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Die Drachenreiter von Pern 05 - Der weiße Drache

Die Drachenreiter von Pern 05 - Der weiße Drache

Titel: Die Drachenreiter von Pern 05 - Der weiße Drache Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Anne McCaffrey
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Robinton eine Pause, um dann voller Wärme und Mitgefühl fortzufahren: »Kommen Sie, Lessa, diese Sache hat uns allen zugesetzt! Keiner von uns kann im Moment klar denken…« Er wischte sich mit der Hand über die Stirn, und das war keine Scheingeste. Es kostete Schweiß, die Stimmung von so vielen Leuten herumzuschwenken. »Die Gefühlswellen schlagen hoch. Und Sie stehen mitten in der Brandung, Lessa.« Er nahm die starre, widerstandslose Weyrherrin am Arm und führte sie an ihren Platz, wo er mit großer Fürsorge und Ehrerbietung ihren Stuhl zurechtrückte. »Ramoths Verzweiflung muß Sie halb um den Verstand gebracht haben. Sie ist jetzt wieder ruhiger, nicht wahr?«
    Lessas Mund klappte auf, und sie starrte Robinton groß an. Dann fuhr sie sich mit der Zunge über die Lippen und nickte.
    »Auch Sie werden das Gleichgewicht bald wiederfinden.« Robinton reichte ihr einen Becher Wein. Immer noch beeindruckt von seiner Fürsorge, begann sie daran zu nippen. »Und Sie werden zu der Einsicht kommen, daß es die schlimmste Katastrophe für unsere Welt wäre, wenn Drachen gegen Drachen kämpften.«
    Lessa setzte den Becher so hart ab, daß der Wein auf die Steinplatte des Tisches schwappte. »Sie…Sie mit Ihren klugen Worten…« Sie schnellte vom Stuhl wie eine Stahlfeder. »Sie…«
    »Er hat recht, Lessa«, sagte F’lar vom Eingang her. Er stand schon eine ganze Weile dort und beobachtete die Szene. Nun trat er an Lessas Tisch. »Wir wären in den Südkontinent eingedrungen, um nach dem verschwundenen Ei zu suchen – aber nur darum! Nun, da es wieder in der Brutstätte liegt, würde ganz Pern uns verdammen, wenn wir uns zu einem Racheakt hinreißen ließen.« Er sprach mit ihr, aber seine Blicke schweiften über die anderen Weyrführer und die Gildemeister, als versuchte er ihre Reaktion zu erforschen. »Wir, die Drachenreiter von Pern, stellen uns außerhalb der Gemeinschaft, falls wir nicht mit allen Kräften verhindern, daß unsere Drachen sich gegenseitig bekämpfen.«
    Er warf Lessa einen langen, strengen Blick zu, den sie starr und unversöhnlich erwiderte. Breitbeinig stand er da und betrachtete die anderen. »Ich bedaure aus tiefstem Herzen, daß wir damals auf Telgar keine andere Lösung für T’ron und T’kul fanden. Der Südkontinent erschien uns als Ausweg. Wir dachten, dort könnten sie Pern am wenigsten schaden…«
    »Sie wollen nicht Pern schaden, sondern nur Benden allein!« Lessas Stimme enthielt Bitterkeit. »T’ron und Mardra haben es wieder einmal auf uns beide abgesehen.«
    »Mardra sähe es sicher nicht gerne, wenn eine andere Königin sie entmachtete«, warf Brekke ein und blieb ruhig stehen, als Lessa zu ihr herumwirbelte.
    »Brekke hat recht, Lessa«, meinte F’lar und legte seiner Gefährtin betont lässig die Hand auf die Schulter. »Mardra würde die Konkurrenz scheuen.«
    Robinton konnte sehen, daß die Finger des Weyrführers an den Knöcheln weiß vor Anspannung waren, aber Lessa ließ sich nicht im geringsten anmerken, daß sein Griff ihr Schmerzen bereitete.
    »Das gleiche gilt für Merika, T’kuls Weyrherrin«, sagte D’ram, der Weyrführer von Ista. »Ich kenne sie gut genug.«
    Robinton empfand stärker als die anderen im Raum, daß für D’ram die Ereignisse besonders schmerzlich sein mußten. Er war ein aufrechter, loyaler Mann. Er hatte sich damals gezwungen gesehen, F’lar gegen die eigenen Zeitgenossen zu verteidigen. Durch sein Beispiel hatte er R’mart und G’narish, die übrigen Weyrführer aus der Vergangenheit, dazu bewogen, sich auf die Seite von Benden zu stellen. So viele unterschwellige Strömungen und Konflikte durchdrangen den Raum, dachte Robinton. Wer immer auf den Gedanken gekommen war, das Ei der Königin zu entführen, hatte zwar sein Ziel nicht erreicht – er hatte es aber geschafft, die Solidarität der Drachenreiter gründlich zu erschüttern.
    »Ich kann gar nicht zum Ausdruck bringen, wie schlimm ich das Ganze empfinde, Lessa«, fuhr D’ram kopfschüttelnd fort. »Als ich davon hörte, wollte ich es erst nicht glauben. Ich begreife einfach nicht, welchen Vorteil ihnen dieser Schritt bringen sollte. T’kul ist älter als ich. Sein Salth hätte es nie geschafft, eine Benden-Königin im Flug zu überwinden. Das gilt im übrigen für alle Drachen des Süd-Kontinents.«
    D’rams verwirrte Worte trugen ebenso wie zuvor Robintons Offenheit dazu bei, die Anspannung im Beratungsraum ein wenig zu entschärfen. Ohne es zu merken, hatte D’ram

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