Silberband 018 - Hornschrecken
starrte aufs Meer
hinab. »Das ist der Vorposten, und wir werden ihn töten. Eine bessere Gelegenheit, ihr Verhalten
zu studieren, finden wir nie mehr. Es besteht keine Gefahr. Versuchen wir es mit dem
Bordstrahler.«
»Crack hatte auch keinen Erfolg.«
»Crack hatte den Strahler auf breite Streuung eingestellt, den Fehler begehen wir nicht.
Feineinstellung, stärkste Konzentration. Fertig, Sergeant?«
Sie standen etwa zehn Meter über der Hornschrecke, die ruhig auf dem Wasser lag und sich vom
letzten Sprung ausruhte. Dabei begann sie, sich in der Mitte weiter einzuschnüren. In wenigen
Minuten würden es zwei Hornschrecken sein.
»Um so besser«, knurrte Borowski grimmig. »Dann haben wir zweimal das Vergnügen.«
Aus seiner Stimme sprachen Haß und Verzweiflung. Vielleicht hatte es noch niemals etwas
gegeben, was Borowski so haßte wie diese unheimlichen Lebewesen, von denen er ahnte, daß sie die
Geißel der Milchstraße würden.
Die Teilung vollzog sich. Während das neu entstandene Tier ruhig liegenblieb, sprang der alte
Teil weiter und legte in wenigen Sekunden nahezu hundert Meter zurück. Dann blieb es erneut
liegen und begann zu wachsen.
»Es wächst, obwohl es nicht frißt.« Hoax sagte es fassungslos.
Vorsichtig näherten sie sich dem Muttertier. Aus zehn Metern Entfernung feuerte Hoax einen
kurzen Energieschuß ab, der genau sein Ziel traf. Wasser sprudelte auf und verkochte. Der Wurm
hatte seine Farbe verändert und sank langsam in die Tiefe.
Der zweiten Hornschrecke erging es nicht anders.
»Wenn sie einzeln kämen, könnten wir sie leicht erledigen. Wenn die verfluchte Zellteilung
nicht wäre, hätte ich keine Angst vor ihnen. So aber …«
Borowski verstummte. Er hatte ein ganzes Rudel Hornschrecken entdeckt, die sich in der Art
fliegender Fische fortbewegten und südlichen Kurs hatten. Er nickte Hoax zu. Der Sergeant nickte
grimmig zurück.
Sie griffen den Schwarm aus einer Höhe von zehn Metern an.
Der kaum armdicke Energiestrahl riß eine Todesfurche in den violetten Teppich. Die
Hornschrecken sanken einfach in die Tiefe, wenn sie getroffen wurden. Sie lösten sich nicht auf,
wie es jedes Metall getan hätte, aber wenigstens schienen sie tot zu sein.
Sie töteten Hunderte und Tausende, aber dann gaben sie es auf. Es wäre unmöglich gewesen, sie
alle zu vernichten, ohne in den aufsteigenden Wasserdampfschwaden restlos die Orientierung zu
verlieren und vielleicht abzustürzen.
Als Borowskis erste Wut verraucht war, zuckte er mit den Schultern. »Es ist sinnlos. Vorposten
können wir leicht erledigen, aber wenn die Hauptmacht anrückt, bleibt uns nur die Flucht. Ich
glaube, wir haben genug gesehen. Ab, Richtung Heimat.«
Sie kehrten zur Insel zurück und berichteten Schonepal von ihrer ersten Begegnung mit den nach
Süden vordringenden Hornschrecken.
Schonepal sagte nicht viel, aber seine Miene verriet seine Befürchtungen.
Am fünften Tag nach ihrer Landung auf der Insel, es war der neunte August,
erhielten sie den unwiderlegbaren Beweis, daß die Hornschrecken ein erstaunliches Maß taktisch
klugen Verhaltens an den Tag legten.
Sergeant Knüpfl war der äußere Anlaß der furchtbaren Entdeckung.
Er kam von seinem Posten am Westufer zurück und schlenderte an der Küste entlang, um zu seinem
Zelt zu gelangen. Dabei trat er mit dem Fuß in eine zerbrochene Muschelschale. Er begann sofort
zu bluten.
Humpelnd erreichte er das Lager, wo er sich sofort bei Dr. Mährlich meldete, der ihm einen
Verband anlegte.
»Man weiß nie, welche Vergiftungen man sich hier holen kann«, sagte der Arzt dann. »Warten
Sie, ich gebe Ihnen noch eine Spritze.«
Aber so sehr er auch suchte, er fand das bestimmte Serum nicht.
»Ich werde es noch im Boot haben«, knurrte er. »Kommen Sie mit.«
Mährlich stützte Knüpfl, der immer noch humpelte.
»Warum müssen Sie auch barfuß herumlaufen«, sagte der Arzt ärgerlich. »Das nächste Mal treten
Sie noch auf eine Hornschrecke.«
»Erwähnen Sie nur das Wort nicht«, sagte Knüpfl erschrocken und wurde blaß. »Da würden auch
die schwersten Stiefel nichts nützen.«
Der Frachtraum des Rettungsboots war nicht sehr groß. Man hatte die Zelte herausgezerrt, aber
einige Kisten mit Lebensmitteln und Medikamenten waren geblieben. Mährlich suchte sich die seiner
Meinung nach richtige heraus und bat den Sergeanten, ihm beim Heraustragen zu helfen.
Sie stellten die Kiste vor dem Boot auf den sandigen Boden. Während der
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