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Hasturs Erbe

Hasturs Erbe

Titel: Hasturs Erbe Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Marion Zimmer Bradley
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gespielt wurde.
    » Damisela , ich gedenke nicht zu heiraten, und wenn ich es täte, würde ich mir die Frau nicht vom Rat aussuchen lassen.« Ich versuchte ein Lächeln, doch ich wußte, daß es grimmig ausfiel. »Sieh nicht so niedergedrückt aus, Chiya , ein so hübsches Mädchen wie du wird sicher bald einen Mann finden, den du auch besser leiden kannst.«
    »Ich wünsche mir gar nicht so sehr zu heiraten«, sagte sie mit einiger Haltung. »Ich hatte vor, mich um Zulassung in einem der Türme zu bewerben. Meine Urgroßmutter wurde als Bewahrerin ausgebildet, und sie meinte, daß ich gut dazu geeignet sei. Aber ich habe immer meiner Familie gehorcht, und wenn sie mir einen Mann ausgesucht haben, dann bin ich nicht unzufrieden damit. Es tut mir nur leid, daß ich dir nicht zu gefallen scheine.«
    Sie war so ruhig, daß ich mich gefangen fühlte und fast in Panik geriet. »Es ist nicht, daß du mir nicht gefällst, Linnea. Aber ich will nicht auf ihren Wunsch hin heiraten.« Wieder flammte mein Zorn auf. Ich spürte, wie sie innerlich davor zurückzuckte. Ihre Hand ruhte immer noch leicht auf meinem Arm, als tanzten wir. Sie zog sie nun fort, als habe sie sich verbrannt. Ich glaubte, fortstürmen zu müssen, und machte auch eine kleine Bewegung, sie zu verlassen, als mir gerade noch rechtzeitig einfiel, daß dies sehr ungehörig wäre. Ein junges Mädchen mitten auf dem Tanzboden stehenzulassen, wäre so grob, daß dies kein Mann von einiger Erziehung gegenüber einem wohlerzogenen Mädchen mit untadeligen Manieren und von gutem Ruf gewagt hätte. Ich konnte sie solchem Klatsch nicht aussetzen. Jeder würde unvermeidlicherweise rätseln, was sie wohl für unaussprechliche Dinge gesagt haben mochte, daß ihr dies geschehen war. Ich blickte mich um. Javanne tanzte am anderen Ende des Ballsaales, daher geleitete ich Linnea zum Büffet. Ich bot ihr ein Glas Wein an, aber sie lehnte es mit einem Kopfschütteln ab. Statt dessen holte ich ihr Shallan und nippte unruhig an meinem Wein. Ich mochte ihn nicht.
    Als ich ein wenig ruhiger geworden war, sagte ich: »Nichts ist bisher entschieden. Du kannst denen, die dich darauf gebracht haben – wer immer es auch war, mein Vater, der alte Hastur –, du kannst ihnen sagen, du magst mich nicht, und damit ist alles geregelt.«
    Sie lächelte kurz und belustigt. »Aber ich mag dich, Dom Lewis«, sagte sie. »Ich werde da nicht lügen, selbst wenn ich dächte, ich könnte es. Lord Kennard würde es sogleich merken, wenn ich versuchte, ihn anzulügen. Du bist wütend und unglücklich, aber ich glaube, wärest du nicht so wütend, könntest du sehr nett sein. Ich wäre mit einer solchen Heirat zufrieden. Wenn du dich weigerst, mußt du es auch ausführen, Lew.«
    Wenn sie weniger jung, weniger naiv gewesen wäre, hätte ich ihr wahrscheinlich entgegengeschleudert, man könne wohl kaum von ihr erwarten, sie lehne eine Heirat mit einem Comyn ab. Doch ich glaube, sie spürte den Gedanken, denn sie sah bekümmert aus.
    Ich schloß ihre Gedanken aus und sagte tonlos: »Eine Frau sollte das Privileg der Ablehnung und Verweigerung besitzen. Ich hatte gedacht, ich erspare dir die Beleidigung, wenn ich zu meinem Vater sage, daß ich dich …« Ich merkte, daß ich nicht einfach sagen konnte, ich möchte sie nicht. »Daß ich nicht vorhabe, auf ihr Betreiben hin zu heiraten.«
    Ihre Haltung war beunruhigend. »Niemand heiratet auf eigenen Willen hin. Glaubst du wirklich, eine Ehe zwischen uns beiden würde unerträglich, Lew? Es liegt doch auf der Hand, daß man irgendeine Ehe für dich arrangieren wird.«
    Einen Moment schwankte ich. Sie war offensichtlich sehr sensibel und intelligent; wenn man sie für eine Ausbildung im Turm vorgeschlagen hatte, hieß das, sie hatte Laran . Mein Vater hatte sich offensichtlich große Mühe gegeben, eine Frau auszusuchen, die für mich akzeptabel wäre, eine mit terranischem Blut und zu der geistigen und emotionalen Vereinigung fähig, die ein Telepath braucht, wenn er eine Frau intim kennen will. Sie war hübsch. Sie war keine hirnlose Puppe, sondern besaß Geist und Verstand. Eine Sekunde lang dachte ich nach. Früher oder später würde ich heiraten müssen, das hatte ich immer schon gewußt. Ein Erbe der Comyn mußte Kinder zeugen. Und die Götter wußten es, ich war einsam … einsam …
    Und mein Vater, verdammt, hatte genau auf diese Reaktion gebaut. Wieder flammte meine Wut auf. » Damisela , ich habe dir gesagt, warum ich eine solche Heirat nicht

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