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Die Sommerfrauen: Roman (German Edition)

Die Sommerfrauen: Roman (German Edition)

Titel: Die Sommerfrauen: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Mary Kay Andrews
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werd’s den anderen sagen. Wir werden uns von dir fernhalten, wenn du das so willst.«
    Schweigend gingen sie weiter. Als sie Ebbtide erreichten, stand Ellis auf der Veranda und fegte Sand beiseite.
    »Was ist passiert?«, fragte sie, als sie die humpelnde, blutende Madison erblickte.
    »Ich bin gefallen«, erklärte Madison.
    »Komm rein, ich hole den Erste-Hilfe-Koffer«, sagte Ellis.
    Dorie saß am Tisch und beendete gerade ihr Frühstück, als die beiden anderen Frauen eintraten. »Du lieber Himmel!«, rief sie.
    »Ich bin vom Fahrrad gefallen«, wiederholte Madison. »Ist nicht so schlimm.«
    Ellis befahl ihr, sich an den Tisch zu setzen, während sie vorsichtig den Sand aus der Wunde am Ellenbogen wusch, sie mit desinfizierender Salbe betupfte und schließlich verband. »Und dein Knöchel?«, fragte sie und berührte vorsichtig Madisons Fuß, der bereits angeschwollen war. »Meinst du, er ist verstaucht?«
    Madison zuckte zusammen. »Der ist nur verrenkt«, sagte sie, entschlossen, keinen weiteren Kontakt zuzulassen. »Das geht schon.«
    Dorie sprang auf, ging zum Kühlschrank und holte eine Handvoll Eiswürfel heraus. »Die kommen in einen Gefrierbeutel, und dann wird gekühlt, damit die Schwellung zurückgeht.« Sie schaute zu Ellis hinüber. »Hast du vielleicht auch Aspirin oder Ibuprofen in deinem Koffer?«
    Ellis holte zwei Tabletten aus einem Fläschchen und reichte sie Madison, die zwar die Augen verdrehte, sie aber dann doch ohne Wasser schluckte.
    Julia kam in die Küche. »Ich fahre mit dem Van zu deinem Fahrrad, lade es auf und bringe es in die Reparatur«, verkündete sie, Madisons Einwände übergehend. »Wahrscheinlich kannst du mit dem Fuß eh nicht groß laufen.«
    »Kann sie nicht«, bestätigte Ellis.
    »Ich hab nichts«, wiederholte Madison. »Ich geh jetzt hoch zu meinem Zimmer und wasche mir den ganzen Sand hier ab.«
    »Mit dem Knöchel solltest du besser nicht nach oben steigen«, riet ihr Ellis, doch Madison griff zum Eisbeutel, tat so, als würde sie nichts hören, und ging aus dem Zimmer, die Treppe hoch.
    »Herrje!«, rief Ellis und sah ihr nach. »Was hast du ihr bloß getan, Julia?«
    »Nichts! Ich war auf dem Rückweg nach Hause, und sie saß vor mir auf dem Fahrrad, da bin ich zu ihr gelaufen und hab ›Hi!‹ gesagt, und sie flippte aus und fiel hin«, erklärte Julia. »Ich hab mich entschuldigt, ich hab ihr angeboten, die Reparatur zu bezahlen, ich war total zerknirscht, aber sie tut so, als hätte ich es mit Absicht getan.«
    »Sie ist dermaßen empfindlich«, sagte Ellis kopfschüttelnd. »Ich begreife es einfach nicht.«
    »Ich hab sie sogar gefragt, was wir ihr getan hätten.«
    »Und, was meinte sie?«, wollte Dorie wissen.
    »Im Grunde genommen hat sie gesagt, dass sie nicht in unserem Sandkasten spielen will«, erklärte Julia und lachte unbehaglich. »Ich sag dir, Ellis, mit der Frau stimmt etwas nicht. Und ich werde herausfinden, was es ist.«
    »Julia«, sagte Ellis mit leicht warnendem Unterton. »Lass sie in Ruhe! Du bist nicht Miss Marple.«
    »Meinst du«, entgegnete Julia. »Dorie, ich nehme jetzt deinen Van, hole ihr kostbares Fahrrad ab und bringe es zur Reparatur. Bin gleich wieder da!«

    Julia fuhr mit dem Minivan auf den Seitenstreifen, direkt neben Madisons kaputtes Rad. Es war jetzt fast Mittag, und die Sonne brannte sengend heiß vom Himmel. Julias Laufschuhe versanken in dem weichen Sand, ein Schweißtropfen rann ihr über die Wange. Genervt zog sie ihr Top über den Kopf und warf es in den Wagen. Lediglich bekleidet mit ihren orangen Laufshorts und einem grellrosa Sport-BH, beugte sie sich vor und packte den Lenker des Fahrrades mit einer Hand und das Hinterrad mit der anderen. Als sie es in den Van laden wollte, hörte sie einen sanften Plumps. Ein Handy war aus dem violett-schwarzen Becherhalter gefallen, der am Lenkrad befestigt war.
    Julia wusste sofort, wem das Handy gehörte. Die wenigen Male, als Madison sich dazu herabgelassen hatte, die anderen mit ihrer Gegenwart zu beehren, hatte sie das Mobiltelefon nicht aus der Hand gelegt. Julia hatte sie noch nie ohne das Ding gesehen.
    Sie hob es auf, und in dem Moment erscholl eine Autohupe, begleitet von bewundernden Pfiffen. Ein verbeulter alter Landcruiser hielt neben Julia, darin quetschten sich sonnengebräunte Collegestudenten mit nacktem Oberkörper. »Hey, Süße!«, rief der Fahrer. »Brauchst du Hilfe?«
    Sie warf ihnen ein Lächeln zu, das Booker immer ihr ›Dollarlächeln‹ nannte. Sie

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