Elben Drachen Schatten
Volk der Sechs Finger ab. Bezüglich der Eiskreaturen wissen wir leider so gut wie nichts, aber ich könnte mir vorstellen, dass beide Völker schon zur Zeit von Xarors Dunklem Reich existierten und er vielleicht glaubt, sie erneut in seine Heerscharen einreihen zu können.«
»Was ihm mit den Trorks sogar schon gelungen war«, meinte Keandir. »Schließlich war deren Axtherrscher-Gottheit ja nichts anderes als ein Sklave Xarors.« Oder anders ausgedrückt: Magolas’ Vorgänger, ging es dem Elbenkönig bitter durch den Kopf, der es noch immer nicht verwunden hatte, dass sein Sohn zum Diener des Bösen und einem Feind des Elbenreichs geworden war. Wahrscheinlich würde das auch immer so bleiben – noch über den Zeitpunkt hinaus, da es unweigerlich zur offenen Konfrontation zwischen ihnen kommen musste.
Nach dem Essen genoss man einige Krüge Elbenwein; der wurde an den Hängen des Hochlands von Mittel-Elbiana zwischen Baranor und Nithrandor angebaut und mundete vorzüglich. Beim Wein eröffnete der König Herzog Isidorn und dessen Sohn, dass er vorhatte, zur Insel Naranduin zu segeln, was Isidorn mit großer Verwunderung aufnahm: In den vergangenen Jahrhunderten war es den elbischen Seefahrer per königlichem Dekret verboten gewesen, die Insel anzulaufen, doch ob sich wirklich alle Kapitäne daran gehalten hatten, war fraglich; jedenfalls gab es Berichte von Schiffe, die gen Norden gesegelt waren, vorgeblich nach Hochgard oder Miragond, dort aber nie angekommen waren. Gerüchte besagten, dass die Kapitäne dieser Unglücksschiffe der Versuchung erlegen waren, an der Küste Naranduins zu landen, um dort sagenhafte Schätze zu bergen: Die Steine des Magischen Feuers zum Beispiel, deren Wirkung seit Erfindung des Flammenspeers unter den Elben allgemein bekannt war.
Aber das waren alles nur Geschichten, deren Wahrheitsgehalt Keandir stark anzweifelte. Für viel wahrscheinlicher hielt er es, dass die verschwundenen Schiffe einfach gefährlichen Winden und der reißenden Strömungen zum Opfer gefallen waren.
»Mein Sohn Asagorn und ich würden Euch gern nach Naranduin begleiten, mein König«, erklärte Herzog Isidorn. »Ich bin der Meinung, es wäre Eurer Sicherheit dienlich, beträtet Ihr die Insel mit etwas größerem Gefolge.«
»Ich habe nichts dagegen einzuwenden«, antwortete Keandir, der Isidorn vor allem während des Wilderlandfeldzugs gegen die Trorks als loyalen Kampfgefährten kennengelernt hatte. »Aber bedenkt das Risiko, auf das Ihr Euch einlass.«
»Ihr kennt mich, mein König. Ich bin nicht besonders ängstlich veranlagt, und für meinen Sohn gilt dasselbe.«
»Das hätte ich auch niemals behaupten wollen, werter Isidorn.«
Der Tonfall des Herzogs veränderte sich, er sprach auf einmal mit gedämpfter Stimme. »Es ist mir einfach ein besonderes Bedürfnis, noch einmal dorthin zurückzukehren, wo alles begann, mein König.«
Keandir nickte. Herzog Isidorn war damals, als man die Insel des Augenlosen Sehers entdeckt hatte, Kapitän des Kundschafterschiffs »Morantor« gewesen; er war damals vom Anblick dieses Eilandes, als es aus den grauen Schwaden des zeitlosen Nebelmeers aufgetaucht war, ebenso beeindruckt gewesen wie der König und jeder andere Elb, der dies miterlebt hatte. Schließlich war Naranduin das erste Stück fester Boden gewesen, das die Elben nach einer Ewigkeit auf See erreicht hatten.
Und dann war da auch noch die Verheißung der bevorstehenden Zwillingsgeburt von Andir und Magolas gewesen, die dem Elbenvolk und seinem König Hoffnung gegeben hatte. Wie hatte sich diese Verheißung nur so grausam in ihr Gegenteil verkehren können? Keandir verstand es nach all der Zeit noch immer nicht. Aber ein Teil von ihm argwöhnte, dass vielleicht er selbst der Grund dafür gewesen war. Denn er hatte keinen Zweifel daran, dass sich die Finsternis seiner Seele auf Magolas übertragen hatte.
Doch dieses Schicksal hatte er einst selbst mit seinem Schwert und der Finsternis in deiner Seele geschaffen, ging es ihm durch den Kopf. Welchen Sinn machte es also, dass er sich fortwährend darüber beklagte?
Früh am nächsten Morgen brachen die »Tharnawn« und die beiden Schiffen der Herzöge von Meerland und Nordbergen auf. Ein rauer Wind fegte eiskalt von Norden her, und die Elbenschiffe waren gezwungen, dagegen zu kreuzen. Selbst angewandte Elementarzauber zeigten nur wenig Wirkung.
»Offenbar gibt es Mächte, die der Rückkehr der Elben auf die Insel des Augenlosen Sehers skeptisch
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