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Nick Stone - 03 - Verbrannte Spuren

Nick Stone - 03 - Verbrannte Spuren

Titel: Nick Stone - 03 - Verbrannte Spuren Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Andy NcNab
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nochmals zuzuschlagen,
    beherrschte mich dann aber. Zimmermann war erledigt.
    Dickflüssiges, fast braunes Blut quoll aus seinen Kopfverletzungen. Die blicklos trüben Augen starrten aufgerissen und mit unnatürlich geweiteten Pupillen ins Leere. Sein Blut lief auf den Teppichboden, der es wie Löschpapier aufsaugte.
    Ich blieb auf ihm hocken, stützte mich mit beiden Händen auf seine Brust und war wütend auf mich, weil ich die Beherrschung verloren hatte. Um zu überleben, muss man manchmal richtig aufdrehen – aber ich war völlig ausgeflippt, und das gefiel mir nicht.
    Ich drehte mich nach dem alten Kerl um. Totschläger und Revolver lagen wie er selbst auf dem Fußboden: Er lag zusammengekrümmt da, hielt seine Mütze wie einen Druckverband an sein Gesicht gepresst und stöhnte vor sich hin. Seine Beine zuckten schwach über den
    Teppichboden.
    Ich rappelte mich langsam auf und beförderte die
    Waffen mit meinen Füßen außer Reichweite. Der
    Revolver schien ein Kaliber 38 Special zu sein, eine in den dreißiger Jahren bei amerikanischen Gangstern 550
    beliebte Waffe mit kurzem Lauf.
    Ich packte ihn am Kragen seines Ledermantels,
    schleppte ihn über Zimmermann hinweg ins Bad und ließ seine durchgeblutete Kosakenmütze liegen. Warum er sie ständig trug, war jetzt offensichtlich: Über seinen ansonsten kahlen Schädel zogen sich nur einige wenige dünne Haarsträhnen.
    Er stöhnte weiter leise vor sich hin und tat sich vermutlich sehr Leid, aber er lebte noch, was bedeutete, dass er eine Gefahr darstellte. Mein Kiefer schmerzte heftig, als ich mich anstrengte, um den Alten ins Bad zu schleppen, aber wenigstens beruhigte mein Puls sich allmählich. Es gab keine andere Möglichkeit: Er musste sterben. Das gefiel mir nicht, aber ich konnte ihn hier nicht lebend zurücklassen, wenn ich morgen zur
    Computerzentrale der Maliskija aufbrach. Er konnte meinen ganzen Plan durchkreuzen.
    Als ich ihn losließ, sackte er auf dem gefliesten Boden zusammen. Ich drehte das heiße Wasser auf, und der Durchlauferhitzer trat brausend in Aktion.
    Während er dalag und vor sich hin stöhnte, zeigte mir ein Blick in seine Geldbörse den üblichen Inhalt. Mich interessierte nur das russische und estnische Geld; sobald ich die Scheine in meine Jeans gesteckt hatte, ging ich ins Zimmer zurück.
    Dort stieg ich über Zimmermann hinweg, hob den
    Kaliber 38 Special vom Boden auf und nahm eine der flauschigen braunen Nylondecken mit.
    Den Hammer des Revolvers zog ich zurück, bis er
    gespannt war. Ich wollte nicht, dass er sich beim 551
    Abdrücken erst ganz zurückbewegen musste, bevor er nach vorn auf den Patronenboden schlug. Dabei konnte er sich leicht in der Nylondecke verfangen.
    Ich ging wieder ins Bad, sah ihm nicht mal ins
    Gesicht, weil ich seinem Blick nicht begegnen wollte, drückte rasch die Revolvermündung in die Decke,
    wickelte die Waffe in das flauschige Nylonmaterial ein, rammte die Mündung gegen seinen Kopf und drückte ab.
    Es gab einen dumpfen Schlag und dann einen Knall, als unter dem Geschoss, das aus seinem Schädel austrat, eine Fliese zersplitterte. Ich ließ die Decke über sein Gesicht fallen und horchte nach draußen. Von außerhalb kam keine hörbare Reaktion auf den Schuss; in Hotels dieser Art stellte man keine überflüssigen Fragen, selbst wenn nebenan anscheinend ein Gewaltverbrechen verübt wurde. Das Einzige, was meine Sinne registrierten, waren das Brausen des Durchlauferhitzers und der Geruch von verbranntem Nylon.
    Ich drehte das Wasser ab, und die Gasflamme erlosch, als ich nach nebenan zurückging. Ich zog Zimmermann die Geldbörse aus der Tasche und steckte auch sein Geld ein. Seine Waffe steckte noch im Schulterhalfter, aber sie war bereits gelockert. Daran merkte ich, wie viel Glück ich gehabt hatte. Schon im nächsten Augenblick hätte die Sache völlig anders aussehen können.
    Die Pistole war eine Macharow, eine russische Kopie von James Bonds Walther PPK, die aber nur für nächste Entfernungen, zum persönlichen Schutz geeignet war –
    die ideale Waffe, wenn man in einer Komfort Baar Streit bekam. Auf größere Entfernungen war es wirkungsvoller, 552
    mit der Pistole nach dem Gegner zu werfen. Kein
    Wunder, dass sie in gewissen Kreisen als »Diskoknaller«
    bekannt war. Trotzdem beschloss ich, sie zu behalten.
    Der Griff dieser russischen Ausführung war so klobig, dass jemand mit kleinen Händen wie ich Mühe hatte, ihn beim Ziehen gleich richtig zu umfassen, aber die
    Macharow war

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