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Das Rad der Zeit 12. Das Original: Sturm der Finsternis (German Edition)

Das Rad der Zeit 12. Das Original: Sturm der Finsternis (German Edition)

Titel: Das Rad der Zeit 12. Das Original: Sturm der Finsternis (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robert Jordan , Brandon Sanderson
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mir die Vorstellung nicht gefällt, teilen zu sollen.«
    Aviendha zögerte, dann tauchte sie den Finger wieder in den Eimer. »Mir auch nicht.« Zumindest gefiel ihr die Vorstellung nicht, mit einer Frau teilen zu müssen, die sie nicht gut kannte.
    »Also was tun wir?«
    »Weitermachen wie bisher«, meinte Aviendha. »Du hast, was du willst, und ich bin mit anderen Dingen beschäftigt. Wenn sich etwas ändert, sage ich dir Bescheid.«
    »Das ist … aufrichtig von dir.« Min sah verwirrt aus. »Du bist mit anderen Dingen beschäftigt? So wie Finger in Wassereimer zu tauchen?«
    Wieder errötete Aviendha. »Ja«, fauchte sie. »Genau das. Du entschuldigst mich.« Sie stand auf und ging los, ließ die Eimer stehen. Ihr war klar, dass sie die Beherrschung nicht hätte verlieren dürfen, aber sie konnte es nicht ändern. Min, die immer wieder ihre Strafe zur Sprache brachte. Ihre Unfähigkeit zu begreifen, was die Weisen Frauen eigentlich von ihr wollten. Rand al’Thor, der sich ständig in Gefahr brachte, und sie konnte nicht einmal einen Finger rühren, um ihm zu helfen.
    Sie ertrug es einfach nicht länger. Sie überquerte den Rasen und ballte dabei ständig die Fäuste, hielt Abstand zu Rand. So wie dieser Tag verlief, würde er ihre verschrumpelten Finger bemerken und sie fragen, warum sie sie eingeweicht hatte! Wenn er dann entdeckte, dass die Weisen Frauen sie bestraften, tat er vermutlich etwas Übereiltes und machte sich zum Narren. Männer waren so, und Rand al’Thor erst recht.
    Aviendha stolzierte über den frühlingshaften Boden. Der braune Untergrund wies rechteckige Abdrücke auf, wo Zelte gestanden hatten. Sie bahnte sich einen Weg vorbei an den Feuchtländern, die in alle Richtungen eilten, und passierte eine Reihe Soldaten, die sich Kornsäcke zuwarfen und damit einen Wagen beluden, an den zwei Zugpferde mit dicken Hufen angeschirrt waren.
    Sie blieb in Bewegung und gab sich alle Mühe, nicht zu platzen. Tatsächlich konnte sie das Gefühl nicht loswerden, gleich etwas »Übereiltes« zu tun, sich wie Rand al’Thor zu benehmen. Warum? Warum konnte sie nicht ergründen, was sie falsch machte? Die anderen Aiel im Lager schienen genauso unwissend zu sein wie sie, obwohl sie natürlich keiner darauf angesprochen hatte. Sie erinnerte sich daran, als Tochter ähnliche Bestrafungen gesehen zu haben, und sie hatte sich nie in die Angelegenheiten der Weisen Frauen eingemischt.
    Sie ging um den Wagen herum und entdeckte, dass sie wieder auf Rand al’Thor zuhielt. Er sprach mit drei von Davram Basheres Quartiermeistern, die er um Haupteslänge überragte. Einer davon, ein Mann mit langem, schwarzen Schnurrbart, zeigte auf die Pferdeseile und sagte etwas. Rand sah Aviendha und hob die Hand, aber sie drehte sich auf dem Absatz um und ging auf das Aiel-Lager an der Nordseite des Rasens zu.
    Vergeblich versuchte sie ihren Zorn zu zügeln. Hatte sie denn kein Recht auf ihre Wut, auch wenn sie sie nur gegen sich selbst richtete? Die Welt stand kurz vor dem Untergang, und sie verbrachte ihre Tage damit, bestraft zu werden! Voraus entdeckte sie eine kleine Gruppe von Weisen Frauen – Amys, Bair und Melaine –, die neben einem Stapel aus zusammengelegten braunen Zelten standen. Die eng zusammengebundenen Bündel waren mit Riemen versehen, damit man sie sich auf den Rücken schnallen konnte.
    Eigentlich hätte Aviendha zu ihren Eimern zurückkehren und ihre Bemühungen verdoppeln sollen. Aber das tat sie nicht. Vor Wut schäumend hielt sie auf die Weisen Frauen zu, wie ein Kind, das eine Narshkatze mit einem Stock angreift.
    »Aviendha?«, fragte Bair. »Hast du deine Strafe bereits erledigt?«
    »Nein, das habe ich nicht«, erwiderte Aviendha, blieb vor den Frauen stehen und stemmte die Fäuste in die Hüften. Der Wind zerrte an ihrer Bluse, aber sie ließ sie flattern. Umhereilende Arbeiter – Aiel und Saldaeaner – machten einen großen Bogen um die Gruppe.
    »Nun?«, sagte Bair.
    »Du lernst nicht schnell genug«, fügte Amys hinzu und schüttelte den weißhaarigen Kopf.
    »Ich lerne nicht schnell genug?«, wiederholte Aviendha. »Ich habe alles gelernt, was ihr mir aufgetragen habt! Ich habe jede Lektion gelernt, jede Tatsache wiederholt, jede Pflicht erfüllt! Ich habe alle eure Fragen beantwortet, und ich habe gesehen, dass ihr bei jeder Antwort zustimmend genickt habt!«
    Sie starrte jede von ihnen an, bevor sie fortfuhr. »Ich lenke die Macht besser als jede Aiel-Frau. Ich habe die Speere aufgegeben,

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