Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Parallelgeschichten

Parallelgeschichten

Titel: Parallelgeschichten Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Péter Nádas
Vom Netzwerk:
Während sie sich mit ihrem brodelnden Hass beschäftigte und damit, dass das liebe, gute Médilein vorausgesagt hatte, dass Gyöngyvér es hören würde, wenn es an seinem Platz war.
    Es würde ihr vorkommen, als hätte sich bei ihr ein ganz anderes Gehör aufgetan.
    Der Heilige Geist, oder so was, war über sie gekommen.
    Es steht neben Ihnen und beobachtet Ihr Singen.
    Zu diesem Gehör werden Sie die Ohren nicht brauchen.
    Oder das liebe Médilein hatte ihr das Gehör geliehen.
    Ihr Körper platzt fast vor Triumphgefühl.
    Am liebsten würde man vor Freude Frau Szemzős uralten Klavierschemel vollpissen.
    Einzig dieser blöde Harndrang hatte den Ton an seinen Platz gesetzt. Klar, wieder hatte sie sich in dem elenden Dienstbotenzimmer, wo sie dank der Güte dieser heiklen Damen ein Plätzchen hatte, erkälten dürfen. Das liebe Médilein sagt alles voraus. Sie wird sich wieder wochenlang mit Blasenentzündungen und Eierstockinfektionen herumschlagen dürfen, mit Blutungen, und da wird sie auch diesen verdammten Schönling wegschicken müssen.
    Das Zusammenfinden der verschiedensten Dinge überwältigte und erschütterte sie so, dass sie beide Arme auf die Tastatur legte und darauf ihren von der Migräne zerquälten hübschen kleinen Kopf. Voller Selbstmitleid, weil sie zu einer so grausamen Gesangslehrerin verurteilt war, allerdings der besten in der Stadt. Siebenundfünfzig Forint die Stunde. Jeden Monat die Hälfte des Gehalts bei ihr lassen, nicht mal einen dreckigen Lumpen kann sie sich leisten, alle ihre guten Stücke hat sie jemandem abgeschmeichelt. Dass sie ein so unglücklicher, lebensunfähiger, ein so hoffnungsloser Fall sein muss, die nicht einmal diese Fähigkeit auszunutzen vermag, eine so nichtsnutzige sterbliche Hülle. Sie leckt bloß an Schwänzen wie die Ziege am Salz, ohne einen Mann zu finden, der es ihr abends anständig besorgt und sie zärtlich liebt.
    So einen Mann gibt es nicht und wird es niemals geben, aber wenigstens weiß sie, wo sie dieses verfluchte Fis hintun muss.
    Das nehmen nicht einmal die mir weg.
    Dabei machte sie auf dem ausgemusterten Konzertflügel einen Höllenlärm mit ihren Armen.
    Dass ausgerechnet ein so verwöhnter Schönling es mir besorgen sollte, ein solcher Schmachthaufen, das kannst du dir von einem solchen Herrschaftssöhnchen noch lange wünschen, der ist doch nur auf sein eigenes Vergnügen aus.
    Dass wir Frauen so dämliche Huren sind.
    Und dann soll ich ihm auch noch ein Plaid bringen, ich soll aus Frau Szemzős Schrank ein schönes warmes Plaid für ihn stehlen.
    Sollen doch diese Schönlinge ihre Großmutter lecken gehen, verflucht noch mal.
    Mein Gott, so etwas dürfte ich nicht denken.
    Kriegst eine Maulschelle, Mädchen.
    Sich nicht umdrehen, und während er so flehte und erschauerte, begann er zu laufen. Aber wohin denn auf der Brücke, auch pulsierte sein verwundetes Schienbein und tat höllisch weh.
    Im Augenblick, als er stehen blieb, um den an seinen Fersen schnaufenden Hund unbarmherzig zu vertreiben, irgendwie, jedenfalls gründlich, so ein streunendes Vieh soll ihm nicht nachlaufen, und er sich also trotzdem umdrehte, spürte er an den Schultern schon die Krallenpfoten des Tiers und im Gesicht die nasse warme Zunge.
    Von dem Augenblick an war Kristóf von der breiten, warmen Zunge des Hundes wie gezeichnet. Was man ihm nicht unbedingt ansah, da er sich mit aller Kraft gegen seine eigene Güte sträubte und nichts von Mitleid und Barmherzigkeit hören wollte.
    Er schwankte, brüllte, stieß den Hund von sich.
    Vor Ekel und Hass bekam er am ganzen Körper Ausschlag, er schluckte leer.
    Zauberhaft, das haben Sie wirklich gut gemacht, Gyöngyvérchen. Sie haben es geschafft, geschafft. Nur Ihre Ungeduld macht mir Angst, Ihre Hysterie. Deswegen hätte ich es nicht geglaubt, nicht gedacht. Bilden Sie sich nicht zu viel darauf ein.
    Und so vermassle ich es wieder, wenn ich von diesem wunderschönen, lieben Mann so eine Schweinerei denke.
    Auf sie scheißen doch alle.
    Sie haben das wunderbar gemacht, aber wir wollen doch sehen, ob das Fis nicht nur zufällig herausgerutscht ist.
    Mir soll niemand vorschreiben, was ich tun soll. Warum soll ich mir nichts darauf einbilden.
    Ich gebe Ihnen ein paar Fis, passen Sie auf, Gyöngyvér, aber jetzt im richtigen Tempo und mit Text.
    Jetzt wird gleich
apertamente
herauskommen, ob Sie’s tatsächlich gefunden haben.
    Ich scheiße aufs Médilein.
    Sie können das auch ohne diese ganze Kopfnickerei, würde ich

Weitere Kostenlose Bücher