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Leopard

Leopard

Titel: Leopard Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jo Nesbø
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ausgehen können, wenn nicht andere Leute eingegriffen und Leike weggezerrt hätten.«
    »Gibt es außer dieser einen Verurteilung noch was?«
    »Tony Leike war bekannt für seinen Jähzorn und geriet ständig in Schlägereien. Während der Gerichtsverhandlung sagte ein Zeuge aus, Leike habe ihn in der Mittelstufe fast mit einem Gürtel erwürgt, weil er etwas Negatives über Tonys Vater gesagt hatte.«
    »Klingt ganz so, als sollten wir uns diesen Tony Leike mal ausführlich vornehmen. Wissen Sie, wo er wohnt?«
    »In Ihrer Stadt. Holmenveien … warten Sie … 172.«
    »Klar. Im Osloer Westen. Gut. Danke, Colbjornsen.«
    »Nichts zu danken. Doch, da fällt mir noch was ein. Gleich nach Elias ist ein Mann in den Bus eingestiegen. Er ist an derselben Haltestelle wie Elias ausgestiegen. Und Stine meinte, sie hätte gesehen, dass er Elias gefolgt ist. Leider konnte sie den Mann nicht beschreiben, da sein Gesicht von einem Hut verdeckt wurde. Das muss ja nichts bedeuten.«
    »Nein.«
    »Ich verlass mich auf Sie, Hole.«
    »Worauf verlassen Sie sich?«
    »Dass Sie das Richtige tun.«
    »Hm.«
    »Gute Nacht.«
    Harry blieb sitzen und lauschte dem Herzog. Dann griff er erneut zum Mobiltelefon und suchte Kajas Nummer in der Anruferliste. Er zögerte, bevor er die Anruftaste drückte. Schon wieder war er im Begriff, es zu tun und andere Menschen mit in den Abgrund zu ziehen. Harry legte das Handy weg. Es gab zwei Möglichkeiten. Die schlaue war, Bellman anzurufen. Die idiotische, es im Alleingang durchzuziehen.
    Harry seufzte. Was bildete er sich eigentlich ein? Er hatte doch keine andere Wahl. Er steckte das Feuerzeug zurück in die Tasche, wickelte den Klumpen in Folie ein und legte ihn zurück ins Barfach, zog sich aus, stellte den Wecker auf sechs und legte sich hin. Keine Wahl. Ein Gefangener seiner eigenen Verhaltensmuster, in denen jede Handlung in Wirklichkeit eine Zwangshandlung war. So gesehen war er weder besser noch schlechter als die, die er jagte.
    Und mit diesem Gedanken und einem Lächeln in den Mundwinkeln schlief er ein.
    Die Nacht ist so gesegnet still, sie heilt den Blick und klärt die Gedanken. Der neue, alte Polizist. Hole. Ich muss es ihm erzählen. Ihm nicht alles zeigen, nur so viel, dass er versteht. Damit er es zu Ende bringen kann. Damit ich nicht mehr tun muss, was ich tue. Ich spucke und spucke, aber das Blut füllt meinen Mund, immer und immer wieder.
KAPITEL 39
    Relationssuche
    H arry betrat das Präsidium morgens um Viertel vor sieben. Abgesehen von dem Wachmann am Eingang war das große Atrium vor den schweren Türen menschenleer.
    Er nickte dem Securitas-Mann zu, zog seine Chipkarte durch den Leser der automatischen Schranke und fuhr mit dem Fahrstuhl in den Keller. Von dort hastete er durch den Tunnel und schloss die Tür des provisorischen Büros auf. Er zündete sich die erste Zigarette des Tages an und wählte eine Handynummer, während der PC hochfuhr. Katrine Bratt hörte sich noch verschlafen an.
    »Ich will, dass du noch mal eine von deinen Relationssuchen machst«, sagte Harry. »Zwischen einem Tony Leike und jedem der Mordopfer. Inklusive Juliana Verni in Leipzig.«
    »Bis halb neun ist es im Hobbyraum noch leer«, sagte sie, »da kann ich gleich loslegen. Sonst noch was?«
    Harry zögerte. »Kannst du einen Jussi Kolkka für mich überprüfen? Er ist Polizist.«
    »Was soll mit ihm sein?«
    »Das ist es ja eben«, sagte Harry. »Ich habe keine Ahnung, was mit ihm ist.«
    Harry legte das Telefon weg und wandte sich dem PC zu.
    Tony Leike war tatsächlich einmal verurteilt worden. Und infolge der Akten war er auch noch bei zwei anderen Vorfällen in Kontakt mit der Polizei gewesen. Wie Colbjornsen angedeutet hatte, handelte es sich um Körperverletzungen. In dem einen Fall war die Anzeige zurückgezogen und in dem anderen das Verfahren eingestellt worden.
    Harry recherchierte Tony bei Google und fand ein paar kürzere Zeitungsartikel, die meisten in Verbindung mit seiner Verlobung mit Lene Galtung, aber auch ein paar aus der Finanzwelt, in der Leike mal als Investor, mal als Aktienspekulant und mal als ignoranter Ochse tituliert wurde. Letzteres im Magazin
Kapital,
in dem man sich darüber amüsierte, dass auch Leike zu denen gehörte, die alles bis ins letzte Detail so machten wie der große Leitwolf Kringlen, ob es nun um Aktien ging, den Erwerb einer Hütte oder eines Autos oder die Wahl der richtigen Kneipe, des richtigen Drinks oder von Frauen, Büro-, Privat-und

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