahren. Mir ist furchtbar kalt.“ Und das stimmt. Die feuchte Kälte scheint sich direkt in meine Knochen zu fressen und alles, woran ich eben denken kann, dreht sich um die Badewanne daheim.
    „Du zitterst ja.“
    Richtig. Und das Klappern sind keine Kastagnetten, sondern Zähne, mein Lieber. Zu meiner Erleichterung dreht Bo endlich den Zündschlüssel. Der Motor orgelt, springt allerdings nicht an.
    „Das ist jetzt ein Witz, oder?“, frage ich.
    Bo sieht mich entschuldigend an. Er startet einen neuen Versuch, leider mit demselben Ergebnis.
    „Wie konntet ihr mit diesen Scheißkisten in den Krieg ziehen? Waren das Selbstmordkommandos?“ Ich bin zickig und klinge garantiert wie ein quengelndes Kleinkind, doch ich bin müde und ich will aus den nassen Klamotten raus. Bo sieht auch nicht gerade begeistert aus. Im Gegensatz zu mir versucht er die Ruhe zu bewahren.
    „Es liegt bestimmt am Filter“, sagt er und löst seinen Sicherheitsgurt. „Unter deinem Sitz müsste eine Taschenlampe liegen, Robin. Schau mal nach, ja?“
    Ich taste an besagter Stelle herum und tatsächlich bekomme ich eine Taschenlampe zu fassen. Bei meinem heutigen Glück sind sicherlich die Batterien leer. Zur größten Überraschung leuchtet die Taschenlampe hell auf, als ich sie einschalte.
    „Es regnet“, sage ich, was die Situation beschönigt. Tatsächlichschüttet es aus Eimern.
    „Ich weiß. Und ich weiß, dass du bereits nass bist und frierst. Trotzdem benötige ich dich da draußen. Du musst die Lampe halten.“
    Für eine Sekunde balle ich die Fäuste. Dann steige ich mit einem deftigen Fluch aus. Viel zu heftig schlage ich die Autotür zu und folge Bo zur Motorhaube, die er nach oben klappt.
    „Ich bin auch wütend, Dot.“
    Der Klang meines Kosenamens lässt mich im Fluchen innehalten, aber wahrscheinlich hat mich Bo allein aus reiner Gewohnheit Dot genannt. Während ich die Taschenlampe halte und den Motorraum beleuchte, schraubt er den Filter raus und prüft, ob das Ding verstopft ist.
    „Es ist wirklich frustrierend, wenn einem der Nolte dauernd durch die Maschen flutscht und auf alles eine schlaue Antwort hat. Und in der Zwischenzeit wartet Ingo darauf, gefunden zu werden.“
    Banaler Small Talk, um mich am Fluchen zu hindern. Bo, ich kenne jeden deiner Tricks. Zum Glück höre ich kein Wort mehr davon, dass Ingo längst irgendwo verscharrt ist. Ich niese, die Taschenlampe in meiner Hand wackelt und Bo muss erneut ansetzen, um den Filter an seinem angestammten Platz zu befestigen.
    „Bo?“
    „Hm?“
    „Wir ermitteln trotzdem weiter, oder?“
    Bos weintraubengrüne Augen leuchten im Lichtstrahl der Taschenlampe wie die einer Katze, als er mich ansieht.
    „Und ob, Robin. Und ob.“ Er dreht den Filter fest, wischt sich die schmutzigen Finger an einem Tempo ab und lässt die Motorhaube hinunter sausen.
    „Einsteigen. Es geht nach Hause.“
    Hoffentlich. Ich wische mir Regenwasser aus dem Gesicht und setze mich wieder auf den Beifahrersitz. Mein Mantel scheint mittlerweile sein Ursprungsgewicht verdoppelt zu haben. Bo hätte mir besser meine Softshelljacke geben sollen. Die mit dem warmen Fleecefutter. Wenn ich hier erfriere, hat er mich auf dem Gewissen.
    „Nun fahr schon.“
    Bo dreht wieder am Zündschlüssel. Mehr als neuerliches Georgel dringt nicht an meine Ohren.
    „Das darf doch nicht wahr sein.“ Ich seufze und lehne meinen Kopf gegen das Seitenfenster. Damit gebe ich offiziell auf.
    „Es tut mir leid.“
    Na klar, allerdings ändert das nichts an unserer Lage.
    „Könnte es nicht an den Zündkerzen liegen? Bei dem Mistwetter sind die vielleicht feucht geworden.“
    „Robin! Das ist ein Diesel. Diesel haben keine Zündkerzen.“
    „Ja, zum Kuckuck! Bin ich Mechaniker? Wie springt denn dieser Schrotthaufen an, sollte er mal anspringen?“
    „Diesel haben

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