Silberband 101 - Eiswind der Zeit
Planet könnte in Gefahr geraten, vernichtet zu werden.«
»Übertreibst du nicht ein wenig?«, fragte Roctin-Par ungläubig.
»Es ist eher erstaunlich, dass die Phänomene, die wir gestern beobachten konnten, nicht schon früher auftraten. Je schneller die Terraner kommen, um Harno abzuholen, desto besser für uns alle.«
Roctin-Par wollte gerade antworten, als der linke Bereich der Gartenterrasse mit unheimlichem Getöse zusammenbrach.
Beide Laren sprangen auf und liefen die letzten Stufen hinab in den Garten. Keine Sekunde zu früh, denn die Treppe schimmerte plötzlich in seltsamer Transparenz, dann stürzte der Rest der Terrasse ein. Als die Stufen wieder sichtbar wurden, stand die Treppe praktisch frei in der Luft und führte hinauf zum Hauseingang, an dem sich nichts verändert hatte.
»Ein Zeichen Harnos«, flüsterte Hotrenor-Taak. »Er will hier fort, und zwar so schnell wie möglich!«
»Die Terraner …«
»Wir können nicht mehr warten. So viel Zeit haben wir nicht. Ist unser Raumer startbereit?«
»In wenigen Stunden. Ich habe ihn zu dem geheimen Ort geschickt, wo die letzte Mastibekk-Pyramide ihn auflädt. Ein Glück, dass wir sie noch haben.«
»Wenn ich mir vorstelle, dass wir damals verzweifelt nach einer Energiequelle für unsere SVE-Raumer suchten, während ihr ›Rebellen‹ über eine Pyramide verfügen konntet – fast möchte ich darüber lachen.«
»Mir ist nicht nach Lachen zumute«, gab Roctin-Par zu. »Sobald die GORSELL zurück ist, werden wir Harno verladen. Hoffentlich bereitet uns das keine neuen Schwierigkeiten.« Er schaute Hotrenor-Taak fragend an. »Du willst Harno wirklich begleiten?«
»Ich muss!«
»Warum?«
»Dafür gibt es viele Gründe. Der wichtigste ist: Ich bin den Terranern zu Dank verpflichtet. Vergiss nie, dass ich einen langen Krieg gegen sie führte, den ich letztlich verlor. Ich wurde von ihnen nie verurteilt. Wenn ich Harno von hier fortbringe, so birgt das Gefahren für mich – Gefahren, denen ich die Terraner nicht aussetzen möchte. Ein anderer Grund ist meine Befürchtung, dass Harno jeden Augenblick die Kontrolle verlieren und Gäa in eine Katastrophe stürzen kann. Die Frage bleibt nur, wohin soll ich ihn bringen?«
Roctin-Par schaute zurück zum Haus, während sie auf den Gleiter zugingen. Über dem Dach stand eine flimmernde Wolke.
»Ich muss das Ziel kennen, um dir nach einer vereinbarten Frist ein zweites Schiff zu schicken. Wir wissen nicht, was geschehen wird.«
Sie stiegen in den Gleiter. Kurz darauf setzte ein Erdbeben ein, das die Hügel der Landschaft wie riesige Wellenberge erscheinen ließ, das Haus jedoch verschonte. Noch schien Harno sich selbst schützen zu können.
»Schneller!«, drängte Hotrenor-Taak. »Es ist höchste Zeit!«
Sie saßen über die Sternkarten gebeugt und wägten Chance gegen Chance ab. Schließlich tippte Hotrenor-Taak auf einen Punkt. »Das ist es, Roctin-Par! Das Mugnam-System!«
»Warum?«
Hotrenor-Taak zögerte für einen Moment. »Einen triftigen Grund gibt es eigentlich nicht. Aber mein Gefühl sagt mir, dass kein System besser geeignet wäre, Harno aufzunehmen. Die Entfernung von Gäa beträgt 2.318 Lichtjahre, ist also leicht mit der GORSELL zu überbrücken.«
»Hier in den Anmerkungen lese ich einiges, das mir nicht gefallen will. Die grüne Sonne soll einst der Begleiter eines größeren Sterns gewesen sein, der spurlos verschwand. Niemand weiß, was mit ihm geschehen ist.«
»Jedenfalls rief sein Verschwinden keine Katastrophe hervor, und gerade das finde ich bemerkenswert. Ich will aber nicht behaupten, dass ein Zeitfeld oder eine Dimensionsverschiebung damit zu tun haben könnten.«
»Mugnam hat drei Planeten, der zweite heißt Mugnammor, eine unbewohnte Sauerstoffwelt.«
»Genau das, was wir brauchen. Abgesehen von der in der Karte erwähnten 5-D-Strahlung, die das System einhüllt wie eine Aura. Sie ist instabil, aber nicht so hart wie in der Provcon-Faust. Harno dürfte mit ihr fertig werden.«
»Selbst die Terraner haben dieses System in ihrer Blütezeit nicht beachtet«, warf Roctin-Par nachdenklich ein.
»Planeten, die ungewöhnlichen Energieeinflüssen ausgesetzt waren, interessieren sie nicht. Ich finde, wir sollten uns für Mugnam entscheiden.«
»Das ist bereits entschieden!«, sagte Roctin-Par.
Im grellen Licht der Scheinwerfer wirkte das Landhaus mit der zusammengestürzten Terrasse noch gespenstischer als am Tage.
Im freien Gelände vor dem Garten wartete die
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