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Die Sommerfrauen: Roman (German Edition)

Die Sommerfrauen: Roman (German Edition)

Titel: Die Sommerfrauen: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Mary Kay Andrews
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bevorzugten Strandabschnitt aufgeschlagen, komplett mit Strandlaken, Stühlen und Kühltasche. Dann war sie Joggen gegangen. Eigentlich hasste Julia das Joggen, doch seit ihrer Ankunft in Nag’s Head hatte sie dermaßen viel gegessen und getrunken, dass sie ihren inneren Schweinehund schließlich doch überwunden hatte. Auch wenn sie Booker etwas anderes erzählt hatte: Wenn der Monat vorbei war, würde sie wieder arbeiten müssen. Und niemand würde sie als Model buchen, wenn sie zurückkam und wie eine Dampfnudel aussah. Sie hatte sogar auf ihre alte Gewohnheit zurückgegriffen: schwarzer Kaffee und ein hartgekochtes Ei ohne Eigelb zum Frühstück.
    Jetzt lief sie prustend über den Virginia Dare Trail und entdeckte plötzlich eine bekannte Gestalt, die gemächlich auf einem silbernen Fahrrad in die Pedalen trat. Julia lief schneller, bis sie die Radfahrerin einholte.
    »Hi, Madison!«, rief sie.
    Madison sah sich um und erschrak. Das Fahrrad scherte seitlich aus, die kühle Blondine flog übers Lenkrad. Sie landete rücklings in einem Büschel Strandgras.
    »Ach, du liebe Güte!«, rief Julia. Sie hockte sich neben die gefallene Frau. »Hast du dir wehgetan?«
    Sand klebte an Madisons nackten Armen und Beinen und auf ihrer rechten Wange. Aus einem Kratzer am Ellenbogen sickerte Blut.
    »Schon gut«, sagte sie und sah Julia finster an. »Du hast mich erschreckt.«
    »Tut mir leid«, sagte Julia und bot ihr die Hand, damit Madison sich hochziehen konnte. Sie wandte den Blick vom Blut ab, da ihr bei dem Anblick schnell schummrig wurde.
    Widerwillig ergriff Madison Julias Hand und zog sich hoch. Sie schaute auf das Rad, das mit Wucht auf dem Boden gelandet war. Im Vorderrad war eine Acht. »Mist«, murmelte sie.
    Madison griff nach dem Reifen, verzog das Gesicht und versuchte vergeblich, ihn geradezubiegen. Dann stellte sie das Rad hin und wollte es schieben, doch es eierte zu stark.
    »Tja, das ist im Eimer«, sagte Madison und ließ das Fahrrad wieder auf den Bürgersteig fallen.
    »Das tut mir wirklich leid.« Julia war betroffen von Madisons Wutausbruch. »Hör mal, ich hole Dories Wagen. Wir können das Rad einladen und zur Reparatur bringen. Ich habe einen Laden etwas weiter unten gesehen, bin eben dran vorbeigelaufen.«
    »Mir egal«, sagte Madison mit versteinertem Gesicht.
    Vorsichtig berührte Julia ihren Ellenbogen und schaute schnell wieder beiseite. »Du blutest. Komm, unser Haus ist nur eine Querstraße entfernt. Ellis hat einen Erste-Hilfe-Koffer. Wir machen dich sauber, danach holen wir das Fahrrad ab. So wie das aussieht, wird es schon keiner klauen.«
    Madison sah sich noch einmal nach dem Fahrrad um und seufzte. »Na, gut.«
    Julia war schweißgebadet. Ihre orangefarbene Nylonshorts und das weiße Tanktop klebten an ihrem gebräunten Körper. Das Haar wurde von einer weißen Kappe zurückgehalten. Sie schaute zu Madison hinüber, die in einer billigen schwarzen Caprihose, einem blassblauen T-Shirt und No-Name-Sneakers neben ihr humpelte.
    »Hast du dir den Knöchel verletzt?«, erkundigte sie sich voller Mitgefühl.
    »Kann sein, dass ich ihn mir verrenkt habe.« Madison verzog das Gesicht.
    »Das tut mir wirklich leid«, wiederholte Julia. »Ich bezahle die Reparatur vom Fahrrad.«
    »Brauchst du nicht«, fuhr Madison sie an. »Das ist doch eh Schrott. Keine große Sache.« Trotz ihres verletzten Knöchels humpelte sie schneller.
    Julia beschleunigte ebenfalls, bis sie die andere wieder eingeholt hatte. »Hab ich dir eigentlich irgendwas getan?«, fragte sie. »Haben die anderen, Dorie und Ellis, dich irgendwie geärgert?«
    »Nein«, sagte Madison. »Wie kommst du darauf?«
    Julia zuckte mit den Schultern. »Immer wenn wir dich sehen, immer wenn wir dich fragen, ob du nach unten kommen und mit uns essen willst oder ob du mit an den Strand kommen willst, tust du so, als würden wir dich vergiften wollen oder so. Dorie meint, du wärst bloß zurückhaltend, aber ich glaube, da steckt mehr dahinter. Vielleicht magst du uns schlicht und einfach nicht?«
    Madison ging weiter. »Ich habe nichts gegen euch, gegen keine. Ihr macht alle einen wirklich netten Eindruck. Es ist einfach … ich gehöre nicht dazu. Okay? Für mich ist das in Ordnung. Ich möchte mich nicht in eure kleine Gemeinschaft drängen oder eure beste Freundin werden. Ich will einfach nur für mein Zimmer zahlen, etwas essen und in Ruhe Fahrrad fahren, ja?«
    »Aha.« Julia war getroffen von Madisons Wutausbruch. »Schon gut. Ich

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