Die Sommerfrauen: Roman (German Edition)
gesagt: ›Hi, Mama, ich komme jetzt nicht mehr mit Dorie, sondern mit diesem netten Herrn hier‹? Deshalb will ich genau wissen: Habt ihr in deinem ehemaligen Kinderzimmer geschlafen? Wo die Star-Wars-Tagesdecke auf dem Bett liegt und die ganzen Fußballpokale herumstehen? In demselben Bett, in dem wir geschlafen haben?«
»Leck mich, Dorie«, sagte Stephen. »Ich lege jetzt auf.«
So hatte er noch nie mit ihr gesprochen. Andererseits hatte Dorie auch noch nie so mit Stephen geredet. »Wag es nicht, aufzulegen!«, ihre Stimme bebte. »Du wartest noch. Es gibt einen Grund, warum ich dich heute angerufen habe. Ich bin froh, dass ich es getan habe, denn anscheinend haben wir beide so unsere Geheimnisse voreinander.«
»Was? Ich muss jetzt los, Dorie. Ich habe keine Zeit für deinen Scheiß.«
Sie zögerte, spürte, wie die Galle in ihr hochstieg. So hatte sie diese Nachricht nicht überbringen wollen. Nicht auf diese Weise. Die Neuigkeit vom Baby sollte nicht den Höhepunkt eines bedauerlichen Wutausbruchs darstellen. Doch jetzt war die Zahnpaste schon aus der Tube, wie ihre Großmutter gesagt hätte. Es gab kein Zurück.
»Herzlichen Glückwunsch, Stephen«, sagte sie daher. »Du wirst Vater. Ich bin schwanger.«
»Was? Was hast du gerade gesagt?«
Unvermittelte Taubheit. Nicht gerade die Reaktion, die Dorie bei ihm erwartet hatte.
Sie holte tief Luft und betonte sorgfältig jede einzelne Silbe. Sie wollte sich nicht noch ein drittes Mal wiederholen: »Ich habe gesagt: Ich bin schwanger.«
Es gab eine lange Pause. Dorie konnte Stephen atmen hören, schnell und heftig. Vielleicht war er gerade vom Joggen zurück. Oder er bekam einen Herzinfarkt von der Nachricht.
»Stephen?«
»Ich bin noch dran … Du liebe Güte, Dorie! Ein Baby? Wann denn?«
»Im Februar. Ich bin jetzt fast im vierten Monat.«
»Wow! Mann. Ich weiß einfach nicht, was ich sagen soll, Dorie. Ich meine, du rufst mich an und schreist herum, weil ich dir das mit meinem Vater nicht erzählt habe, und dann teilst du mir ganz nebenbei mit, dass du schwanger bist?«
Dorie wollte lachen, doch es war nicht komisch. »Nicht ganz nebenbei. Seit Wochen überlege ich, wie ich es dir beibringen soll. Ich habe mir sogar zurechtgelegt, was ich sage. Hat irgendwie nicht ganz so geklappt, wie ich es mir vorgenommen habe. Tut mir leid, dass ich rumgeschrien habe. Und das mit Henry tut mir wirklich unglaublich leid. Dieser liebe, freundliche Mann … Es wäre schön gewesen, wenn er das mit dem Kind noch erfahren hätte.«
»Ein Kind«, wiederholte Stephen. »Und du bist schon im vierten Monat? Hättest du das nicht eher sagen können?«
»Nein«, entgegnete Dorie schlicht. »Ich habe es ungefähr zum selben Zeitpunkt erfahren, als wir hörten, dass dein Vater Krebs hat. Ich hatte Schuldgefühle, wollte nicht, dass du dir noch mehr Sorgen machst. Deshalb habe ich auf den richtigen Zeitpunkt gewartet, wenn du nicht so durcheinander wegen Henry sein würdest. Dann benahmst du dich plötzlich so sonderbar und warst so reserviert, und dann, na ja, dann kam der vierte Juli.«
»Aha.«
Dories Handflächen waren verschwitzt. Sie nahm das Telefon in die zitternde rechte Hand. »Und, was sagst du dazu?«
»Zum Baby? Keine Ahnung. Das muss ich erst mal sacken lassen. Wie siehst du das denn? Ich meine, über so was hatten wir schließlich nie gesprochen. Und auf einmal …«
»Ich bin glücklich«, sagte Dorie. »Trotz allem, was passiert ist, bin ich total glücklich und aufgeregt. Ich muss mich um so einiges kümmern, aber fürs Erste konzentriere ich mich auf das Kind in meinem Bauch. Und ich werde eine gute Mutter sein. Ich schwöre, ich werde nicht so werden wie Phyllis.«
»Du hast nichts mit deiner Mutter gemein. Aber werde ich auch ein Wörtchen mitreden dürfen?«, fragte Stephen.
»Wenn du willst«, erwiderte Dorie vorsichtig. »Aber ich denke, wir wissen beide, dass die Ehe kaputt ist.«
»Wirklich?«
Dorie schüttelte den Kopf. War er wirklich dermaßen begriffsstutzig?
»Natürlich«, sagte sie. »Da kannst du einen Haken dran machen. Wir sind durch.«
Stephens Atem wurde langsamer, Dorie fragte sich, ob er jetzt einen Schlaganfall bekam statt eines Herzinfarkts. »Ich liebe dich immer noch, weißt du.«
Sie legte die rechte Hand auf den Bauch und fragte sich, ob das Kind hören konnte, was er gerade gesagt hatte. »Wirklich?«
»Ja«, sagte er traurig. »Irgendwie scheiße, oder?«
»Und was ist mit Matt?«
Stephen seufzte. »Was
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