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Perry Rhodan Neo 1: Sternenstaub (German Edition)

Perry Rhodan Neo 1: Sternenstaub (German Edition)

Titel: Perry Rhodan Neo 1: Sternenstaub (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Frank Borsch
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des Bluts aus der Wunde in ihrer Brust war versiegt.
    Sie war tot.
    Ein Gedanke kam Marshall. Ein irrsinniger Gedanke. War es möglich, dass ...
    Sue zerrte am Ärmel seines Hemds. »John, nicht die Straße! Damon und Tyler! Sie haben Gewehre! Sie haben geschossen!«
    Geschossen und Deborah ermordet.
    »Wo sind sie?«, fragte John.
    »In ihrem Zimmer!«
    Marshall kroch eng an den Boden gedrückt unter dem Fenster hindurch. Schimmel. Der Asphaltgeruch war verschwunden. Verängstigte Kinder kauerten in kleinen, eng aneinandergedrängten Knäueln auf den Treppenstufen. Sie weinten. Sie verstanden nicht, was geschah. Marshall hätte sie gern getröstet, ihnen versichert, dass alles gut würde, aber ihm blieb keine Zeit.
    Deborah war tot. Er musste dafür sorgen, dass es bei einer Toten blieb.
    Die Tür des Zimmers stand offen.
    Die Zwillinge saßen breitbeinig auf dem Boden, den Rücken gegen die Wand gelehnt, links und rechts vom Fenster. Zwischen den Beinen, auf den Griff abgestützt, hielt jeder der Zwillinge ein Sturmgewehr.
    Modifizierte Kalaschnikows, die bevorzugte Waffe der Gangs. Robust, buchstäblich kinderleicht zu bedienen, an jeder Straßenecke zu haben und körperpanzerbrechend.
    Zwei weitere Gewehre lagen vor ihnen auf dem Boden, daneben Haufen von Ersatzmagazinen. Eines der Betten war zur Seite geschoben. Drei Dielen waren gelöst und lagen an der Wand, gaben die Sicht auf die hohle Zwischendecke frei. Das Versteck der Zwillinge.
    Wie hatte er nur so blind sein können?, fragte sich Marshall. Sue hatte recht gehabt, er hätte die Zwillinge längst aus dem Shelter verweisen müssen.
    Tyler rauchte eine Zigarette, sog den Rauch in langen Zügen ein. Wie ein Mann, der eben eine schwierige Arbeit hinter sich gebracht hat und sich nun eine Belohnung gönnt.
    »Tyler! Damon!«, rief Marshall. »Was macht ihr da?«
    Tyler blies den Rauch der Zigarette aus, reichte sie unter dem Fenstersims hindurch an seinen Bruder. »Lass uns in Ruhe! Das kapierst du nicht, alter Mann.« Der Heilige Christophorus baumelte an seinem Hals. Das Amulett glänzte. Der Junge hatte eine stählerne Kette daran befestigt, damit der Heilige ihn niemals wieder im Stich ließ.
    »Unterschätzt mich nicht! Was kapiere ich nicht?« Kapiert ihr, was ihr getan habt?, fügte er in Gedanken hinzu. Ihr habt einen Menschen ermordet!
    »Die Cops wollen uns holen. Sie dürfen uns nicht holen.«
    »Die Polizei ist nicht euretwegen gekommen!«
    »Behauptet sie.«
    »Das ist so! Die Polizei ist wegen Sid hier. Sie haben es mir gesagt!«
    Damon reichte die Zigarette zurück. »Und du glaubst den Cops? Du bist zu gut für diese Welt, alter Mann. Wer schert sich schon um Sid González? Die Cops wollen uns. Aber sie kriegen uns nicht.«
    »Sie wollen Sid! Das hier ist ... ist unnötig!«
    Tyler zuckte die Achseln. Er hob einen Arm, deutete mit dem Daumen auf die Straße, auf der die Polizei aufmarschiert war, wo Deborah lag, die sie ermordet hatten. »Zu spät.«
    »Ihr ... ihr ...« Marshall brach ab. Es war sinnlos. Er spürte es. Etwas war in den Zwillingen gebrochen. Eine Sperre. Es gab kein Zurück mehr. Sie ...
    Jemand drückte sich an Marshall vorbei in den Raum. Sue. Sie baute sich vor den Zwillingen auf, stemmte die Arme in die Hüften. »Ihr zwei kommt euch wohl ganz groß vor mit der Kippe und euren fetten Knarren, was?«
    Tyler, der gerade an der Zigarette zog, hustete.
    »Aber wisst ihr was?«, fuhr Sue fort. »Ihr tut nur so! Groß ist nicht, wer raucht und Leute umbringt. Groß ist, wer keine Knarre braucht, um sich groß zu fühlen! Groß ist, wer nicht bei jedem Mist, der ihm gegen den Strich geht, denkt, dass die ganze Welt sich gegen ihn verschworen hat! Groß ist, wer rechtzeitig die Klappe aufkriegt, anstatt anderen Leute eins auf die Klappe zu geben! Groß ist, wer ...«
    Der Rest des Satzes ging in einem Prasseln unter. Wie Hagel, nur viel, viel lauter und härter. Es waren Kugeln. Die Polizisten hatten das Feuer eröffnet, beharkten den Shelter mit ihren automatischen Waffen.
    Der Hagel dauerte nur einige Momente. Marshall mutete es an wie eine kleine Ewigkeit.
    Dann war Stille.
    Atemlose Stille.
    Der scharfe Geruch von Pulver trieb durch das geöffnete Fenster in das Zimmer, vermischt mit einem Unterton von Moder. Er musste von dem abgeplatzten Außenputz stammen.
    Tyler sagte: »Haut ab, solange ihr noch könnt! Es ist zu spät.« Er zog an der Zigarette und warf den Stummel achtlos zur Seite.
    Sue rührte sich nicht vom Fleck.

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