Der Name der Finsternis: Roman (German Edition)
Edith an diesem Tag begegnete, wusste ich, dass sie später alles tun
würde, um Ben zu verheimlichen, dass ich sein Vater war. Fred Wolff, der deutsche Lirep, würde meine Stelle einnehmen. Ben war für mich verloren.
Ich stürzte mich in Arbeit, um mich abzulenken. Es war eine schizophrene Situation. Einerseits war ich überzeugt, dass die Liga mein Leben zerstörte,
andererseits setzte ich mich mit ganzer Kraft dafür ein, ihre Organisation zu einem vollkommenen Werkzeug für die Vision Jasons zu machen.
Ted bereitete eine Vortragsreise Jasons durch die Vereinigten Staaten vor. Sie geriet zum perfekten Propagandafeldzug. Die Atmas in den ausgewählten
Städten taten alles, um sich der Ehre würdig zu erweisen, den Mahaguru empfangen zu dürfen. Ted begleitete Jason und Jane, organisierte Pressekonferenzen,
Rundfunkinterviews und Fernsehsendungen. Nach der Show bei King zeigten die Medien zunehmendes Interesse an diesem eigenartigen Mann, dessen Buch und
Organisation im Land für so viel Aufsehen sorgte. Natürlich rief dies auch die Gegner der Liga auf den Plan. Christliche Fundamentalisten demonstrierten
vor den Hallen, in denen Jason auftrat, doch er wusste diese Störungen geschickt für die Sache der Liga zu nutzen. Früher hatte Jason kaum beachtete
Vorträge gehalten, in schäbigen Hinterzimmern, öffentlichen Bildungseinrichtungen oder verquasteten okkulten Zirkeln. Nun sprach er in großen Sälen,
logierte in den besten Hotels, gewährte lokalen Liga-Führern oder prominenten Interessenten Audienzen, besuchte Fernsehstudios, gab Interviews. Die
Vortragsreise brachte eine Flut neuer Mitglieder, der Verkauf von
Welten der Wahrheit
schrieb Rekordzahlen.
Nach meiner Scheidung und der unglücklichen Affäre mit Diana, der eine weitere, ebenfalls nur kurzlebige mit einer anderen Autorin folgte, verlor ich die
Lust am Verlag meines Vaters. Die alte Garde der Mitarbeiter ging in den Ruhestand, Duke, der mir über sein Pensionsalter hinaus die Treue gehalten hatte,
starb an einem Herzinfarkt, die Erfolge, die Teds Impulse dem Verlag gebracht hatten, verebbten, ohne dass neue Ideen an ihre Stelle traten. Diesmal
zögerte ich nicht, als ein Medienkonzern mit einem lukrativen Angebot an mich herantrat. Der Aufschwung des Verlages in den letzten Jahren hatte seinen
Wert in die Höhe getrieben. Es war der ideale Zeitpunkt für einen Verkauf. Auch Ted riet mir jetzt, den Verlag abzustoßen. Die Verhandlungen verliefen
glatt und problemlos. Innerhalb kürzester Zeit waren die Verträge unterzeichnet. Ich verließ das Büro meines Vaters, ohne mich noch einmal umzusehen. An
der Stelle meines Herzens spürte ich einen hohlen Eisblock.
Das zweite Jahresseminar der Liga stand bevor. Die Vorbereitungen im Büro liefen auf Hochtouren. Zum Seminar war ein weiteres Hauptwerk von Jason
angekündigt: Das
Buch der Erleuchtung
, in dem er die Philosophie der uralten Adepten zusammenfassen und eine praktische Lebensanleitung für die
Atmas schaffen wollte, die Grundlage der weltweiten Verbreitung der Liga. Jason stellte das Buch zuerst dem inneren Kreis vor, der um zwei Mitglieder
zugenommen hatte.
Rob Garcia, ein Anwalt, der Ted in seiner wilden Zeit von Berkeley einigemale vor dem Gefängnis bewahrt und später den
Star
in Rechtsdingen
beraten hatte, war durch Ted gleich nach dem ersten Seminar zur Liga gestoßen und hatte für uns das Konzept ausgearbeitet, das der Liga die Rechtsform
einer Kirche gab. Rob hatte Mitte der sechziger Jahre als frischgebackener Anwalt in einem heruntergekommenen Haus in Berkeley eine Kanzlei eröffnet,
gerade als die Welle des Aufbruchs die Studenten erfasste. Er machte die Sache der Gegenkultur zu seiner, verteidigte Deserteure, Kriegsdienstverweigerer,
Studentenführer und Bürgerrechtler und galt bald als Advokat der Revolution. Er inszenierte seine Prozesse zu medienwirksamen Spektakeln, ließ sich auf
Demonstrationen in vorderster Reihe filmen, forderte die Legalisierung aller Drogen, während er vor laufenden Kameras genüsslich einen Joint paffte und
wurde so im ganzen Land bekannt. Zugleich war er ein brillanter Anwalt, der manchen aussichtslos scheinenden Prozess umzudrehen vermochte und die Gabe
besaß, auch aus seinen Niederlagen Kapital zu schlagen, indem er sich und seine Mandanten als Willküropfer politischer Justiz darstellte.
„Ich will ihm nicht Unrecht tun,“ sagte Ted zu mir, „aber Rob hat damals einfach das Beste aus seiner Situation gemacht. Er
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