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Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Titel: Wanderungen durch die Mark Brandenburg Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor Fontane
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Zeichnung auf den Tisch. »Er will ein Sohn des Prinzen Gustav sein? Ihn soll der Teufel holen, wenn das nicht wahr ist!«
    Aber Wilhelmi entgegnete ganz gelassen: »Wie würde ich es wagen, Ew. Majestät eine solche Unwahrheit zu sagen.«
    »Weiß es der General?« forschte Friedrich weiter und setzte hinzu, als Wilhelmi die Frage bejaht hatte: »Gut! Sag' Er seinem General, daß er heute mittag bei mir speisen soll.«
    Bei Tafel bemerkte Friedrich wie von ungefähr: »Weiß Er nicht, lieber Hülsen, wo sein Leutnant Wilhelmi eigentlich her ist?«
    »Nein, Majestät. Der Prinz Moritz hat ihn mir empfohlen.«
    »So?« sagte Friedrich und sah Hülsen scharf an. »Er weiß also wirklich nicht, wo der Wilhelmi her ist. Nun, wenn Er's nicht weiß so will ich's Ihm sagen: der Leutnant Wilhelmi ist ein Sohn des Prinzen Gustav.«
    Hülsen, der sein Geheimnis entdeckt sah, gestand nun dem Könige, was er über Wilhelmis Abkunft wußte und erklärte, daß er durch Ehrenwort zum Schweigen verpflichtet worden sei. Jetzt verlangte Friedrich, daß er ihm den jungen Mann abträte. Hülsen tat dies ungern, wagte jedoch nicht, einen Einwand zu machen.
    Von der Tafel heimgekehrt, beschied der General den plötzlich zu Stellung und Ansehen gelangten Wilhelmi zu sich und machte ihm heftige Vorwürfe darüber, daß er ihm seine Unterredung mit dem Könige verheimlicht habe. Der junge Mann entgegnete aber dreist: »Herr General, Sie haben mir den Befehl des Königs, der mich zu sich beschied, ebenfalls verschwiegen, und da mich Majestät nach meinem Herkommen fragte, mußt' ich ihm doch die Wahrheit sagen. Zudem hielt ich den günstigen Augenblick für gekommen, mein Glück zu machen. Warum sollt' ich ihn nicht benutzen?«
    Wilhelmi wurde nun ins Gefolge des Königs aufgenommen und auf dem Schlachtfelde von Liegnitz (1760) zum Hauptmann ernannt. Gleichzeitig beauftragte ihn Friedrich mit den Geschäften eines General-Quartiermeisters, in welcher Stellung er sich nützlich zu machen verstand. Er entwarf unter anderem dem Könige einen Plan zur Herstellung eines leichten Artilleriekorps. Friedrich konnte ihn indessen nicht hinreichend belohnen, weil höhere Militärchargen grundsätzlich Bürgerlichen verschlossen waren. Da sagte der Monarch eines Tages zu ihm: »Hör' Er mal, so wie es mit Ihm steht, kann nichts aus Ihm werden. Ich werd' Ihn adeln. Welchen Namen will Er führen?«
    Wilhelmi wählte den Namen des anhaltischen Ortes Gröbzig, in dem er erzogen worden war
    »Gröbzig?« wiederholte Friedrich, »nein, das ist ein häßlicher Name. Weiß Er was? Er soll von Anhalt heißen. Damit aber die Fürsten dieses Namens nichts dagegen haben, so bewerb' Er sich um ihre Einwilligung.«
    Diese Einwilligung. 23 seitens der fürstlichen Familie von Anhalt wurde Wilhelmi ohne weiteres erteilt, der von diesem Zeitpunkt an die Gunst des Königs immer mehr gewann. Unter anderen Kriegstaten erhielt sein kühner Angriff auf einen österreichischen Posten im Gebirge bei Leutmannsdorf, 1762, des Königs vollste Anerkennung. Friedrich ernannte ihn infolge dieser Heldentat zum Oberstleutnant und händigte ihm acht Verdienstorden für seine Offiziere ein. Nach dem Friedensschlusse stieg er immer höher, wurde, nachdem er 1765 Plaue erstanden, drei Jahre später Generaladjutant und 1783 Generalleutnant und Gouverneur in Königsberg.
    Auf den Ausgang seines Lebens und seine Großtaten in Plaue komme ich weiterhin zurück. Aber was Mirabeau 1786, kurze Zeit nach dem Tode des Königs, über von Anhalt schrieb, mag, als Ergänzung zu dem Vorstehenden, schon hier eine Stelle finden. »Der neue König«, so schreibt Mirabeau den 10. Oktober 1786, »hat soeben dem Herrn von Anhalt den schwarzen Adlerorden verliehen. Herr von Anhalt ist von einer Köchin und sehr vielen Vätern geboren. 24 Er war erst Pferdeknecht und wußte sich dadurch seinen Lebensunterhalt zu verschaffen, daß er den Offizieren eingeschmuggelten Kaffee verkaufte. Dann wurde er Spion und hatte den Prinzen von Preußen, den jetzigen König, auf Schritt und Tritt zu bewachen. Er ging dabei weiter als nötig und wußte in seine gehässigen Erzählungen auch giftige Ratschläge zu mischen, was endlich die Vollziehung einer Grausamkeit veranlaßte, die man nicht Geschicklichkeit genug hatte zu bemänteln und nicht Mut genug voll auszuführen.« (Diese ganze Stelle, völlig unverständlich, ist sehr wahrscheinlich mit Absicht in Dunkel gehalten.) »General von Anhalt«, so fährt Mirabeau fort,

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