Elben Drachen Schatten
Davon abgesehen bezweifelte Sandrilas auch, dass es so etwas wie einen Plan der Trorks überhaupt gab, denn nach allem, was man wusste, lebten diese Ungeheuer in unabhängig voneinander agierenden Stämmen und Horden. Es gab kein Königtum oder irgendeine andere staatliche Struktur, die in der Lage gewesen wäre, einen Angriffsplan dieser Größenordung zu schmieden und durchzuführen.
Allerdings wusste man zu wenig über dieses Volk und hatte auch zu selten Kontakt zu ihm, um die aktuelle Lage wirklich beurteilen zu können. Die Situation konnte sich sehr schnell ändern. Schließlich hatten sich auch die Rhagar sehr überraschend unter der Führung des Eisenfürsten Comrrm vereinigt und waren plötzlich zur Gefahr geworden, wie sich Keandir sehr gut erinnerte.
Es wurde übereingekommen, die beiden Herzogtümer bei der Errichtung von Grenzposten zu unterstützen.
Damit war die Debatte zunächst einmal beendet gewesen, und eigentlich hatte Magolas erwartet, dass sein Vater daraufhin auf die Vorbereitungen einer Suchexpedition zu sprechen kam, die das letztendliche Ziel verfolgte, die Elbensteine und die Zauberstäbe des Sehers wiederzubeschaffen. Aber das hatte er nicht getan.
»Hör zu, mein Sohn Magolas«, wandte sich der König nun an den Elbenprinzen. »Ich habe gesagt, dass ich aufbreche, sobald Lirandil zurück ist. Und dazu stehe ich. Es hat keinen Sinn, eine Suche zu beginnen, von der man nicht weiß, wohin sie führen soll. Die Hinweise, die wir haben, sind so vage, dass wir nur unsere Kraft verschwenden würden, während zurzeit andere Gefahren für das Elbenreich bestehen, die abgewendet werden müssen.«
Magolas sah den König beschwörend an. Seine Hände krampften sich dabei zu Fäusten zusammen. »Nehmt Verbindung mit Brass Elimbor auf!«, forderte er. »Oder sagt den Schamanen, dass sie es tun sollen, denn sonst wir bald ohnehin niemand mehr wissen, welche Funktion der Schamanenorden eigentlich hat, wenn er die Verbindung zu den Eldran nicht mehr herstellen kann! Ich bin überzeugt davon, dass Brass Elimbor uns helfen wird!«
»Ja, aber erwarte nicht zu viel von ihm. Die Hinweise, die er uns geben konnte, waren nicht sehr greifbar, wie du dich erinnern wirst.«
Magolas schüttelte unwillig den Kopf, dann brachte er ein weiteres Argument vor. »Was Lirandil betrifft, so wissen wir seit langem nicht, wo er sich befindet. Er durchstreift vermutlich die Länder der Rhagar, aber vielleicht ist er auch längst von einem Barbaren im Schlaf erschlagen worden, und Ihr wartet vergeblich auf ihn, Vater!«
»Es ist noch viel zu früh, um so etwas für wahrscheinlich zu halten, mein Sohn«, erwiderte Keandir. »Und ich möchte auf seine Dienste während einer solchen Expedition nicht verzichten.«
»Ihr müsst es vielleicht!«
Scharf musterte der König seinen Sohn. »Was ist das nur für eine unelbische Ungeduld, die von dir Besitz ergriffen hat, Magolas?«
»Nun«, erwiderte dieser ohne jeden Spott, »ich hoffe nicht, dass es Lethargie ist, die von Euch Besitz ergriffen hat, mein König!«
Beide Männer sahen sich einen Augenblick lang an. Magolas wünschte sich für einen Moment, dass er seine Worte hätte zurückholen können. Aber dann sagte er sich, dass er nur ausgesprochen hatte, was er im Innersten fühlte und befürchtete. »Vater«, sagte er in einem sehr viel sanfteren Tonfall. »Ich bin überzeugt davon, dass wir die Expedition jetzt ausrüsten müssen.«
»Noch bist du nicht der König, der das zu entscheiden hat«, gab Keandir auf eine Weise zurück, die Magolas durchaus deutlich machte, wie sehr den Vater die Worte des Sohnes getroffen hatten.
Magolas suchte seinen Bruder Andir auf. Er traf ihn in dessen Bibliothek an, wo er noch immer damit beschäftigt war, die Inhalte seiner Bücher in Kristalle zu speichern.
Vom Auftauchen des Axtkriegers und seiner Gnomenkrieger hatte dieser nichts bemerkt. Seine magischen Sinne schienen für dieses Ereignis vollkommen unempfänglich gewesen zu sein. Allerdings gab er an, in jener Nacht, als der Axtkrieger und seine Gnome in einer parallelen Sphäre Elbenhaven heimgesucht hatten, von Brass Elimbor geträumt zu haben, obwohl er dem ehemaligen Obersten Schamanen der Elben nie begegnet war.
»Ich sah ihn einen Tanz aufführen«, erzählte Andir. »Und obwohl er bereits vor meiner Geburt gestorben ist, wusste ich sofort, dass es Brass Elimbor war. Er sprang mit einem Schwert aus Feuer umher – und dieses Schwert veränderte seine Länge innerhalb
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