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Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition)

Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition)

Titel: Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Götz Justus
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Zeitaufwand ... Wir gehen jetzt in den nächsten Raum. Es ist der letzte vor dem Büro. In zwei, höchstens drei Minuten haben wir das Schwein.“
    Unzweifelhaft, das war die Stimme von Anis Rana, einem der härtesten und erfahrensten Kämpfer ihrer Truppe. Wieder keimte in William Hoffnung auf. Im Hintergrund der Aufzeichnung hörte man geflüsterte Anweisungen. Kurzes Hantieren, dann zeitgleich das Bersten einer eingetretenen Tür, das Schreien angreifender Kämpfer. Dann herrschte Stille am anderen Ende der Funkstrecke. Vier, fünf Sekunden. Plötzlich ertönte die Stimme Kustows, sichtlich beunruhigt, in der Tonlage höher als gewöhnlich: „Hallo, Rana! Was ist los? Melden Sie sich!“ Aus dem Lautsprecher drang Rauschen, nichts als erbärmliches Rauschen. Es versinnbildlichte die Unumkehrbarkeit der Ereignisse im fernen Pakistan. „Rana, melden! Verdammt, melden Sie sich!“ Kustows Stimme überschlug sich. Die Leitung blieb tot.
    Kustows schaltete das Gerät aus. Sein verächtlicher und gleichermaßen wütender Blick traf William wie ein Geschoß. „Willst du nicht wissen, was aus ihnen geworden ist?“ William wagte nicht, diese Frage zu stellen. Ihm war klar, die Antwort brächte ihn ein weiteres Stück dem Abgrund näher. Kustow wurde ungeduldig. „Hast du einen Schußwechsel gehört?“ William schüttelte den Kopf. „Und was sagt uns das?“ William versuchte angestrengt, die Schlußfolgerung zu ziehen, doch zu geordnetem Denken war er nicht mehr fähig. Kustow beobachtete mit erkennbarer Abscheu die Hilflosigkeit des sonst so forschen Briten. „Du hast nicht nur die Übersicht verloren, sondern offensichtlich auch den Verstand. Früher wäre die Antwort eine Sache von Sekunden gewesen. Was sollen wir nur mit dir machen? Es gab keinen Schußwechsel! Und plötzlich ist die Leitung tot! Was sagt uns das? Sie sind in eine Sprengfalle getappt! Die ersten waren bewußt dilettantisch angelegt, um sie in Sicherheit zu wägen. Die letzte war es nicht! Nun – willst du nicht wenigstens wissen, was aus ihnen geworden ist?“
    Kustows Gesicht war gezeichnet von unbändiger Wut. Unverwandt starrte er den Briten an, doch der kauerte zusammengekrümmt in einem Winkel des plötzlich viel zu großen Sessels, unfähig, den Blick des Russen zu erwidern, zu furchtsam, die gewünschte Frage zu stellen. Kustow, sichtlich angewidert von diesem Häufchen Elend, das bis vor wenigen Tagen noch sein wichtigster Partner in diesem komplexen Geschäft war, verlor die Geduld. „Ich sag es dir. Fünf hat man gefunden, beziehungsweise das, was von ihnen übrig blieb. Von Anis Rana gibt es allerdings nur noch ein Fragment seines Handys. Er war als erster in das Büro gestürmt.“
    Eine Zeitlang herrschte Grabesstille. Kustow war inzwischen wieder an die Fensterfront zurückgekehrt. William schien für ihn nicht mehr existent. Das Schweigen des Russen zerrte an den Nerven. Schließlich faßte der Brite sich ein Herz. „Aber der Amerikaner war doch auch im Büro! Was ist mit dem?“ William klammerte sich verzweifelt an diesen letzten Rettungsanker. Vielleicht war der Amerikaner ebenfalls tot! Er kannte das Büro. Sie konnten höchstens fünf Meter voneinander entfernt gewesen sein! Das würde seine Probleme wenigstens ein wenig lindern.
    Kustow blickte ungerührt nach draußen. Nach einer Weile kam mit fast flüsternder Stimme die Antwort: „Nicht nur der Amerikaner! Bidram und Taheri waren ebenfalls dort.“
    William verlor nun endgültig die Fassung. Was wurde da gespielt? Hatte er die Sache nicht mehr im Griff gehabt, hatten ihn Bidram und Taheri hintergangen, mit dem Amerikaner gemeinsame Sache gemacht? Gleichzeitig keimte eine allerletzte Hoffnung in ihm auf, bestand doch die Möglichkeit, daß sie alle drei bei der Aktion ums Leben kamen! Das wäre aus seiner Sicht der Idealfall. Er mußte es in Erfahrung bringen! „Sag bloß – alle drei sind draufgegangen?“
    Kustow stand einen Augenblick noch unbeweglich, dann drehte er sich, wie in Zeitlupe, um. Sein Blick verdeutlichte dem Briten die Ausweglosigkeit seiner Lage. „Die Polizei fand keinen von ihnen. Auch keine Überreste. Sie müssen gewarnt worden sein. Ich frage mich, von wem. Weißt du es? Du solltest es eigentlich wissen!“ In dieser Frage lag etwas Lauerndes, ganz und gar nicht Einschätzbares. William wußte, daß er auf ganzer Linie verloren hatte. Kustow würde den Verdacht auf ihn lenken, den Mudschahidin den schmutzigen Part überlassen. Aus! Er

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