Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Namibia

Namibia

Titel: Namibia Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Livia Pack
Vom Netzwerk:
südwestlich des Okavango und nördlich der Etosha-Pfanne von den Ovambo besiedelt. Sie betrieben neben der Viehzucht auch Ackerbau, waren also relativ sesshaft. Zu Handelszwecken begannen sie allerdings schon früh zu reisen. Im Laufe der Jahre entwickelte sich so ein reger Warenaustausch zwischen den Ovambo-Stämmen und anderen Völkern wie den Herero und den Heikom der Etosha-Gegend. Dabei spezialisierten sich die einzelnen Ovambo-Stämme auf eigene Produkte und Gebiete (die Kwanyama handelten beispielsweise mehr im Norden und vor allem mit Eisen, die Ndonga dagegen im Tsumeb- und Etosha-Gebiet mit Kupfer und Salz). Zahlungsmittel waren im Allgemeinen Rinder.
    Klimabedingt konnten die Ovambo-Farmer in guten Jahren einen Ernteüberschuss verkaufen und für schlechte Jahre Lebensmittel horten, denn in regelmäßigen Abständen blieb der Regen aus. Statt einfach von der Hand in den Mund zu leben, begannen die Ovambo schon früh, Reserven anzulegen. Ein Ergebnis dieser Entwicklung ist der
Oshigandhi
, ein großer Korb, in dem Mahango und anderes Getreide jahrelang aufbewahrt werden kann.
    Durch die hohe Bevölkerungsdichte im Ovamboland entwickelten sich die Menschen anders als im besiedlungsarmen Süden. Zum einen entstand ein Wettbewerb unter den Stämmen, zum anderen erhielten einige Menschen die Möglichkeit, sich zu spezialisieren, neue Fähigkeiten zu erwerben und zu entwickeln, Geschäfte zu eröffnen u. v. m., denn es musste nicht jeder nur um das nackte Überleben kämpfen.
    Makalanipalmen
    Die Makalanipalmen,
Hyphaene petersiana
, sind ein auffälliges Merkmal der Landschaft im Norden Namibias. Sie bevorzugen sandiges Gelände und vertragen keinen Frost. Die Palme hat einen glatten, kahlen Stamm und kann bis zu 15 m hoch und ein paar hundert Jahre alt werden. Sie hat große, graugrüne Fächerblätter, die dicht gedrängt an der Spitze des schlanken Stammes wachsen. Die Blätter werden für kunstvolle Flechtarbeiten verwendet: Wunderschöne Körbe, Teller, Untersetzer und Schalen lassen sich daraus herstellen.
    Jeder Baum trägt bis zu 2000 orangerote bis dunkelbraune Früchte, die im Durchmesser 4–5 cm groß sind. Die äußere Schicht besteht aus mehligem Fruchtfleisch, das essbar ist. In der Mitte befindet sich ein harter, weißer Kern, der auch als pflanzliches Elfenbein bezeichnet wird. Das dunkelbraune Äußere des Kerns ist jedoch samtig-weich und kann mit feinsten Gravierungen versehen werden. Diese kleinen Kunstwerke sind sowohl bei Namibiern als auch bei Besuchern sehr beliebt. Eingeritzt werden einheimische Tiere sowie kleine Alltagsszenen oder humorvolle Botschaften. Zum Schnitzen der Ornamente verwenden die Kunsthandwerker ein handliches Messer, das so scharf wie ein Skalpell ist. Die verzierten Makalanikerne werden zu Ohrringen, Schlüsselanhängern, Halsketten oder Knöpfen weiterverarbeitet. Der Preis für die originellen Kunstwerke variiert je nach Aufwand und verarbeitetem Material von N$10 am Straßenrand bis N$8000 für goldgefasste, eventuell noch zusätzlich mit namibischen Farbedelsteinen besetzte Schmuckstücke bei den Windhoeker Juwelieren.
    Im Norden Namibias verdienen sich viele Kunsthandwerker mit Makalanischnitzereien ihren Lebensunterhalt. Manche der einheimischen Kunsthandwerker werden bei ihrer Arbeit durch Projekte gefördert, wie das Crafts for Conservation Project, das auch bei der Beschaffung des Arbeitsmaterials behilflich ist.
    Magische Kräfte werden den Zwillingsmakalanikernen nachgesagt. Die aneinander gewachsenen Kerne (Okanakondunga) sollen zur Fruchtbarkeit beitragen. Die Ovambo stellen aus den Zwillingskernen mit Hilfe von Straußeneierschalen, Glasperlen und Eisenperlen kostbare Puppen her. Schenkt ein Mann eine solche Puppe der Dame seines Herzens, gilt dies als Heiratsantrag. Schickt die Frau dem Mann die Puppe, verkündet ihm dies die frohe Botschaft, dass ein Baby unterwegs ist. Die Puppen sind für die Ovambo besonders wertvoll, der Verlust wird als schlechtes Omen für die ganze Familie gewertet. So werden sie beispielsweise als erstes aus einem Feuer gerettet; bei früheren Stammeskriegen erbrachte eine erbeutete Puppe ebenso viel Lösegeld wie ein Gefangener. Die Puppe und ihre Bedeutung ist eine der letzten wohl behüteten Traditionen der Ovambo. Daher sieht man sie bislang nur in Ausnahmefällen auf Märkten und in Souvenirläden.
    Die ersten europäischen Abenteurer und Entdecker kamen im 19. Jh. ins Ovamboland (damals meist noch Amboland genannt), so

Weitere Kostenlose Bücher