Invasion 03: Der Gegenschlag
schaltete auf Außenverbindung und rief die MetalStorm-Einheit. »Whiskey Drei-Fünf, hier SheVa Neun; wir könnten etwas Hilfe gebrauchen, Ende.«
»Was in drei Teufels Namen ist das, Ma'am?«
Captain Vickie Chan sah nach Westen in die untergehende Sonne und hielt sich dabei die Hand über die Augen. »Keine Ahnung, Glenn«, sagte sie und schüttelte dabei den Kopf. »Ich weiß es einfach nicht.«
Captain Chan war 1994 in die U.S. Army eingetreten und war damit ihrer Verpflichtung gegenüber dem Reserveoffizierskorps der University of Nebraska Army nachgekommen, die ihr als Tochter vietnamesischer Einwanderer ein Stipendium und ein monatliches Taschengeld ausgesetzt hatte. Als die Militärbehörden in ihrer unergründlichen Weisheit sie daher der Luftverteidigung zugeteilt hatte, hatte sie ihre Uniform angezogen und war in die Wildnis gewandert.
Eine einigermaßen erfolgreiche Dienstperiode – es gab bei der Luftabwehr nur sehr wenige Frauen, die es in einer Periode bis zum Captain schafften – hatte ihr bewiesen, dass eine Karriere bei der Army das Allerletzte war, was sie sich wünschte.
Gegen Ende ihrer Dienstzeit hatte sie sich ihre Geschlechtsgenossinnen in den oberen Rängen angesehen und war zu dem Schluss gelangt, dass es davon nur zwei Typen gab: Schlampen und Schlachtrösser. Sie verspürte nicht den Wunsch, auch so zu werden, und hatte daher seelenruhig ihre Papiere abgegeben und sich einer zivilen Laufbahn zugewandt.
Kurz darauf freilich hatte sie etwa gleichzeitig mit dem Eintreffen der Posleen gemeinsam mit praktisch jedem anderen Menschen auf der ganzen Welt, der je eine Uniform getragen hatte, einen Brief bekommen, mit dem sie zum Militärdienst eingezogen wurde. Ursprünglich war sie einer Einheit der Panzertruppe zugeteilt gewesen, aber als dann Bedarf an Einheiten zur Lander-Abwehr aufgekommen war und man auch Systeme zu deren Bekämpfung entwickelt hatte, hatte ein Computer ihren Namen ziemlich weit oben auf der Liste ausgespuckt. Sie hatte Erfahrung in der Flugabwehr und war zum Zeitpunkt ihrer Versetzung Kompaniechefin einer Panzereinheit. Perfekt.
Und dann war ihre blühende Laufbahn – sie hatte sich für die Variante Schlachtross entschieden – im Keim erstickt worden. Man hatte sie einer der ersten MetalStorm-Einheiten zugeteilt, einem System, das amtlicherseits die Bezeichnung M-179-»Rosser«-Medium-Anti-Lander-System trug und das die Soldaten häufig auch »Heulende Wölfe« oder »Wolfsrudel« nannten. Und als sich herausgestellt hatte, dass dieses System nur eine andere Art von Selbstmord war und gegen Lander keinerlei Chancen hatte, war sie dort hängen geblieben. Es gab keinen definierbaren, vernünftigen Einsatz für die Wölfe, aber es wäre zu aufwändig gewesen, die Abrams-Panzer, um die herum man sie konstruiert hatte, wieder in direkte Feuersysteme umzuwandeln, und die Wölfe waren zwar recht effizient, aber es gab andere Systeme, die etwa ebenso gut waren. Deshalb hatte man sie im Laufe der letzten fünf Jahre von einem Korps zum anderen herumgereicht, hie und da zur Verstärkung, aber im Wesentlichen einfach, weil niemand so recht wusste, was man mit Wölfen anfangen sollte, und sich auch nur wenige dafür interessierten.
Im Augenblick hätte sie ihre gegenwärtige Position mit dem größten Vergnügen gegen einen Einsatz in jedem dieser anderen Korps oder für jeden dieser langweiligen, sinnlosen Tage vertauscht. Es war offenkundig, dass dieses Korps sich im vollen Rückzug befand, und vorzurücken, um den Vormarsch der Posleen zu verlangsamen, klang wie eine permanente Lösung für ein kurzzeitiges Problem; es war einfach aussichtslos, dass ein Wolfsrudel einen Posleen-Angriff dieser Größenordnung aufhalten konnte.
Aber hier war sie nun einmal. Und vielleicht, wirklich vielleicht, würde die Kompanie überleben. Sie brauchten ja bloß diese … diese … ja was waren sie eigentlich? Abschießen.
»Der Computer sträubt sich«, sagte Specialist Glenn. Glenn war weiblichen Geschlechts wie ihre Vorgesetzte und hatte dünnes hellbraunes Haar, das ständig unter ihrem Helm hervorrutschte. Sie wischte es sich aus der Stirn und blickte auf. »Er nagelt sie einfach nicht fest. Das Radar sieht sie, aber der Computer zielt per Kanone nicht auf sie.«
Chan seufzte und rutschte in den Turm hinunter. Sie war sich ziemlich sicher, dass sie wusste, was hier im Gange war. Die Computersoftware stammte aus dem schon lange nicht mehr einsatzfähigen Sergeant
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