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Herr des Chaos

Herr des Chaos

Titel: Herr des Chaos Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robert Jordan
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Weile merkte er, daß Halima ihn ständig auf gewisse Art streifte, sich auf gewisse Art vorbeugte, um etwas zu betrachten, so daß er nicht umhin konnte, ihr in den Ausschnitt zu blicken. Er hätte es vielleicht genossen, wenn sie ihm nicht jedesmal mit aufmerksamem Blick und belustigtem Lächeln ins Gesicht gesehen hätte. Sie war auch keine sehr gute Tänzerin - sie versuchte, ihn zu führen -, so daß er sich schließlich entschuldigte.
    Es hätte keine große Sache sein sollen, aber bevor er nur zehn Schritte gegangen war, wurde der Fuchskopf auf seiner Brust eiskalt. Er fuhr wild herum und suchte nach einer Ursache. Aber dort war nur Halima, die ihn im Feuerschein ansah. Es dauerte nur einen Moment, bis sie den Arm eines großen Behüters ergriff und auf die Tanzfläche zurückwirbelte, aber er war sich sicher, auf diesem wunderschönen Gesicht Entsetzen gesehen zu haben.
    Die Fiedeln spielten eine klagende Melodie, die er erkannte. Zumindest galt dies für eine seiner alten Erinnerungen, die sich nicht sehr verändert hatten, wenn man das Verstreichen eines Zeitraums von über eintausend Jahren in Betracht zog. Die gesungene Weise mußte sich jedoch vollkommen verändert haben, denn diese alten Worte, die in seinem Kopf widerhallten, hätten hier niemals Gehör gefunden.
    Vertrau mir, sagte die Aes Sedai. Ich trage den Himmel auf meinen Schultern. Vertrau mir, daß ich weiß und tue, was das beste ist, und ich werde mich um den Rest kümmern. Aber Vertrauen ist die Eigenschaft dunklen, wachsenden Korns
    Vertrauen ist die Eigenschaft von Herzblut. Vertrauen ist die Eigenschaft des letzten Atemzugs einer Seele.
    Vertrauen ist die Eigenschaft des Todes.
    »Aes Sedai?« erwiderte eine unförmige junge Frau verächtlich auf seine Frage. Sie war hübsch, und unter anderen Umständen hätte er vielleicht versucht, sie zu küssen und zu umarmen. »Halima ist nur Delanas Schreiberin. Sie neckt die Männer stets. Wie ein Kind mit einem neuen Spielzeug. Sie neckt, nur um auszuprobieren, ob sie es kann. Sie hätte schon häufig in Schwierigkeiten gesteckt, wenn Delana sie nicht schützen würde.«
    Vertrau mir, sagte die Königin auf ihrem Thron, denn ich muß die Bürde ganz allein tragen. Vertrau mir die Führung und Beurteilung und Regentschaft an,
    und niemand wird dich für einen Narren halten. Aber Vertrauen ist der Klang des am Grab heulenden Hundes.
    Vertrauen ist der Klang des geheimen Treubruchs.
    Vertrauen ist der Klang des letzten Atemzugs einer
    Seele.
    Vertrauen ist der Klang des Todes.
    Vielleicht hatte er sich geirrt. Vielleicht war sie nur darüber entsetzt gewesen, daß er fortging. Nicht viele Männer würden eine Frau verlassen, die so hübsch war, egal ob sie ihn geneckt oder schlecht getanzt hatte. Das mußte es sein. Aber damit blieb seine Frage noch immer unbeantwortet. Wer und Warum? Er sah sich um, betrachtete die Tänzer und die Menschen, die am Rande der Schatten zusahen und warteten, bis sie an der Reihe waren. Der blonde Jäger des Horns, der ihm vertraut erschienen war, wirbelte mit einer besonders grobknochigen Frau vorbei, deren Zopf fast senkrecht hinter ihr abstand. Mat konnte Aes Sedai an ihren Gesichtern erkennen - die meisten jedenfalls -, aber er konnte nicht feststellen, welche versucht hatte ... was auch immer sie versucht hatte.
    Er schlenderte die Straße zum nächsten Freudenfeuer hinab, nicht nur um von diesem Lied fortzukommen, bevor es mit ›Der König von der Höhe‹ und ›Die Lady und der Lord‹ bis zu ›Die Liebe deines Lebens‹ in seinem Kopf weiterging. Bei dieser alten Erinnerung kam ihm wieder in den Sinn, daß er dieses Lied für die Liebe seines Lebens geschrieben hatte. Vertrauen ist der Geschmack des Todes. An der nächsten Straßenecke spielten ein Mann mit einer Fiedel und eine Frau mit einer Flöte etwas, was wie ›Plustere dich auf‹ klang - ein passendes Lied für einen Volkstanz.
    Wie weit konnte er Egwene trauen? Sie war jetzt eine Aes Sedai. Sie mußte eine sein, wenn sie die Amyrlin war, wenn auch eine Amyrlin aus dem einfachen Volk. Nun, was auch immer sie war, sie war Egwene. Er konnte nicht glauben, daß sie ihn so unvorbereitet angreifen würde. Nynaeve könnte es natürlich tun, aber nicht, um ihn wirklich zu verletzen, obwohl seine Hüfte noch immer schmerzte. Und nur das Licht wußte, wozu eine Frau wie Elayne fähig war. Er entschied, daß sie ihn noch immer vertreiben wollten. Er mußte wahrscheinlich mit weiteren Versuchen rechnen. Er

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