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Reise nach dem Mittelpunkt der Erde

Reise nach dem Mittelpunkt der Erde

Titel: Reise nach dem Mittelpunkt der Erde Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jules Verne
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niemals hätte der Mensch ihm eine gleiche Tragfähigkeit zu geben vermocht. Was wollen die Brückenbogen und die Gewölbe der Kathedralen gegen dieses Schiff mit einem Durchmesser von dreißig Kilometer, unter welchem ein Meer und seine Stürme sich bequem entwickeln können?
    – O! Ich habe keine Angst, daß mir der Himmel auf den Kopf falle. Jetzt, lieber Oheim, was haben Sie im Plan? Denken Sie nicht auf die Erdoberfläche zurückzukehren?
    – Zurückkehren? Das wäre! Im Gegentheil, die Reise fortsetzen, weil Alles bis jetzt so gut gegangen.
    – Doch weiß ich nicht, wie wir unter dieser flüssigen Ebene weiter dringen werden.
    – O! Ich denke nicht kopfüber mich hinein zu stürzen. Aber wenn die Oceane, richtig benannt, nur Seen sind, weil sie von Land umgeben werden, so ist mit um so mehr Grund anzunehmen, daß dieses innere Meer vom granitenen Bau umgeben ist.
    – Kein Zweifel.
    – Nun, auf dem jenseitigen Ufer bin ich sicher neue Ausgänge zu finden.
    – Wie groß glauben Sie, daß dieser Ocean sei?
    – Dreihundert bis vierhundert Kilometer.
    – Ah! sagte ich; doch meinte ich, diese Schätzung möchte wohl nicht völlig genau sein.
    – Also wir haben keine Zeit zu verlieren, und gleich morgen wollen wir in die See stechen.«
    Unwillkürlich sah ich mich um nach dem Fahrzeug, das uns hinüberschaffen sollte.
    »Nun, sagte ich, einschiffen werden wir uns. Gut! und auf welchem Boot werden wir Platz nehmen?
     

    Bad im Mittelmeer. (S. 165.)
     
    – Dafür bedarf’s keines Bootes, lieber Junge, sondern ein gutes und solides Floß wird ausreichen.
    – Ein Floß! rief ich aus. Ein Floß ist ebenso schwer zu bauen, und ich sehe nicht …
    – Du siehst nicht, Axel, aber wenn Du hören willst, könntest Du hören!
    – Hören?
    – Ja, die Hammerschläge würden Dir begreiflich machen, daß Hans schon an der Arbeit ist.
     

    Tang. (S. 172.)
     
    – Er errichtet ein Floß?
    – Ja.
    – Wie! hat er schon Bäume gefällt?
    – O! die Bäume waren sämmtlich gefällt. Komm, und Du wirst ihn bei der Arbeit finden.«
    Nachdem wir eine Viertelstunde weit gegangen, bemerkte ich jenseits des Vorgebirgs, welches den kleinen Hafen bildete, Hans bei der Arbeit. Nur noch einige Schritte und ich war bei ihm. Zu meiner großen Ueberraschung lag ein halb fertiges Floß auf dem Sand; es war aus Balken einer ganz besonderen Holzart gefertigt, und eine Anzahl Bohlen, Kniestücke, Spante aller Art bedeckten den Boden. Man konnte daraus schon eine Flotte bauen.
    »Oheim, rief ich, was ist das für ein Holz?
    – Fichten, Tannen, Birken, allerlei zapfentragende Bäume des Nordens, die durch’s Seewasser mineralisirt worden.
    – Ist’s möglich?
    – Man nennt dies fossile Holz ›
surtarbrandur
‹.
    – Aber dann muß es, als versteinertes Holz und hart wie ein Stein, im Wasser untergehen?
    – Das ist zuweilen der Fall; manches Holz der Art ist vollständig Anthracit geworden; anderes aber, wie dieses, hat nur einen Anfang der Umbildung erlitten. Schaue nur«, fuhr mein Oheim fort, und warf eins dieser kostbaren Stücke in’s Meer.
    Das Stück kam, nachdem es untergesunken, wieder an die Oberfläche des Wassers und schwankte auf den Wellen.
    »Hast Du Dich überzeugt? sagte mein Oheim.
    – Um so mehr, als es unglaublich ist!«
    Am folgenden Abend war, Dank der Geschicklichkeit des Führers, das Floß fertig; es war zehn Fuß lang und fünf breit. Die mit starken Stricken zusammengeschnürten Balken von Surtarbrandur gewährten eine solide Fläche, und als dieses improvisirte Fahrzeug in’s Wasser gelassen war, schwamm es ruhig auf den Wogen des Meeres Lidenbrock.

Zweiunddreißigstes Capitel.
Eine Wasserpartie.
    Am 13. August standen wir frühzeitig auf. Es handelte sich darum, eine neue Art von Transportmittel einzuweihen.
    Ein aus zwei mit Schalen verstärkten Stäben verfertigter Mast, eine aus einem dritten gebildete Raa, ein unseren Decken entliehenes Segel – dies war das Takelwerk des Flosses. An Stricken mangelte es nicht. Alles war solid.
    Um sechs Uhr gab der Professor das Zeichen zum Einschiffen. Die Lebensmittel, Bagage, Instrumente, die Waffen und ein ansehnlicher Vorrath süßen Wassers, welcher in den Felsen gesammelt worden war, befanden sich an der Stelle. Hans hatte ein Steuerruder eingerichtet, womit er seinen schwimmenden Apparat leiten konnte. Er stellte sich an die Barre. Ich machte das Ankertau, womit wir am Ufer befestigt waren, los. Das Segel wurde gerichtet, und wir stießen rasch vom

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