Herbstfraß
warmen Pott fest. In meinem Hals spüre ich ein leichtes Kratzen und ich muss erneut niesen. Na toll. Da bahnt sich mit Sicherheit eine Erkältung an. Kein Wunder nach den endlosen Stunden in nassen Klamotten und in einer eisigen Schrottkarre. Ich wünsche dem verdammten Wolf die Presse auf den Hals … äh … Kühler. Vorsichtig, um mich nicht zu verbrennen, nehme ich einen Schluck von meiner Irischen Milch.
„Was tust du hier?“ Bo steht plötzlich in der Tür, verschränkt die Arme vor der nackten Brust und schaut mich fragend an.
„Ich kann nicht schlafen.“ Und habe Mühe, nicht auf seine Badehose zu starren.
„Frierst du immer noch?“
„Ja. Nein“, stottere ich. „Das ist es nicht.“
„Na, was denn nun?“
Ich atme einmal tief ein, ehe ich ehrlich antworte: „Ich kann nicht schlafen, wenn du sauer auf mich bist. Natürlich hast du allen Grund, um wütend zu sein. Aber ich mache mir wirklich Sorgen um dich. Du hast Albträume, du erdrückst mich fast im Schlaf, du … du bist so versessen darauf, Louisa und mich zu beschützen.“
Bo sieht mich schweigend an, während es regelrecht aus mir heraussprudelt.
„Ich liebe dich, Bo, und ich möchte wahnsinnig gerne ein Teil deines Lebens sein. Das geht bloß nicht, wenn du mir einen ganz wesentlichen Punkt in deinem Leben nicht anvertrauen willst. Ich fühle mich dadurch ausgeschlossen. Als ob du mich nicht völlig akzeptierst. Und das tut mir weh, Bo.“
Bo schweigt weiterhin. Ich wünschte, ich könnte in seinem Gesicht lesen, doch sein Pokerface ist perfekt. Die wirren Locken hängen ihm in die Augen und beinahe hätte ich einen Schritt nach vorn getan und die Hand ausgestreckt, um sie ihm aus der Stirn zu streichen. Außerdem merke ich, wie mich der Inhalt seiner hautengen Badehose viel zu sehr ablenkt. Ich muss schon schlucken, angesichts dessen, was sich dort abzeichnet. Mühsam reiße ich meinen Blick ein weiteres Mal von Bos südlichen Regionen los und fahre schnell fort: „Ich möchte dich besser verstehen können, Tweety. Damit ich weiß, wann du eine tröstende Umarmung brauchst.“
Jetzt löst sich Bo von der Tür und kommt auf mich zu. Er nimmt mir den Milchpott ab, den er auf die Arbeitsplatte stellt. Und plötzlich – ich kann es gar nicht glauben – nimmt er mich in den Arm.
„Das wollte ich nicht, Dot.“
„Was?“ Ich klammere mich an ihn, versuche regelrecht in ihn hineinzukriechen. Er ist nicht mehr böse. Dem Himmel sei Dank. Und er ist warm. Schlafwarm. Allein das macht mich völlig kirre. Ich versuche meine Gedanken zusammenzuhalten und frage nochmals: „Was wolltest du nicht?“
„Dich ausschließen, Dot. Ich hatte keine Ahnung, dass du so empfindest. Warum hast du nie etwas gesagt?“
„Wollte ich ja. Du bist bloß immer sofort an die Decke gegangen.“
Bo schmiegt seine kratzende Wange an meine und ich höre ihn leise seufzen.
„Okay. Gibt es etwas, was du wissen willst und das dir Patrick nicht erzählt hat?“
Ich fasse es nicht. Bo ist tatsächlich bereit, über seinen Einsatz zu reden? Obwohl er sich bisher mit Händen und Füßen gewehrt hat? Natürlich gibt es eine Frage, die mir auf der Zunge brennt.
„Warst du in diesen Felix verliebt?“
Bos Stirn sinkt auf meine Schulter herab und so verharrt er einen Moment, ehe er mir in die Augen blickt.
„Ja, Dot. Ich war tierisch in Felix verliebt.“
Ich sehe den tiefen Schmerz in seinem Gesicht und es zerreißt mir das Herz, trotzdem muss ich es einfach wissen:
„Und ich bin nur das Trostpflaster?“ Mist. Wo ist denn meine ganze Coolness geblieben? Ausgerechnet bei dieser Frage wird meine Stimme piepsig.
Bo zögert mit seiner Antwort. Mir rutscht das Herz auf den Küchenboden. Ich habe es geahnt. Und Bo sagt nichts, weil er mich anscheinend nicht verletzen will. Aber ich muss es aus seinem Mund hören.
„Sag mir die Wahrheit, Bo.“
„Zum Anfang war es so“, gibt er zu. „Ich weiß, ich habe mich bei dir eingenistet und deine Gefühle sicherlich auch ein wenig ausgenutzt. Obwohl sich das schnell geändert hat, Robin. Du warst so knuffig und hast mir ohne es zu bemerken einen emotionalen Halt gegeben und mich mit deiner Zuneigung wieder aufgebaut. Ohne dich hätte ich gar nicht gemerkt, dass sich die Welt weiterdreht. Schließlich ist mir aufgegangen, wie lächerlich ich mich verhalte, indem ich Felix nachtrauere. Mit ihm hätte ich nie eine Beziehung führen können. Immerhin war Felix eine Hete und zudem verlobt. Er hat mir gegenüber
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