Blackcollar
um einen Monolog, und Galway war bei Caine und drei seiner Teamkollegen darauf gefasst gewesen. Wenn man die richtige Stressanalyse anwandte, konnten sogar die Antworten auf harmlose Fragen gelegentlich wertvolle Hinweise enthalten, und deshalb war es üblich, dass sich die Verhörten so wenig wie möglich um den Verhörenden kümmerten. Das wusste Caine, und Galway wusste, dass er es wusste, und deshalb war das Ganze Zeitverschwendung, wenn Galway nicht davon überzeugt gewesen wäre, dass das fünfte Gespräch etwas anders verlaufen würde.
Er wurde nicht enttäuscht.
»Sie reisen ebenfalls in fünf Tagen mit der Novak ab, nicht wahr?« Woody Pittman saß mit zusammengepressten Lippen vor dem Netzhautscanner und nickte nur. Die Geste sagte mehr über seine Gefühle aus als Worte, und Galway empfand etwas wie Mitleid mit dem Jungen. Aber der Präfekt musste seine Aufgabe erfüllen, und seine persönliche Einstellung zu allem, was die Ryqril Pittman angetan hatten, durfte ihn nicht daran hindern. »Sie fliegen zur Erde - haben Sie eine Ahnung, wohin?«
»Nach Nordamerika. Wir werden das Shuttle nach Denver nehmen, aber Caine sagt, dass wir abspringen werden, bevor es landet.«
Galway rief auf dem im Raum vorhandenen Monitor eine Karte des Gebiets ab und überflog sie rasch.
Es war sinnlos; in der Gegend von Denver gab es viel zu viele Objekte, die für einen Saboteur oder einen Spion interessant sein konnten. »Haben Sie eine Ahnung, ob das Ziel Ihrer Mission in diesem Gebiet liegt?«, fragte er. »Oder wäre es möglich, dass Sie nur so lange dort bleiben, bis Sie sich Papiere verschafft haben, und dann etwaige Verfolger loswerden?«
Pittman schüttelte den Kopf. »Caine hat uns nichts gesagt, überhaupt nichts; Sie können also aufhören, die Frage immer neu zu formulieren. Er nimmt Lathes Vorträge über Geheimhaltung sehr ernst.«
Galway seufzte. »Irgendwie überrascht mich das nicht.« Er überlegte kurz und sah dabei zu, wie ein Foto und dann sicherheitshalber auch noch ein Schichtfoto von Pittmans Gesicht gemacht wurden.
»Hat Caine besondere Ausrüstungsgegenstände erwähnt? Oder haben Sie eine unübliche Ausbildung erhalten?«
Pittman schüttelte wieder den Kopf. »Erst wenn wir auf der Erde sind, kann ich Ihnen etwas Neues berichten. Und vielleicht nicht einmal dann.«
»Also gut.« Galway gab auf. Es war unwahrscheinlich, dass Pittman ihm etwas verschwieg - obwohl der Junge nicht loyalitätskonditioniert war und Galway deshalb seiner Sache nie hundertprozentig sicher sein konnte. »Ich werde im Büro des Sicherheitsdienstes von Denver einen Kontaktmann für Sie bereitstellen - wenn Sie anrufen, verwenden Sie den Codenamen Postern, um sich zu identifizieren.«
Pittman nickte und stand auf. »Noch etwas?«
»Im Augenblick nicht. Viel Glück!«
Als der Junge den Raum verließ, verzog sich sein Gesicht zu einem sardonischen Lächeln. Bevor die Tür zuging, sah Galway noch, wie sich der Wächter Pittman anschloss. Er seufzte und schaltete die Gegensprechanlage ein. »Begleiten Sie die Blackcollarrekruten aus der Nabe hinaus.«
»Caine will zu der Lodge zurückgebracht werden.«
»Teilen Sie ihm mit, dass er selbst zusehen muss, wie er hinkommt. Wir betreiben kein Fuhrunternehmen.«
»Ja, Sir.«
Galway schaltete die Anlage ab und wandte seine Aufmerksamkeit wieder der Karte von Denver zu.
Ragusin trat zu ihm und blickte ihm über die Schulter. »Fällt Ihnen irgendetwas auf?«, fragte ihn Galway.
»Nicht auf Anhieb. Dort gibt es unheimlich viel.«
»Genau das habe ich mir auch gedacht. Vielleicht sollten Sie hinuntergehen und dafür sorgen, dass Caine und Co. beim Verlassen der Nabe keine Schwierigkeiten machen. Ich gehe in mein Büro zurück und rufe die Ryqril an. Sie müssen erfahren, dass demnächst ein weiteres Team auf der Erde landen wird.«
Es war keine angenehme Aufgabe; und noch lange, nachdem Galway aufgelegt hatte, stand er an dem großen Fenster neben seinem Schreibtisch, blickte auf die Nabe hinaus und wartete, bis die Spannung in seinen zitternden Muskeln nachließ. Natürlich hasste er die Eroberer der Menschheit nicht; die Loyalitätskonditionierung, der er im Alter von achtzehn Jahren unterzogen worden war, hatte eine emotionale Reaktion auf die Ryqril für immer ausgemerzt. Aber die Konditionierung unterdrückte nicht die Angst, und Galway fürchtete die gummihäutigen Aliens mehr als alles andere im Universum. Nicht nur wegen der Dinge, die sie ihm persönlich antun konnten, sondern weil
Weitere Kostenlose Bücher