0399 - Merlin erwacht
breiten Gang vor den Käfigen.
Seitdem warteten die Menschen darauf, daß die Raubtierköpfigen zurückkehrten, um das nächste Opfer zu holen. Es gab keinen Zweifel daran, daß es jedesmal ein Gang in den Tod war.
Hunger und Durst traten gegen die Todesangst zurück. Die etwas füllige, schwarzhaarige Dr. Evita Suarez wurde von Stunde zu Stunde hysterischer.
Professor Esteban Kalmauc, der Leiter des Archäologen-Teams, hatte Mühe, beruhigend auf seine Stellvertreterin einzuwirken, die früher so ruhig und überlegen wirkte. Davon war jetzt nichts mehr zu bemerken.
Jacáo, der Grabräuber, brütete dumpf vor sich hin. Die Archäologen Guillaume und Pedro, in benachbarten Zellen untergebracht, diskutierten leise über irgend etwas.
Kalmauc hatte versucht, sie alle mit einem verwegenen Plan wieder aufzurütteln. Die verzweifelte Gegenwehr Cuataxis hatte ihnen allen gezeigt, daß mit Körperkraft gegen die muskelbepackten Raubtierkopfzwerge nichts zu machen war. Wenn sie versuchen wollten, auszubrechen, dann mußte das mit List und Tücke geschehen.
»Feuer«, hatte Kalmauc gesagt. »Mit Feuer können wir ihnen zuleibe rücken. Sie haben nur einen Schwachpunkt, das sind ihre Augen. Wir müssen sie blenden.«
»Und wie?« fragte Guillaume. »Wo wollen Sie Feuer herbekommen?«
»Da drüben hängt es«, sagte Kalmauc. »Die Fackel. Sie müßte erreichbar sein. Wenn Cuataxi es geschafft hat, ein halbes Dutzend Meter weit zu springen, als er die Raubtierköpfe angriff, dann dürfte es auch möglich sein, die Fackel zu erreichen.«
»Die Ungeheuer werden diesmal auf einen Angriff vorbereitet sein«, gab Guillaume zu bedenken. »Sie werden uns keine Chance geben.«
»Deshalb täuschen wir sie. Wir stellen uns tot. Wir alle. Wir wissen ja nicht, wen sie als nächsten nehmen, aber wir müssen alle, jeder einzelne von uns, bereit sein zu handeln. Sobald sich die Tür öffnet, liegen wir wie tot und absolut reglos auf dem Zellenboden. So flach wie möglich atmen. Auf nichts reagieren, ob sie uns treten, schlagen, kneifen oder sonstwie festzustellen versuchen, ob wir noch leben. Vielleicht klappt es. Sie müssen absolut davon überzeugt sein, daß wir ihnen nicht mehr schaden können. Sie werden dadurch unvorsichtig. Dann aufspringen, die Fackel aus der Halterung reißen und damit um sich schlagen. Nach ihren Gesichtern zielen, die Augen treffen. Wenn sie blind sind, sind sie nur noch halb so gefährlich.«
Er sprach überzeugend. Dabei zweifelte er innerlich daran, daß es gelingen würde. Diese Muskelzwerge waren nicht dumm. Sie würden sich nicht so einfach übertölpeln lassen. Und sie alle waren, vielleicht bis auf den Huaquero Jacáo, keine Kämpfer. Sie waren Wissenschaftler, die sich in gewaltsamen Auseinandersetzungen nicht auskannten. Aber es ging darum, es zu versuchen. Selbst wenn die Chance noch so gering war, mußten sie sie nutzen. Es war besser, im Kampf getötet zu werden, als unter unbekannten, sicher nicht gerade angenehmen Umständen irgendwo zu sterben. Der Professor war jedenfalls gewillt, so zu kämpfen, daß sie ihn nicht lebend aus diesem Raum hinaus bekamen, wenn sie ihn auswählten. Wenn er es natürlich schaffte, zu entkommen, war das noch besser.
»Noch etwas«, hatte er ihnen allen eingeschärft. »Ganz gleich, wer freikommt – er muß sofort flüchten. Hinaus aus diesem Kerker, davonlaufen. Kümmert euch nicht um die anderen Gefangenen, nicht um uns. Laßt uns hier. Lauft und seht zu, daß ihr Hilfe holen könnt. Das ist die einzige Chance. Eine Befreiungsaktion von uns anderen würde zu viel Zeit kosten.«
Dabei ahnten sie nicht einmal, daß sie keine Chance haben würden, Hilfe zu erlangen. Sie wußten ja auch nicht, wo sie sich befanden. Sie hatten nur eine graue Metallstraße gesehen, auf der sie ankamen, und ringsum Häuser aus blauem Stein. Dann waren sie bereits gepackt und in diesen Kerker verschleppt worden.
Sie wußten nicht einmal, daß sie um Jahrhunderte in die Vergangenheit versetzt worden waren…
Und vielleicht war das gut so. Sonst hätte Professor Kalmauc keine Hoffnung mehr besessen.
Und jetzt war es soweit!
Das Tor öffnete sich. Die sieben Segmente verschwanden nach allen Seiten in der Wand, gaben den Durchgang frei.
Jeder reagierte, wie abgesprochen! Noch ehe die hinter der Tür stehenden Ungeheuer etwas sehen konnten, lagen die fünf Menschen auf dem harten Steinboden. Sie hatten sich einfach fallen gelassen, egal wie.
Sie bemühten sich, so still wir nur
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