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Der Name der Finsternis: Roman (German Edition)

Der Name der Finsternis: Roman (German Edition)

Titel: Der Name der Finsternis: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Franz Binder
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so herrschte der „Stellvertreter des Mahaguru und des Präsidenten“ künftig über ganze Staaten und Länder und gebot über eine
    straff strukturierte Hierarchie von Helfern. Im Konferenzraum des Hauptquartiers wurde eine wandgroße Weltkarte angebracht, auf der die hundert
    Liga-Territorien markiert waren. Bei einer Sitzung des inneren Rates präsentierte Panetta die neue Führungsriege des Hauptquartiers, dynamische,
    energiegeladene, zu allem entschlossene Männer und Frauen, die für den Mahaguru und die Liga in den Tod gehen würden. Mir wurde Angst, als ich diese „neuen
    Liga-Menschen“ vor mir sah, als ich ihre bedingungslose Hingabe an den Mahaguru spürte und den Willen, die Lehre der Liga mit allen Mitteln über die Welt
    zu verbreiten. Sie waren ausnahmslos Angehörige der Elitegruppe der Liga, die Panetta begründet hatte, die zwar keinen Namen besaß und offiziell gar nicht
    existierte, aber als Mythos in den Köpfen aller Atmas spukte. Nur ein kleiner Vermerk, ein Codebuchstabe in den persönlichen Daten eines Atma, die im
    Computer des Hauptquartiers gespeichert waren, kennzeichnete ein Mitglied des geheimen, handverlesenen Bundes und öffnete den Aufstieg in die höheren Ränge
    der Organisation.
    „Übermenschen,“ sagte Ted, „die neue Herrenrasse. Mein Gott, Walt, wir müssen etwas tun, bevor es zu spät ist. Ich glaube, wir haben unser Experiment
    unterschätzt. Es verselbstständigt sich. Die Reagenzgläser brodeln über. Ein Monster wächst heran. Es ist nicht mehr lustig. Es wird gefährlich.“
    Ich zuckte nur die Achseln und sehnte mich nach meiner Jacht, auf der ich die Liga, den Mahaguru und die ganze Welt vergessen konnte.
    Aber es gab kein Entkommen mehr. Auf einem Segeltörn durch die Bahamas erreichte mich Ted am Telefon.
    „Verschone mich mit Liga-Nachrichten,“ empfing ich ihn. „Setz dich lieber ins Flugzeug und komm her. Wir haben gerade eine Lieferung frischer Langusten an
    Bord genommen.“
    „Sorry, dass ich dich in deinem Schlaraffenland stören muss, mein Lieber, aber irgendwie betrifft diese Sache dich persönlich. Fred wurde ermordet.“
    „Fred? Meinst du Ediths Mann?“
    „Eben den. Fred Wolff. Der Lirep des deutschsprachigen Raumes, einer der wichtigsten Kernprovinzen auf der Karte der Liga-Weltherrschaft. Einen Lirep
    angreifen, heißt den Mahaguru angreifen…“
    „Ermordet sagst du?“
    „Nachdem, wie in allen Büchern nachzulesen ist, Jason es vorgezogen hat, friedlich im Kreise seiner engsten Getreuen unter Absonderung letzter Worte
    höchster göttlicher Weisheit das Zeitliche zu segnen…“
    „Hör mit deinen zynischen Sprüchen auf!“
    „…haben wir in Fred endlich den ersten Liga-Märtyrer. Er wurde nach einem Vortrag in Berlin erstochen. Die Atmas munkeln von einem Anschlag des CIA im
    Auftrag einer ligafeindlichen jüdischen Geheimloge in Kooperation mit dem Vatikan und ähnlichen Quatsch. Der Täter ist flüchtig. Fred starb auf dem Weg ins
    Krankenhaus, natürlich nicht ohne seinen Geist in die Hände des Mahaguru zu befehlen. Du solltest die vom Hauptquartier lancierten Artikel und
    Pressemeldungen lesen.“
    „Und Edith?“
    „Edith ist ganz die abgeklärte Witwe, die durch die Lehren der Liga gelernt hat, dass Tod nur Illusion ist, dass ihr geliebter Fred in die Lichtwelten des
    Hju aufgestiegen ist. Sie hatte natürlich die entsprechende Vision. Mahaguru Jason persönlich hat ihn abgeholt. Er soll in seinem Lichtkörper übrigens
    blendend aussehen. Ein esoterisches Rührstück sondergleichen.“
    „Und Ben?“ Ich hatte seit Jahren nicht mehr an meinen Sohn gedacht. Diese Erkenntnis traf mich wie ein Stich mit glühender Nadel.
    „Dein Sohn ist den Idealen der Liga mit Herz und Seele ergeben. Einer von diesen Superatmas, wie wir sie neulich im Hauptquartier bewundern durften. Ein
    Kandidat für das Amt des Mahaguru. Bei den Beziehungen…“
    „Hör auf,“ schrie ich in den Hörer.
    „Ich habe dir bereits gesagt, dass ich das alles nicht mehr lustig finde, auch wenn ich mich darüber lustig mache,“ sagte Ted mit veränderter Stimme. „Wir
    müssen uns eingehend mit der Sache beschäftigen, wenn du genug hast von deinen Segeltörns. Irgendwann wird es auch in der Karibik Liga-Zentren geben. Einen
    Lirep gibt es schon, in Miami. Wohin willst du dann flüchten? Nach Nordkorea?“
    Ich schluckte und stotterte etwas.
    „Panetta hat Freds Tod und die Verschwörungsfantasien der Atmas geschickt ausgenutzt. Es gibt – unter

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