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Don Quixote

Don Quixote

Titel: Don Quixote Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Miguel de Cervantes Saavedra
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Flucht gerettet hat; und soviel Ruhm erwirbt der wackere Soldat, als er seinen Hauptleuten oder denen, die ihm zu befehlen haben, Gehorsam leistet. Bedenkt auch, mein Sohn, daß es dem Soldaten besser steht, nach Pulver als nach Parfums zu riechen, und daß, wenn Euch nun das Alter in diesem ehrenvollen Stande trifft, wenn Ihr auch voll Wunden, lahm und verstümmelt seid, es Euch wenigstens nicht ohne Ehre treffen kann, welche Euch auch die Armut selber nicht verringert, da man jetzt überdies Einrichtungen trifft, die alten und verstümmelten Soldaten zu versorgen, denn es ist nicht gut, daß man so mit ihnen verfahre, wie wohl viele tun, die ihre Negersklaven verabschieden und in Freiheit setzen. Wenn sie alt und nicht mehr dienstfähig sind, so jagen sie diese unter dem Titel der Freien aus dem Hause und machen sie zu Sklaven des Hungers, von dem sie dann nie, bis zu ihrem Tode, verabschiedet werden. Für jetzt will ich Euch nun nichts weiter sagen; setzt Euch nur hinten auf mein Pferd, bis zur Schenke, da sollt Ihr mit mir zu Abend essen, und morgen mögt Ihr Euren Weg fortsetzen, und Gott geleite Euch so glücklich, wie es Eure Vorsätze verdienen.«
    Der Page nahm die Einladung, hinten zu sitzen, nicht an, wohl aber die auf das Abendessen in der Schenke. Und Sancho sagte indessen zu sich selber: Gott im Himmel! Ist es möglich, daß ein Mann, der solche Dinge sagen kann, so viele und so treffliche Sachen, wie er jetzt gesprochen hat, daß derselbe behaupten kann, er habe die ganz unmöglichen Dummheiten gesehen, die er von der Höhle des Montesinos erzählt? Nu, nu, in Gottes Namen! Sie waren jetzt bei der Schenke angekommen, als es schon Abend wurde, und Sancho freute sich sehr, als er sah, daß sein Herr sie für eine ordentliche Schenke und nicht, wie gewöhnlich, für ein Kastell ansah. Sie waren kaum hineingetreten, als Don Quixote sogleich den Wirt nach dem Manne mit den Lanzen und Hellebarden fragte, welcher ihm antwortete, daß er im Stalle sei und seinen Maulesel einstelle. Das nämliche taten mit ihren Eseln der Vetter und Sancho, indem sie dem Rozinante die beste Krippe und den bequemsten Ort des Stalles überließen.

    8. [25.] KAPITEL Erklärt das Abenteuer vom Eselgeschrei, nebst
    dem lustigen vom Puppenspieler, zugleich mit den merkwürdigen Wahrsagungen des wahrsagenden Affen

    Der Boden brannte unter Don Quixote, wie man zu sagen pflegt, bis er die Wunderdinge gehört hatte und wußte, die ihm von dem Manne, der die Waffen führte, versprochen waren. Er suchte ihn da auf, wo der Wirt ihm gesagt hatte, daß er sich befinde; er traf ihn auch an und sagte zu ihm, er möchte ihm sogleich über alles Bescheid erteilen, was er ihn unterwegs gefragt habe. Der Mann antwortete: »Dazu müssen wir mehr Zeit haben; so stehenden Fußes kann ich Euch meine Wunderdinge nicht erzählen. Laßt mich nur, mein lieber guter Mann, mein Tier vollends abfüttern, so will ich Euch Dinge erzählen, die Euch in Erstaunen setzen werden.«
    »Es zu beschleunigen«, antwortete Don Quixote, »will ich Euch gern in allen Dingen helfen.« Dies tat er auch sogleich; er fegte die Gerste und reinigte die Krippe, welche Herablassung den Mann verpflichtete, ihm alles gern zu erzählen, was er nur verlangte. Er setzte sich also auf eine steinerne Bank und Don Quixote neben ihn, als Zuhörer und Senat umher der Vetter, der Page, Sancho Pansa und der Wirt, worauf der Mann auf folgende Weise anfing:
    »Wißt also, meine Herren, daß in einem Orte, welcher vier und eine halbe Meile von hier entfernt liegt, es sich zutrug, daß einem dortigen Richter durch die Bosheit und Schelmerei einer jungen Magd – was sehr weitläufig zu erzählen wäre – ein Esel verlorenging; und ob dieser Richter gleich allen Fleiß anwandte, ihn wiederzufinden, so war es doch unmöglich. Vierzehn Tage waren schon, wie das allgemeine Gerücht sagt, verflossen, seitdem der Esel fehlte, als der Richter, der den Verlust erlitten, auf dem Platze stand und ein anderer Richter des nämlichen Ortes zu ihm sagte: ›Was gebt Ihr mir, Gevatter? Ich habe Euren Esel gesehen.‹ – ›Ich will Euch ein ansehnliches Geschenk geben‹, antwortete der andere; ›aber sagt mir doch, wo hat er sich gezeigt?‹ – ›Auf dem Berge‹, antwortete der Finder, ›habe ich ihn diesen Morgen gesehen, ohne Sattel und Zeug und so vermagert, daß es ein Jammer war, ihn anzusehen. Ich wollte ihn vor mir hertreiben und ihn so zu Euch bringen, aber er ist schon so wild und unbändig,

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