Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Das Jahr der Krisen

Das Jahr der Krisen

Titel: Das Jahr der Krisen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Philip K. Dick
Vom Netzwerk:
Goldene Tor ließ über eine Vielzahl von Kanälen einen ständigen Strom von miesen Porno- und Schmierenshows hinunterströmen, für fast jeden im Land erreichbar und weitgehend angeschaut. Die Shows, besonders die klimaktische Orgie, in der Thisbe selbst erschien – mit ihrer berühmten Darbietung von sich dehnenden und zusammenziehenden Muskeln, die in zwanzig Richtungen gleichzeitig und in vier Farben arbeiteten – waren ein großer Aktivposten des Satelliten. Aber es wäre ein leichtes, eine Anti-Briskin-Stimmung hineinzuarbeiten – die Ansager des Satelliten waren aalglatte Redner.
    Er leerte seinen Drink im Aufstehen und ging zur Tür. »Machen Sie, was Sie wollen, schießen Sie sich mit Ihren Pornoshows auf Jim ein. Wir werden die Wahl trotzdem gewinnen, und dann können Sie sicher sein, daß er das hier dichtmacht. Offen gesagt, ich persönlich garantiere es jetzt sofort.«
    Der Kopf schaute unbehaglich drein. »Dreckiger P-pool«, stammelte er.
    Sal zuckte mit den Schultern. »Ich schütze nur die Interessen meines Kandidaten. Sie haben die Drohungen gegen ihn ausgesprochen. Sie haben damit angefangen, Sie beide.«
    ,Dies ist George«, sagte der Kopf schnell. »Da gibt es etwas, was wir machen sollten. Hör zu, Walt. Wir wollen, daß Jim Briskin hier herauf, ins Goldene Tor, kommt und öffentlich fotografiert wird.« Als Applaus für sich selbst fügte er hinzu: »Gute Idee. Kapiert, Sal? Briskin kommt hier an, von allen Medien erfaßt, und besucht eines der Mädchen. Es wird für sein Image gut sein, weil es zeigen wird, daß er ein normaler Bursche ist – und nicht irgendeine Nulpe. Sie ziehen also einen Nutzen daraus. Und während er hier ist, beglückwünscht uns Briskin.« Er setzte hinzu: »Ein guter Schlußpunkt, aber freiwillig. Zum Beispiel könnte er sagen: ›Das nationale Interesse hat …‹«
    »Das wird er nie tun«, sagte Sal. »Eher verliert er die Wahl.«
    Der Kopf sagte wehleidig: »Wir werden ihm jedes Mädchen geben, das er haben will. Mein Gott, wir haben fünftausend zur Auswahl!«
    »Kein Glück«, sagte Sal Heim. »Jetzt, wenn Sie mir dieses Angebot machen würden – ich würde Sie innerhalb der nächsten Sekunde beim Wort nehmen. Aber nicht Jim. Er ist – altmodisch.« Das war eine ebenso gute Art, es auszudrücken, wie jede andere. »Er ist Puritaner. Sie können ihn ein Überbleibsel des zwanzigsten Jahrhunderts nennen, wenn Sie wollen.«
    »Oder des neunzehnten«, sagte der Kopf giftig.
    »Sagen Sie, was Sie wollen«, brummte Sal und nickte. »Jim macht sich nichts daraus. Er weiß, an was er glaubt. Er glaubt, der Satellit sei würdelos. So wie hier oben alles gehandhabt wird, bums, bums, bums – mechanisch, ohne persönliche Fühlungnahme, keine Begegnung von Menschen auf menschlicher Basis. Sie betreiben eine seelenlose Fabrik. Ich habe nichts dagegen, und die meisten Leute haben nichts dagegen, weil es Zeit spart. Aber Jim hat etwas dagegen, weil er romantisch ist.«
    Zwei rechte Arme gestikulierten drohend zu Sal herüber, während der Kopf laut sagte: »Zum Teufel damit! Wir sind hier oben so romantisch, wie man es nur haben kann! Wir spielen Hintergrundmusik in jedem Raum – die Mädchen erfahren stets den Vornamen des Kunden, und sie müssen ihn so nennen und nicht anders! Wie romantisch kann man denn noch werden, verdammt noch mal! Was wollen Sie?« In einem höheren Ton brüllte er weiter: »Eine Hochzeitszeremonie vorher und eine Scheidungsprozedur hinterher, so daß es eine legale Ehe darstellt, ist es das? Oder wollen Sie, daß wir den Mädchen beibringen, Umstandskleider und Pumphosen zu nähen, und sie dafür bezahlen, daß wir ihre Knöchel sehen, und damit Schluß? Hören Sie zu, Sal.« Seine Stimme senkte sich um einen Ton, wurde drohend und tödlich. »Hören Sie zu, Sal Heim«, wiederholte er. »Wir kennen unser Geschäft: Mischen Sie sich nicht in unser Geschäft, und wir werden uns nicht in das Ihre mischen. Beginnend mit dem heutigen Abend werden unsere Fernsehansager in jeder Sendung zur Erde einen Reklame-Hinweis für Schwarz einfügen, direkt in der Mitte des großartigen Meister-d’oevres – Sie wissen schon, wo die Mädchen … nun, Sie wissen, was ich meine. Ja, ich meine diesen Teil. Und wir werden eine Kampagne daraus machen, das Publikum wirklich gewinnen. Wir werden Bill Schwarz’ Wiederwahl sicherstellen.« Er fügte hinzu: »Und wir werden die gründliche, totale Niederlage dieses farbigen Mackers sicherstellen.«
    Sal sagte nichts.

Weitere Kostenlose Bücher