Die Rache der Zwerge
gelohnt«, sagte der Blonde der beiden. »Ein fetter Segler mit reichlich Matrosen und Passagieren, die wir für den Meister arbeiten lassen können.«
»Endlich nicht mehr schuften«, lachte sein Freund und kratzte sich am Ohr, plötzlich hielt er die Spitze in der Hand. »Oh, verflucht. Das Harz ist weich geworden. Verdammte Hitze.«
Rodario hatte sich schon zuvor darüber gewundert, weswegen sich die Albae in der Sprache der Menschen unterhielten. Jetzt verstand er: Es waren Schauspieler. Die »Albae« waren verkleidete dünne Männer, und ihre ungewöhnliche Größe verschafften ihnen die Schuhe mit den hohen Sohlen. Auf den ersten Blick konnten sie damit einen einfachen Bauern oder Fischer täuschen, aber nicht ihn. »Schade, dass wir so viele Verletzte erstechen mussten«, sagte der Blonde und half dem anderen dabei, die Spitze wieder anzusetzen.
»Pflege hält nur auf.« Er lachte. »Und die Gefangenen freuen sich dafür über Gulasch.«
Rodario schielte über den Rand der ungesicherten Plattform.
Unter ihm breitete sich eine Werkstatt über zweihundert Schritt auf vielen verschiedenen Stockwerken aus. An manchen Stellen waren natürliche Ausbuchtungen des Berges als Schmiede genutzt worden, dann wieder hatte man Platten wie diese, auf der er lag, zu größeren Flächen zusammengesetzt und sie mit Streben im Gestein verankert, auf denen geschmiedet wurde.
Die Menschen, die angekettet ihre Arbeit verrichteten, schufen unterschiedliche Bleche, Räder, Eisenstangen, seltsam geformte Stücke und vieles mehr. Ein jeder hatte einige wenige, immer wieder gleiche Handgriffe zu erledigen. Die fertigen Teile warfen sie in Gitterboxen, die mit steter Geschwindigkeit an einer Kette befestigt hoch und runter fuhren.
Am Boden der Werkstatt wurden die Teile von Gefangenen ausgeladen und hinausgetragen. Hier befanden sich auch verschiedene, mitunter hausgroße Maschinen, an denen sich Unmengen von Schwungrädern und Zahnkränzen bewegten; Bänder und Ketten, die über die Räder liefen, spannten sich und führten zu weiteren Vorrichtungen, die sie wiederum antrieben. Vereinzelt liefen Ketten durch Mauerdurchbrüche in benachbarte Kammern.
Zischend stießen die Maschinen Qualmwolken aus, Menschen liefen um sie herum, legten Kohle nach oder gössen Wasser in die Behältnisse der Druckkessel. Der Krach musste in unmittelbarer Nähe kaum auszuhalten sein.
Rodario verstand nicht, was hier vor sich ging. Aber mit den Albae hatte diese Insel nichts zu tun. Die Einwohner Weyurns sollten das nur glauben, sich fern halten und nicht darüber sprechen. Einen besseren Schutz vor Entdeckung gab es nicht.
Schritte stapften die Treppe hinauf. »He, ihr da! Ihr sollt Wache halten und nicht an euren Ohren herumfummeln, ja?«, polterte eine ihm bekannte dunkle Stimme. Neben den Männern erschien ein dunkelhaariger Zwerg mit Lederhose, Stiefeln und Lederschürze. Der nackte, von Tätowierungen geschmückte Oberkörper glänzte von seinem Schweiß. Er trug einen Schmiedehammer mit solcher Lockerheit, als bestünde er aus Blech und Leichtholz.
Rodario glaubte, in ihm seinen Peiniger unter dem Wohnwagen wiederzuerkennen. Inzwischen ging er fest davon aus, dass der Lastkahn nicht an der Insel zerschellt, sondern darin verschwunden war. Die Insel war danach untergetaucht und hatte Rodarios Nussschale durch die Wellen zum Kentern gebracht. »Es liegt an der Hitze, Meister Bandilor«, verteidigte sich der Gescholtene. »Dadurch wird das Harz weich.« »Dann näh sie dir eben fest«, brummte der Zwerg. »Ich will nicht noch einmal sehen müssen, wie ihr euch befingert, ja? Wenn das einer der Gefangenen bemerkt, ist es mit der Maskerade vorbei.« Er wandte den Kopf, und Rodario sah den dichten, blutrot gefärbten Bart. »Hat einer von euch das Schott offen stehen lassen?« »Nein«, wehrte der Blonde sofort ab. »Ich habe keine Lust zu verglühen.«
Bandilors Augenbrauen zogen sich zusammen. »Ist Meisterin Veltaga vielleicht an euch vorbeigekommen, um Kammer zwei zu überprüfen?« Er ging an ihnen vorbei, den Hammer hielt er schräg vor sich. »Nein, Meister Bandilor. Niemand.«
Rodario gewann aus dem, was er gesehen und gehört hatte, die Erkenntnis, dass er einen geheimen Stützpunkt der Dritten ausfindig gemacht hatte. Niemand käme auf den Gedanken, dass sich Zwerge freiwillig auf eine Insel begaben und auf den Grund des weyurnschen Sees hinabtauchten. Ihren Gefangenen wurde eine Flucht unmöglich gemacht.
Zu seinem Entsetzen stapfte Bandilor die
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