Der Geek-Atlas (German Edition)
funktionierenden Fernseher vor, den er als Televisor bezeichnete.
Das Gerät war plump, aber es funktionierte. Die Kamera bestand aus einer rotierenden Scheibe mit spiralförmigen Löchern. Licht
fiel durch die Scheibe und traf auf eine Photozelle. Der Widerstand der Photozelle änderte sich mit dem einfallenden Licht,
und die rotierende Spirale tastete das Bild vertikal Zeile für Zeile ab. Der variierende Strom der Photozelle konnte dann
per Telefon oder Radio übertragen werden.
Der Fernsehempfänger besaß eine ähnliche rotierende Scheibe, hinter der eine Lichtquelle platziert war. Die Intensität des
Lichts variierte mit dem eingehenden Fernsehsignal, d.h. die Intensität entsprach der Intensität des auf die Photozelle der
Kamera treffenden Lichts. Durch die Synchronisation der Rotation beider Scheiben wurde das Bild gleichzeitig abgetastet und
projiziert, sodass ein Bild auf der kleinen Mattscheibe des Empfängers erschien.
Bei Bairds erster Demonstration wurde das Bild des Kopfes einer Bauchrednerpuppe in den nächsten Raum übertragen. Die Kamera
tastete 12,5 Bilder pro Sekunde mit gerade mal 16 Zeilen ab und das Bild war blass und verschwommen – doch zum ersten Mal
konnte ein bewegtes Bild live übertragen werden.
John Logie Baird wird im Allgemeinen dafür gewürdigt, das erste nutzbare Fernsehsystem präsentiert zu haben. Außerdem ist
sein Name eng mit den frühen Fernsehübertragungen der BBC verknüpft. Doch das mechanische Fernsehen war kein großer Erfolg,
da die Bildqualität schlecht war. Es wurde schrittweise durch elektronische Fernsehsysteme verdrängt, die von Kálmán Tihanyi,
Vladimir Zworykin und Philo Farnsworth entwickelt worden waren.
Dennoch hat sich das zugrundeliegende Prinzip, bei dem ein Bild zeilenweise abgetastet und dann auf dieselbe Weise wieder
zusammengesetzt wird, bis zum heutigen Tag nicht verändert.
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Kapitel 116. NASA Glenn Research Center, Cleveland, OH
41° 24′ 46.24″ N, 81° 51′ 44.63″ W
Die unbekannte NASA
Wenn man an die NASA denkt, kommt einem wohl nicht zuerst Cleveland in Ohio in den Sinn. In der Regel assoziiert man die NASA
mit Cape Canaveral oder Houston in Texas, und in der Tat werden am Glenn Research Center in Cleveland weder Raketen in den
Weltraum geschossen noch findet hier die Kommunikation zwischen einer Bodenkontrolle und Astronauten statt. Doch ein Großteil
der Grundlagenforschung und der Tests zur Entwicklung von Weltraumtechnologie werden an diesem Ort durchgeführt. Das Center
ist öffentlich zugänglich.
Es gibt ein Besucherzentrum, das sich für Kinder besonders gut eignet und in dem die Arbeit des Forschungszentrums erläutert
wird. Eine spezielle Ausstellung ehrt John Glenn (den ersten Amerikaner in einer Erdumlaufbahn). Er ist in seinem Mercury-Raumanzug
aus dem Jahr 1962 abgebildet sowie in dem orangefarbenen Space Shuttle-Anzug, den er trug, als er im Alter von 77 Jahren in
den Weltraum zurückkehrte.
Im Besucherzentrum sind das Apollo-Kommandomodul, das 1973 die Skylab 3-Mission besuchte, und Mondgestein, das von Apollo-Astronauten
mitgebracht wurde, ausgestellt. Das Trainingsmodul der unglückseligen Space Shuttle Columbia-Mission STS-107 kann hier ebenfalls
besichtigt werden.
Des Weiteren gibt einen schönen Flugsimulator, in dem Sie alle möglichen Arten von Flugzeugen (vom Propellerflugzeug bis zum
kommerziellen Jet) steuern können. Andere Ausstellungen sind dem Sonnensystem und den NASA-Fahrzeugen, die dieses erkunden,
gewidmet. Hier finden Sie beispielsweise ein maßstabsgerechtes Modell des Mars-Pathfinder-Rovers Sojourner.
All dies ist kostenlos und an 7 Tagen der Woche zugänglich.
Den besten Einblick in das Forschungszentrum erhalten Sie, wenn Sie an einer Führung teilnehmen. Diese werden von April bis
Oktober jeweils am ersten Sonntag des Monats angeboten. Wie genau die Führung aussieht hängt davon ab, welche Teile des Zentrums
jeweils zugänglich sind. Ein entsprechender Plan wird auf der Website des Centers veröffentlicht. Die Führung muss rechtzeitig
im Voraus gebucht werden.
Im Forschungszentrum bekommen Besucher die Fertigungsabteilung zu sehen, in der Raketen zusammengebaut werden. Momentan werden
hier Teile der neuen Ares-Rakete, die das Space Shuttle ersetzen wird, hergestellt.
Unter Umständen können Besucher sich auch die Zero Gravity Research Facility (eigentlich nur ein großes Loch im Boden) anschauen.
Hier werden Geräte
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