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Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition)

Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition)

Titel: Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Götz Justus
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Karatschi?“
    William wurde blaß. Sie hatten bewußt ihr Trinkwasser von einem Abfüller ab Lager bezogen, der außerhalb Karatschis über kein Vertriebsnetz verfügte. Dies war eine Vorsichtsmaßnahme, weil vor Ort großer Trinkwasserverbrauch aufgefallen wäre. Wieso, zum Teufel, kam Kustow auf diesen Betrieb zu sprechen? Woher wußte er das überhaupt? William erkannte, hier bahnte sich Übles an! Er beschloß, in die Offensive zu gehen. „Das stimmt schon, sagt aber wenig aus. Es gibt etliche Abfüller in Karatschi; einige vertreiben ihr Wasser sicherlich auch außerhalb der Sindh-Provinz.“
    Kustow schien mit einer solchen Antwort gerechnet zu haben, denn er verschwendete keine Sekunde daran, sich mit dieser Thematik weiter zu beschäftigen. „Hattet ihr im Berg auch Wurfanker und Kletterseile?“
    William spürte, daß sein Spielraum zunehmend eingegrenzt wurde. Der Schweiß rann ihm den Nacken hinunter, zeichnete auf dem Kragen seines blauen Hemdes einen stetig größer werdenden dunklen Kranz. „Sicherlich hatten wir auch Wurfanker an Kletterseilen. Das gehörte zur Havarieausrüstung.“
    Kustow machte einen Schritt auf ihn zu. Seine Stimme war nun reduziert auf ein akzentuiertes, zischelndes Flüstern, in dem Gänsehaut auslösende Verachtung mitschwang. „Und wie steht es mit Atropinspritzen? Hattet ihr Atropinspritzen im Berg?“
    William brauchte Zeit, die Tragweite dieser Frage zu begreifen. Er erkannte schlagartig, daß von diesem Augenblick an es schwierig sein würde, Kustow plausible Erklärungen zu geben. Woher wußte Kustow von den Atropinspritzen? Nie hatte er sich um Details gekümmert. Alles, was Produktion und Logistik anging, war seine, Williams, Aufgabe. Woher, zum Teufel, hatte Kustow diese Kenntnisse? Was lief da ab? Wer wollte ihm mit diesen Hinweisen an den Kragen? Vor allem aber: Wie sind diese zu Kustow gelangt? William fühlte sich wie ein des Schwimmens unkundiger Schiffbrüchiger, für den es keine Schwimmweste gab. Notgedrungen blieb er an Bord, um sein Leben – den sicheren Tod vor Augen – um einige lausige Augenblicke zu verlängern. Noch konnte er sich an die Reling klammern, jeden Moment würde das Schiff kentern, ihn in die Tiefe reißen. Warum tat er sich das an, warum sprang er nicht gleich ins Wasser? Das Ende war ihm doch so oder so gewiß! Jede Sekunde der Lebensverlängerung war eine sich endlos dehnende Sekunde zusätzlicher Qual! Dennoch kämpfte er verbissen diesen aussichtslosen Kampf, klammerte er sich verzweifelt an die Reling. Er verstand sich selbst nicht mehr.
    „Nun, gab es Atropinspritzen im Berg?“
    William schreckte auf. Seine Stimme klang glasig. „Sicherlich gab es die; auch sie gehörten zur Havarie-Ausrüstung.“
    Kustow ließ nicht locker. „Dann erkläre mir, wieso diese Dinge mir plötzlich angeboten werden, als Beweismittel, daß man wisse, was sich dort im Berg zugetragen hat!“
    William griff sich erneut an den Hals. Er lockerte den Knoten seiner Krawatte, um freier atmen zu können. Die Temperatur des moderat klimatisierten Raumes schien ihm plötzlich unerträglich. Fassungslos starrte er den Russen an. „Wer hat dir das angeboten?“
    Kustow tat, als sei dies nebensächlich, kaum der Rede wert. Er wußte um die Wirkung. „Nun, es war dein spezieller Freund, dieser Amerikaner. Wie heißt er doch gleich?“
    „Etwa Bassett?“ William war zu Tode erschrocken, als er diesen Namen eher mechanisch denn überlegt von sich gab. ‚Der Amerikaner? Den sollten doch längst die Mudschahidin massakriert haben! Wie ist dieser verfluchte Yankee an diese Dinge gekommen? Und was bezweckt er mit diesem Spiel? Will er mich aus dem Weg räumen? Eventuell gar meinen Platz einnehmen?‘ William konnte einen tiefen Seufzer nicht unterdrücken. „Du meinst tatsächlich Bassett? Boris, was will der von dir?“
    Die gezischelte Antwort ließ den Briten erneut zusammenfahren. „Mit mir ins Geschäft kommen.“
    Also doch! Dieser widerliche Kojote trachtete nach neuen Pfründen, ausgerechnet seinen Pfründen! „Und – kommt er mit dir ins Geschäft?“ Williams Mine verriet schiere Not. Für ihn bestand kein Zweifel, daß seine Überlebenschance nur marginal, eher gleich Null war, böte seine weitere Mitwirkung an dem Projekt aus Sicht der Organisation keinen Vorteil. Sollte der Amerikaner tatsächlich zum Zuge kommen, wären seine Tage gezählt!
    Kustow beobachtete mit unterkühlter Distanz, wie der sonst so überlegen auftretende Brite zusehends

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