Wanderungen durch die Mark Brandenburg
heraufführte, dergestalt in Schulden geraten, daß er sich nicht getraute, sich im Besitze seiner Güter zu behaupten. Er verkaufte deshalb, und zwar einige Tage vor seinem frühzeitigen Tode, die Herrschaft Plaue, zu der, außer der Stadt gleichen Namens, auch noch vier Dörfer gehörten, an den Domherrn und Thesaurarius der erzbischöflichen Kirche zu Magdeburg Christoph von Görne, bei dessen Familie Plaue nunmehr bis 1765 blieb. Die Kaufsumme war 80000 Taler. Zwei Jahre nach Beginn des Dreißigjährigen Krieges wurde dieser Besitz angetreten und zwei Jahre nach Schluß des Siebenjährigen Krieges traten die Görnes von diesem Besitz zurück.
Daß Plaue zu Beginn dieser Epoche besonders oft und schwer heimgesucht wurde, war natürlich; war es doch der Hauptpaß zwischen Berlin und Magdeburg. 1630 wurde die Brücke von den Kaiserlichen abgeworfen, um die aus Pommern heranziehenden Schweden abzuhalten, 1632 vollendeten diese (die Schweden) das Vernichtungswerk durch Abhauen der noch stehengebliebenen Pfähle. Nicht einmal einen Kahn ließ man den Einwohnern, nur um den am anderen Ufer stehenden Kaiserlichen keinerlei Vorschub zu leisten. 1635 plünderten die Sachsen. Aber erst 1639, als Brandenburgische Landeskinder vom Burgsdorfschen Regiment in Plaue Quartier nahmen, erreichte die Not ihren Gipfelpunkt. Um diese Zeit war es, daß die Bewohner von Plaue sich bittweis an den Kurfürsten George Wilhelm wandten. »Ob wir nun wohl nichts mehr auf dieser Welt als das bloße Leben und mit Ehren zu melden nicht ein Hemd auf dem Leibe behalten haben, so werden wir doch anitzo mit schwerer Tribulation von des Obersten von Burgsdorf Regiment belegt, dessen uns zugewiesene Reuter uns ängstigen und plagen und vollends zerschlagen und zu Asche brennen, was uns die andern Soldaten an zerbrochenem Eigenthum noch gelassen haben. Und wenn wir unsere Häuser nur um des Nachtlagers willen nicht gern mit dem Rücken ansehen und uns mit Kummer und Noth auch fernerhin darin zu fristen gedenken, so können wirs doch nur, wenn uns churfürstliche Gnaden auf drei Jahre von aller Kontribution und Einquartirungen befrein.« Endlich war der Krieg zu Ende und des Christophs von Görne Sohn, der inzwischen das Erbe angetreten, mühte sich, wie sich der Vater bis zu seinem 1638 erfolgten Tode gemüht hatte, dem verarmten Orte wieder aufzuhelfen. In diesem Bestreben einigten sich auch die Görnes, die den beiden ersten Besitzern, Vater und Sohn, in Schloß Plaue folgten; am eingreifendsten und segensreichsten aber war die Wirksamkeit Friedrichs von Görne, des fünften Görne an dieser Stelle, der, schon vorher auf dem benachbarten Gollwitz ansässig, 1711 Plaue durch Vergleich an sich brachte.
Friedrich von Görne, geboren den 24. Juli 1670, war einundvierzig Jahre alt, Geheimrat und Kammerpräsident, als er 1711 seinen Neubesitz antrat. Er ließ als Erstes und Wichtigstes die während des Dreißigjährigen Krieges abgetragene Brücke wieder herstellen und ging dann in fünfjähriger Bautätigkeit dazu über, das von Georg von Waldenfels auf den Trümmern der alten Burg neu errichtete, während des Krieges aber zum zweiten Male zerstörte Schloß, durch einen dem Zeitgeschmack entsprechenden Neubau zu ersetzen. Dies geschah mit einem Kostenaufwande von 23460 Talern. Es war ein ansehnliches Hauptgebäude mit zwei Seitenflügeln, über dessen damalige Gesamterscheinung wir in den Guts- und Pfarrakten eine vom alten Pfarrer Lösecke herrührende, etwa der Mitte des vorigen Jahrhunderts angehörige Beschreibung haben, deren Inhalt sich im wesentlichen mit dem Bilde deckt, das uns das Schloß bis diesen Augenblick gewährt. »Das Corps de Logis, die Hauptfront nach Osten, ist mit vortrefflichen Souterrains versehen und hat zwei Etagen, jede mit einem herrlichen Saal und vielen schönen Zimmern. Oben auf dem Dache befindet sich ein geräumiger Altan, auf dem man bequem spazieren gehen und des herrlichsten Ausblicks genießen kann. Jenseits der Havel sieht man, hundert Ruten vom Schlosse entfernt, eine halbmondförmige Schanze, von wo aus, zur Quitzowzeit, die markgräflichen Leute Burg Plaue beschossen haben. Diese Schanze hat eine Länge von siebzehn Ruten und ist senkrecht dreizehn bis vierzehn Fuß hoch. Am Ende des mittäglichen Schloßflügels ist eine schöne Kapelle, darin, wenn es die Herrschaft verlangt, der Gottesdienst gehalten werden kann. Vor dem Schlosse fließt die Havel. Sonst ist noch aus alter Zeit her ein breiter und tiefer
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