Silberband 055 - Der Schwarm
Viel Glück. Laß dir die Zeit nicht lang werden.«
»Auf Wiedersehen, Flinder …«
Flinder verließ die Station. Er machte sich auf den langen Rückweg zur Siedlung.
15.
Der Hilferuf vom Planeten Hidden World wurde Rhodan schriftlich übermittelt. Atlan las die Mitteilung ebenfalls durch, dann meinte er:
»Die Leute der USO sind tot, und einer der Siedler scheint nicht verdummt zu sein. Wir werden noch herausfinden, warum nicht. Jedenfalls war er klug genug, einen Funkspruch abzusetzen und die Automatik zu bedienen. Ein Hoffnungsschimmer, wenn du mich fragst.«
»Ich habe Mentro Kosum gebeten, weitere Umrundungen anzuhängen. Vielleicht ist es möglich, mit diesem Tex Gruppa direkten Kontakt aufzunehmen.«
»Soll ich mich in der Funkzentrale mal darum kümmern?«
»Ja, eine gute Idee. Vielleicht kann er uns auch die Landekoordinaten angeben.«
Das allerdings war eine Hoffnung, die sich nicht erfüllte. So sehr Captain Farside sich auch bemühte, die USO-Station zu erreichen, er bekam keine Antwort. Pausenlos lief der Hilferuf über die Automatik, aber auf Hidden World schien nur der Sender noch in Betrieb zu sein. Nichts deutete darauf hin, daß auch noch Sendungen empfangen wurden.
Gucky hielt den Augenblick für gekommen, sich wieder bemerkbar zu machen. Er materialisierte in der Kommandozentrale, nachdem Rhodan neben Mentro Kosum vor den Hauptkontrollen Platz genommen hatte.
»Gedankenimpulse gibt es nun massenweise.« Er setzte sich unaufgefordert in den dritten Sessel. »Aber fragt mich nicht, was da so zusammengedacht wird. Jedenfalls existiert die Kolonie noch, wenn auch total verblödet.«
Rhodan schaute ihn verweisend an.
»Du hast die unterirdische Kolonie abgrenzen können? Dicht dabei muß der ehemalige Raumhafen sein, ein Krater, glaube ich. Wir müssen ihn finden, um landen zu können.«
»Wir können, wenn es sein muß, auf jedem Misthaufen landen – hat Bully einmal gesagt«, behauptete der Mausbiber todernst. »Warum also jetzt auf einmal diese ungewohnte Sorgfalt?«
Rhodan blieb ruhig und geduldig, obwohl er andere Sorgen hatte.
»Weil ich dem Bericht entnehmen konnte, daß der Raumhafen genau in dem Gebiet zwischen USO-Station und Kolonistensiedlung liegt. Damit schlagen wir sämtliche Fliegen mit einer Klappe. Außerdem gehen wir nicht die Gefahr ein, auf einem tätigen Vulkan zu landen. Ist das klar?«
»Wie Hühnerbrühe«, gab Gucky zu und schüttelte sich. »Scheußlicher Vergleich, übrigens.«
»Du hast ihn verwendet«, meinte Rhodan trocken.
Mentro Kosum deutete auf die Kontrollen. »Zwanzigste Umrundung beendet. Gehen in die einundzwanzigste.«
Flinder hastete durch die ersten Stollen.
Er hatte es vorgezogen, die Oberfläche zu verlassen, weil er an dieser Stelle unterirdisch schneller vorankommen konnte. Sehr gut kannte er diese Stollen nicht, da er ja ein Einzelgänger war. Hier wurde systematisch abgebaut, und damit hatte er nur wenig zu tun.
Immerhin gab es einige Förderbänder und automatische Transportbahnen, mit deren Hilfe er noch um einiges schneller vorankam. Er mußte insgesamt eine Strecke von mehr als fünfzehn Kilometern zurücklegen.
Je näher er der eigentlichen Siedlung kam, desto unruhiger wurde er. Er hatte das merkwürdige Gefühl, zu spät zu kommen, obwohl er nicht zu sagen vermocht hätte, wofür und warum zu spät.
Er kam wieder in einen bekannten Stollen und schaltete das seitlich angebrachte Förderband ein. Es bewegte sich mit einer beachtlichen Geschwindigkeit und diente dazu, die Erde abzutransportieren, die beim Graben neuer Gänge anfiel. Ein Stück lief er nebenher, bis er sich gefahrlos auf das Band schwingen konnte. Er legte sich auf den Bauch, das Gesicht in Fahrtrichtung, und ruhte sich erst einmal aus.
Vielleicht hatte Herschell doch recht, daß es nicht gerade klug war, den Diggern die Wahrheit über die Station mitzuteilen. Wie die Wilden würden sie darüber herfallen und vielleicht die lebenswichtigen Einrichtungen zerstören. Dann gab es keine Hoffnung auf Rettung mehr.
Noch wurde das Notsignal ununterbrochen ausgestrahlt, und einmal mußte es jemand auffangen und etwas unternehmen.
Drei Kilometer vor den Wohnhöhlen bog das Förderband rechtwinklig ab. Es brachte die Erde hinauf zur Oberfläche und endete vor einer tiefen Schlucht, die allmählich angefüllt wurde.
Flinder sprang herab, um den Rest des Weges zu Fuß zurückzulegen. Er ließ das Band laufen, denn die nächste Schaltstelle lag einige hundert Meter
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